Draußen wartet die Hüfte

Die Corona-Gefahr flaut ab, im Klinikum Penzberg wird deshalb jetzt auf Hochtouren operiert

„Wir haben die Herausforderungen mit Corona ganz gut hinbekommen“: Florian Brändle, der Ärztliche Direktor des Klinikums Penzberg.

Penzberg – Es gab Tage in den vergangenen vier Monaten, da war Florian Brändle, für gewöhnlich mit großer Gelassenheit gesegnet, ganz schön angespannt. Inzwischen sitzt der Ärztliche Direktor des Klinikums Penzberg aber wieder ganz entspannt an seinem Schreibtisch, er freut sich, dass der Laden brummt und meint: „Ich glaube, dass wir den Umgang mit Corona ganz gut hinbekommen haben.“ Mittlerweile ist fast schon wieder so etwas wie Normalität am Schlossbichl eingekehrt, sieht man mal von den weiterhin recht strengen Schutzvorkehrungen ab.

Während im Lande ganz aufgeregt darüber diskutiert wird, ob die Maskenpflicht im Einzelhandel fallen soll, stellt sich für die Mitarbeiter des Penzberger Klinikums diese Frage nicht. „Bei uns muss weiterhin jeder eine Maske tragen“, sagt Brändle und fügt hinzu: „Zum Schutz der Patienten, aber auch der Mitarbeiter.“ Geht es um Covid-19 ist ein Krankenhaus eben ein ganz besonders sensibler Ort, auch wenn draußen die Fallzahlen weiter zurückgehen. Und auch Brändle konstatiert: „Wir haben schon seit Wochen keinen Corona-Patienten mehr gehabt.“ Im Verlauf der Pandemie hatten sie in Penzberg 15 positiv getestete Patienten, die stationär behandelt werden mussten. „Aber Gott sei Dank“, so Brändle, „musste keiner von ihnen künstlich beatmet werden.“ Und das bedeutet: Alle 15 sind inzwischen wieder wohlauf. 

In einem Kraftakt hatte man sich Anfang März im Klinikum auf die Pandemie vorbereitet und dabei eine Station in eine Isolierstation umgewandelt. Diesen Bereich gibt es noch immer, wenn auch in reduzierter Form. „Wir müssen schließlich auf neue Patienten vorbereitet sein“, betont Brändle. Und in seiner Schublade liegen überdies Pläne, die das Klinikum für den Fall einer zweiten Corona-Welle in die Lage versetzen, sofort wieder in den Krisenmodus zu schalten. „Das betrifft sowohl die normalen Stationen wie auch die Intensivstation“, sagt der Ärztliche Direktor. 

Im Augenblick läuft der Betrieb im Klinikum auf Hochtouren, je nach schwere des Eingriffs finden dort zehn bis 15 Operationen pro Tag statt. „Wir müssen viel nachholen“, so Brändle, weil wegen Corona alle aufschiebbaren Behandlungen und Eingriffe abgesagt wurden. „Da gibt es einige Hüften, die noch warten“, meint er. Und ja, so gut das deutsche Gesundheitswesen und damit auch das Penzberger Krankenhaus den Umgang mit der Pandemie gemeistert hat, es gibt auch medizinische Corona-Verlierer. Brändle spricht hier vor allem von Tumor-Patienten, die sich aus Angst vor dem Virus nicht mehr ins Krankenhaus gewagt haben, obwohl Tumor-Operationen zu jeder Zeit durchgeführt wurden. Brändle appelliert deshalb an alle Menschen mit einer Tumor-Erkrankung, erforderliche Eingriffe nicht auf die lange Bank zu schieben, „denn hier ist die Zeit ein ganz wesentlicher Faktor“. 

Um das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren, möglichst gering zu halten, sind die Sicherheits- und Hygie­nemaßnahmen am Schlossbichl nach wie vor sehr umfangreich. So wird bei jedem Besucher vor Betreten des Krankenhauses das Fieber gemessen, außerdem ist ein Gesundheitsfragebogen auszufüllen. Und wer für eine seit längerem geplante OP ins Klinikum kommt, muss einen maximal drei Tage alten Nachweis vorlegen, dass er nicht an Corona erkrankt ist.la

Auch interessant

Meistgelesen

Firma Anton Weißhaupt präsentiert die neuen Modelle
Firma Anton Weißhaupt präsentiert die neuen Modelle
Spenden, Schule, Sport: Wie das Jugendhaus Don Bosco den Corona-Lockdown meisterte
Spenden, Schule, Sport: Wie das Jugendhaus Don Bosco den Corona-Lockdown meisterte
Starkregen setzt am Kochelsee grüne Liegewiesen und hölzerne Ruheplätze unter Wasser
Starkregen setzt am Kochelsee grüne Liegewiesen und hölzerne Ruheplätze unter Wasser
Bayerischer Bauernverband plädiert für regionalen Einkauf, um das Klima zu schützen
Bayerischer Bauernverband plädiert für regionalen Einkauf, um das Klima zu schützen

Kommentare