Klimaschutz ohne Bier

Jungbürgerversammlung: Überschuss der Alten, aber trotzdem gute Ideen

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Was läuft und was nicht? Unter anderem damit beschäftigte sich Penzbergs Nachwuchs, unter anderem gemeinsam mit dem Jugendreferenten Holger Fey (links).

Penzberg – Wie schwer es ist, junge Menschen für eine Mitwirkung an politischen Prozessen zu gewinnen, zeigte die Jungbürgerversammlung in der Stadthalle mehr als eindrucksvoll: Siebzehn Junge sahen sich sechzehn Alten gegenüber.

Man muss fairerweise anmerken, dass unter den Jungen einige ganz Junge waren, die wohl darauf warteten, von den Eltern abgeholt zu werden und nicht damit gerechnet haben, sich mit der Bürgermeisterin unterhalten zu sollen. Und bei den Alten war einer dabei, den keiner kannte und der eigentlich nur ein Bier wollte. Bei einer speziseligen Jungbürgerversammlung eine grandiose Idee. 

Lisa Nagel vom Familienbüro im Rathaus, deren vornehmste Aufgabe es ist, sich neben dem Eismärchen auch um den Nachwuchs der Stadt zu kümmern, nahm es mit Humor und meinte: „Schön, dass wenigstens ein paar Jugendliche da sind.“ Dabei hätte man durchaus mit einer größeren Resonanz rechnen können, weil im Mittelpunkt dieses Nachmittags der Klimaschutz vor Ort stand. Von den Leuten, die während der Schule die „Fridays for Future“-Demos durch die Innenstadt anführen, wurde aber keiner gesehen. Und wenn die Jungs von Nonnenwald-Rock und der Aushilfsschankkellner der Stadthalle nicht gewesen wären, hätte es noch mauer ausgesehen. 

Die Stadtratsfraktion der FLP hatte sich an diesem Tag einen Cleverle-Preis verdient: Sie entsandte Stefan Fuchs, den man eilig den Alten zurechnete, der aber mit seinen 25 Jahren gerade noch die Anforderung an einen Jungbürger erfüllte. Etwas verloren saß er anfangs dennoch herum, weil ihn dann doch bald zehn Lebensjahre vom Rest der Jugend trennten.Noch schlimmer erging es da Holger Fey von der SPD und Nick Lisson von der CSU: Die beiden Jugendreferenten des Stadtrates wirkten an den Thementischen dann doch eher wie Abgesandte des Seniorenbeirats. 

Allerdings muss man sagen, dass der nun recht deutliche Erwachsenenüberschuss dazu beitrug, mit jenen Jugendlichen, die geblieben waren, einen erfrischenden Dialog in Gang zu setzen. Gut, der große Unbekannte saß immer noch da, auch wenn er kein Bier bekam, aber an ihm vorbei entwickelte sich ein munterer Dialog darüber, was in Sachen Klimaschutz in Penzberg gut und weniger gut laufe, was die Stadt besser machen solle und was jeder einzelne dazu beitragen könne. In Bezug auf die Eigeninitiative gab es da was vom regionalen Einkauf, vom Benutzen des Kleiderkreisels und vom Verzicht auf torfhaltige Pflanzenerde zu lesen. Die Stadt wiederum solle das Radwegenetz ausbauen, den Stadtbus für alle gratis anbieten, die E-Mobilität fördern und die weitere Sanierung und Dämmung von Bestandsimmobilien vorantreiben. Aha, Bestandsimmobilien: auf den ersten Blick kein Begriff, der Jugendlichen im Alltag so ohne weiteres über die Lippen kommt. Aber es waren schließlich zu diesem Zeitpunkt ja schon mehr Alte im Saal, von denen, im Übrigen, nur einer auf sein Bier wartete. Sehr viel näher auch an der sprachlichen Lebenswirklichkeit der Jugendlichen war da schon die Frage nach dem, was in der Stadt „läuft“ und was nicht. Entsprechend fielen auch die Antworten aus. Da wurde der kostenlose Stadtbus für Schüler auf der Positivseite ebenso vermerkt wie der Wochenmarkt, das alljährliche Ramadama und das Stadtradeln. Dem gegenüber standen das Oldtimer-Treffen auf der Berghalde, das doch nur die Luft verpeste, der viel zu hohe Anteil an Plastikverpackungen in den Schulen, die mangelhafte Abstimmung des Busfahrplans mit dem Unterrichtsende an den Schule und das Fehlen eines Schwarzen Bretts zur Bildung von Fahrgemeinschaften.

Unterm Strich war diese Jungbürgerversammlung, gemessen an der Resonanz der Jugendlichen, also durchaus produktiv. Bürgermeisterin Elke Zehetner beobachtete das Treiben an den Tischen mit Interesse, ohne sich aber selbst an der Diskussion zu beteiligen. Die Aussprache über die Ergebnisse soll aber noch vor Weihnachten erfolgen: Am 18. Dezember kommt ein Arbeitskreis zusammen, in dem Jugendliche mit Lisa Nagel vom Familienbüro und dem Klimamanager Andreas Wowra darüber diskutieren sollen, welche der Anregungen aus der Jungbürgerversammlung auch die Aussicht auf Umsetzung haben. Zehetner jedenfalls meinte nach diesem Spätnachmittag ohne Bier: „Da sind einige gute Ideen dabei.“ la

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