Keine Verarsche

Dass im Breitfilz keine Parzelle rausfliegt, ist gut. Die Pächter aber wollen mehr

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Geht es ums Breitfilz, ist die Hütte voll, so wie am Montagabend im Stüberl des Nonnenwaldstadions.

Penzberg – Dieser Abend spiegelte die ganze Ambivalenz wieder, welche die Diskussion um die Zukunft der Kleingartenanlage im Breitfilz beherrscht. Tosender Applaus wechselte sich mit Buh-Rufen ab, wobei der Beifall dem „Team Breitfilz“ galt, während die Protestbekundungen dem Rathaus gewidmet waren.

Dabei hatte dieser Abend im Stüberl des Nonnenwaldstadions für die Pächter der Parzellen vor allem eine frohe Kunde parat: „Ihr seid alle mit drin, niemand fällt raus“, strahlte Marianne Fesl. Ihr, die zum „Team Breitfilz“ gehört, war es vorbehalten, den seit dem Erlass des Nutzungsverbots größten Erfolg der Schrebergärtner zu verkünden. Denn entgegen der bisherigen, aus dem Rathaus verbreiteten Lesart können sämtliche Parzellen in dem dringend erforderlichen Bebauungsplan für das Areal erhalten werden. 

Paul Hattemer, der für die CSU in den Stadtrat möchte und als Fuchs in baurechtlichen Fragen gilt, hat die Verkündung der frohen Botschaft bereitwillig der holden Weiblichkeit überlassen. Die Frauen sorgen für den Spaß, die Männer für den Ernst, so ist das geregelt im „Team Breitfilz“, dem außerdem noch Rudi Fesl, Walter Höck, Christof Ludewig, Thomas Szeyei und Yusuv Türkyilmaz angehören. Sie sind angetreten, um einen Verein zu gründen, der künftig das operative Geschäft im Breitfilz ausüben soll. „Ohne Verein wird es nicht funktionieren“, betonte Hattemer. Doch so kooperativ sich die Stadt bei der Einsichtnahme in den neuen Entwurf des Bebauungsplanes (in dem alle bisherigen Parzellen enthalten sind) auch zeigte, so restriktiv geht man im Rathaus mit den für Hattemer & Co. so wichtigen Informationen vor. „Die Stadt will, dass wir einen Verein gründen, gibt uns aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht die Namen der Pächter preis“, erklärte er den fast 100 Penzbergern in der Stadiongaststätte. 

Um überhaupt erst einmal zu erfassen, wer von den Pächtern denn welche Parzelle besitzt und wer gewillt ist, künftig unter dem Dach eines Vereins zu weilen, sollten sich alle in eine Liste eintragen und ihr Kreuzchen zur Vereinsgründung bei Ja oder Nein setzten. Eine Auswertung gab es an diesem Abend noch nicht, allerdings wurde deutlich gemacht, dass ein Verein nur dann gegründet werden könne, wen man wisse, wer sich daran beteilige. Paul Hattemer hatte in diesem Zusammenhang eine Überraschung parat: Bei einem gemeinsamen Gespräch mit Kämmerer Johannes Blank und Stadtbaumeister Justus Clement habe das „Team Breitfilz“ ziemlichen Freiraum zugestanden bekommen, um eine neue Grenzlinie um das Areal zu setzen. „Wir bekamen einen Plan ausgehändigt mit der Ist-Situation. Da sieht man, dass die Grenzlinie wild umherspringt. Unsere Aufgabe war es nun, eine neue Grenzlinie zu ziehen“, sagte der ehemalige Bauingenieur und zog mit dem Finger auf der Folie die Konturen der Linie nach. Dann kam Marianne Fesls freudiger Ausruf: „Ihr seid alle mit drin!“ Worauf sie tosenden Applaus erntete, hieß es doch zuletzt immer noch, dass man wohl die Grundstücke nahe dem Hochmoor nicht halten könne. 

Im nächsten Schritt will Hattemer nun unbedingt die Genehmigung des Bebauungsplanes mit der neuen Grenzlinie vorantreiben. „Solange es keinen rechtskräftigen Bebauungsplan gibt, gibt es auch kein Baurecht“, erklärte er. In diesem Zusammenhang betonte er aber auch, dass man es im Rathaus dem „Team Breitfilz“ vor allem bei der Informationsbeschaffung nicht einfach mache. Aber Hattemer versicherte: „Wenn wir keine Informationen bekommen, dann bohren wir so lange, bis wir sie haben. Wir lassen uns nicht mehr verarschen!“ Was auch ihm einen dicken Applaus einbrachte. Unverständnis herrscht in den Reihen der Pächter aber vor allem über die Art und Weise, wie die Stadtverwaltung mit ihnen umgehe. Das Wort „Geheimniskrämerei“ machte nun oft die Runde, eine bessere, transparentere Zusammenarbeit wurde vehement eingefordert. 

Auch die Bürgermeisterkandidaten Markus Bocksberger (Penz­berg Miteinander) und Stefan Korpan (CSU) hatten sich an diesem Abend ins Nonnenwaldstüberl begeben. „Ich bin heil­froh, dass jetzt alle Hütten mit drin sind“, sagte Bocksberger erleichtert. Er merkte jedoch auch an, dass es zur Vereinsgründung einen Stadtratsbeschluss brauche, der noch nicht erfolgt sei. Und Korpan sieht ganz klar die Stadtverwaltung in der Verantwortung, für Rettungswege und Wasserzuleitungen in der Breitfilzanlage zu sorgen. Deshalb forderte Paul Hattemer letztlich, „dass die Stadt ihre Hausaufgaben erledigen muss“, bevor es zu einer Vereinsgründung komme. „Das Areal muss uns clean übergeben werden“ unterstrich Hattemer. Als Ziel stellt er sich den Erhalt des Areals in seinem aktuellen Zustand vor, außerdem soll eine vernünftige Parksituation geschaffen werden. Marianne Fesl räumte ein, dass wohl für die Rettungswege der eine oder andere Pächter „ein paar Meter seines Grundstücks abzwacken muss“, aber sie sieht darin kein Problem, wenn die Gesamtlösung eine gute sei. Um erreichbar zu sein, wird demnächst ein Briefkasten mit der Aufschrift „Freizeitgärten Breitfilz“ in der Rathauspassage angebracht. Hier sollen all jene ihre Kontaktdaten einwerfen, die noch nicht auf der Liste erfasst sind, jedoch eine Parzelle besitzen. 

Die von Stefan Korpan beim politischen Aschermittwoch der CSU geäußerte Vermutung, die Stadt wolle die Breitfilz-Anlage verkleinern, um somit ökologische Ausgleichsflächen für künftige Bauvorhaben zu erhalten, wurde im Übrigen nicht nur an diesem Abend entkräftet. Inzwischen meldete sich auch Kämmerer Johann Blank zu Wort. Derartige Überlegungen habe es, so Blank, in der Vergangenheit für einen brachliegenden Teil des Areals tatsächlich gegeben, sie wurden dann aber rasch wieder verworfen. Im Übrigen eigneten sich die bis jetzt genutzten Parzellen ohnehin nicht für einen ökologischen Ausgleich, weil die einstigen Moorflächen aufgrund des jahrzehntelangen Wasserentzugs nicht mehr renaturiert werden könnten. au/la

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