Blaualgen und Apfelstrudel

Gesundheitsministerin Melanie Huml besucht Limnologische Station in Iffeldorf

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Wissen, wie tückisch Cyanobakterien sind: Gesundheitsministerin Melanie Huml (Mitte) mit den beiden Leitern der LSI, Uta Raeder und Jürgen Geist.

Iffeldorf – Es ist zehn Jahre her, dass Melanie Huml in Iffeldorf war. Damals war sie Umweltstaatssekretärin und um zehn Kilo leichter gewesen, lacht Bayerns Gesundheitsministerin, als sie nun wieder in der Limnologischen Station des Lehrstuhls für Aquatische Systembiologie der TU München stand.

Umso gespannter war Huml nun auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts, welches das Gesundheitsministerium seit 2017 fördert, und darauf, ob der Apfelstrudel noch so gut schmeckt wie bei ihrem letzten Besuch. 

Einen rasanten Überblick über die Forschung der vergangenen 20 Jahre gab zunächst Uta Raeder, die stellvertretende Leiterin der Limnologischen Station. Raeder sprach von Schilfkartierungen und überraschenden Entdeckungen, darunter die der Verbreitung des einst seltenen Nixkrauts angesichts länger anhaltender warmer Wassertemperaturen, von Mesokosmen, die Experimente in aquatischen Ökosystemen unter möglichst natürlichen Bedingungen ermöglichen, und von Untersuchungen bayerischer Bergseen. Anschließend ging es dann um das Forschungsprojekt „Klimawandel fördert toxische Cyanobakterien “, das Huml wohl am meisten interessiert haben dürfte, schließlich wird dieses seit 2017 von ihrem Haus gemeinsam mit dem Umweltministerium gefördert „mit bisher rund 300.000 Euro“, so Huml. 

Und so trat nach Raeder die wissenschaftliche Mitarbeiterin Franziska Bauer nach vorne, die sogleich klarstellte dass Cyanobakterien zwar auch Blaualgen genannt werden, aber eigentlich keine Algen seien. Wie sich diese Schein­algen in Zeiten klimatischer Veränderungen entwickeln, versuchen die Mitarbeiter in der Limnologischen Station seit ein paar Jahren herauszufinden. Bauer legte nun also dar, was bislang in den bayerischen Gewässer untersucht und festgestellt wurde. Die Diversität der Cyanobakterien, toxische Algenblüten oder auch der Einfluss der klimatischen Veränderungen auf den Wachstum der Blaualgen zählen zu den Themen, welche die jungen Forschern dabei beschäftigen. Erkannt habe man unter anderem, dass die höheren Temperaturen in den Seen genauso wie die Schichtung des Stillgewässers in Sommermonaten den Bakterien „zugutekommen“, wie Bauer erläuterte. 

„Momentan untersuchen wir, wo Cyanotoxigene zu finden sind“, verriet die wissenschaftliche Mitarbeiterin. Obwohl die Blaualgen durchaus auch Vorteile für Seen mit sich brächten, wirken sie sich oft negativ auf Gewässer aus, sie bilden oberflächliche Blüten und gelegentlich auch toxische Stoffe, so Bauer. „Wann werden Cyanobakterien toxisch?“, fragte da Huml. Bauer lächelte: Das habe man noch nicht erforscht, auch gebe es „viele Fallbeispiele, aber keine richtigen Studien“, bedauerte sie. Dabei ist es genau das, was Huml, eine approbierte Ärztin, beschäftigt. Bilden die Bakterien Giftstoffe, so können diese Organismen einen erheblichen Schaden zufügen. „Tiere, die Blaualgen fressen, können sich tödlich vergiften“, so die Gesundheitsministerin, „Menschen und insbesondere Kleinkinder, die unabsichtlich toxinbelastetes Wasser aufnehmen, können darauf mit Schleimhautreizungen oder Magen-Darm-Störungen reagieren.“ Dass es gar nicht so leicht ist herauszufinden, wann Blaualgen giftige Stoffe produzieren, machte dann noch Jürgen Geist, Leiter der Limnologischen Station, deutlich. Zunächst müsse man verstehen, unter welchen Bedingungen Algen entstehen und dann ermitteln, wann Toxine produziert werden. Und zu guter Letzt müsse man noch die Wirkung der Giftstoffe auf Lebewesen erforschen. „Aber da ist man in der Forschung noch nicht so weit“, bedauerte Geist. 

Anschließend setzte sich die Gruppe bei dampfendem Apfelstrudel zusammen, um sich weiter über die vergangenen und aktuellen Forschungsprojekte auszutauschen. Und da konnte Huml in weit weniger Schritten als zur Erforschung von Cyanobakterien erforderlich sind, herausfinden, ob das fruchtige Gebäck noch so gut schmeckt wie vor zehn Jahren. ra

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