Licht am Ende des Tunnels

Roche und Klinikum Penzberg testen die Datenbank Navify zur Tumorbehandlung

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Erwarten sich von Navify eine große Erleichterung im medizinischen Alltag: Florian Brändle, Klinik-Geschäftsführer Claus Rauschmeier sowie die Roche-Leute Marie Luise Kriebitzsch und Okan Ekinci (von links).

Penzberg – Allein die Diagnose, ein Schock: Krebs. Und dann die Unsicherheit: Wählen die Ärzte die richtige Therapie? Und was, wenn der Krebs eine ganz seltene Ausprägung hat? Für Menschen, die sich in einer schier ausweglosen Situation befinden, gibt es ein Licht am Ende des Tunnels.

Das Klinikum Penzberg hat nun Navify im Einsatz, eine von Roche entwickelte Datenbank, die bei der medizinischen Entscheidung, wie welcher Krebs am besten zu behandeln ist, eine wertvolle, wenn nicht sogar eine entscheidende Hilfestellung bietet.

„Dieses System ist für uns Ärzte von großem Nutzen“, sagt Florian Brändle, der Ärztliche Direktor des Klinikums am Schlossbichl. Und Brändle verweist sofort auf das Tumorboard, das einmal wöchentlich die Spezialisten aller medizinischen Fachbereiche aus den Krankenhäusern in Penzberg, Starnberg und Seefeld vereint, um die jeweils aktuellen Krebsfälle und deren optimale Behandlung zu diskutieren. Durch den Einsatz von Navify haben nun alle beteiligten Ärzte einen unmittelbaren Zugriff auf die benötigten individuellen Befunde und Aufnahmen, so dass die Tumorboard-Konferenz viel effektiver als in der Vergangenheit arbeiten kann. Das ist aber nur ein Aspekt von Navify: So richtig in­teressant wird dieses speziell für Onkologen entwickelte digitale Werkzeug erst dadurch, dass darin auch fortwährend neue Studien und hilfreiche Publikationen über die unterschiedlichen Krebsarten eingespeist werden. 

„Früher hat man Lungenkrebs unter einem einzigen Begriff zusammengefasst, heute weiß man, dass es viele verschiedene Arten gibt“, sagt Okan Ekinci, der für Roche im Silicon Valley arbeitet und maßgeblich an der Entwicklung von Navify beteiligt ist. Durch die fortwährende Weiterentwicklung der Diagnosemethoden sei man heute in der Lage viel mehr als früher zu entdecken. „Je mehr wir in den Patienten hineinschauen, desto öfter erkennen wir eine individuelle Erkrankung. Und die erfordert keine standardisierte, sondern eine individuelle Therapie.“ Und auch die Möglichkeiten, genau diese am Einzelfall ausgerichtete Therapie anwenden zu können, werden im größer. Ekinci sagt: „Das medizinische Wissen auf der ganzen Welt verdoppelt sich heute in nur hundert Tagen.“ Das bedeutet aber auch: Der behandelnde Arzt kann sämtliche aktuellen Entwicklungen und Forschungsergebnisse gar nicht mehr überblicken. „Die Ärzte werden immer mehr mit Informationen bombardiert, sie stehen aber in der Verantwortung, die richtige Entscheidung zu treffen“, betont Ekinci. Und mit Blick auf Tumorboards, wie solche im Verbund der Starnberger Kliniken, schiebt er hinterher: „Bei solchen ärztlichen Konferenzen bleiben in den Regel nicht mehr als fünf Minuten pro Patient. Da will keiner mehr groß nach Informationen suchen.“ Florian Brändle sitzt daneben und nickt und ist froh, dass er und seine Kollegen jetzt den Zugriff auf Navify haben. Eineinhalb Jahre lang wird das Klinikum Penzberg nun Navify testen und in Abstimmung mit den Roche­-Spezialisten auch verbessern. „Kooperationen wie jene mit Penzberg sind von entscheidender Bedeutung, um für Tumorpatienten den Zugang zu medizinischen Innovationen zu verbessern“, unterstreicht Ekinci. 

Claus Rauschmeier, der Geschäftsführer des Klinikums Penzberg, ist jedenfalls „sehr glücklich“, dass sein Haus für diese Zusammenarbeit ausgewählt wurde: „Schließlich wollen wir uns im Tumorbereich weiterentwickeln und planen durch die Einstellung neuer Ärzte den Ausbau der dafür erforderlichen Kapazitäten.“ Dass Penzberg mit seinen 100 Betten ein vergleichsweise kleines Krankenhaus ist, tut für Okan Ekinci nichts zur Sache. Im Gegenteil: Durch Datenbanken wie Navify werde der Zugang zur Medizin demokratisiert. „Wenn alle die gleichen Informationen haben, wird es keinen Unterschied mehr geben zwischen kleinen Krankenhäusern und Universitätskliniken“, sagt Ekinci. la

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