Wie am See Genezareth

Im Kloster sind alle glücklich, dass der Südarkadentrakt jetzt saniert werden kann

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Zufriedenheit im Südarkadentrakt: Architekt Knut Prill, Projektsteuerin Natalie Oswald, die Abgeordneten Ale­xander Radwan und Martin Bachhuber, Landrat Josef Niedermaier und Bürgermeister Toni Ortlieb (oben von links) sowie Klosterdirektor Pater Lothar Bily, Provinzökonom Pater Stefan Stöhr, der Augsburger Generalvikar Harald Heinrich, Hilmar Gries, der Wirtschaftsleiter des Klosters, Markus Reif, der Finanzdirektor der Erzdiözese München Freising und Pater Claudius Amann (auf der Treppe von rechts oben im Uhrzeigersinn).

Benediktbeuern – Es gab Tage in den vergangenen Jahren, da hat sich Pater Claudius Amann mehr tot als lebendig gefühlt. Da war er noch Direktor des Klosters Benediktbeuern, dessen Erhalt, das war Amann klar, nur möglich sein würde, wenn plötzlich aus dem Nichts viele Millionen Euro auftauchen würden. An so etwas wie die wundersame Brotvermehrung am See Genezareth wollte der Ordensmann vorsichtshalber nicht glauben. Und so zweifelte Amann, was diesen immer freundlichen, fröhlichen Mann ungewohnt still und nachdenklich werden ließ, angesichts der schier unlösbaren Aufgabe. Amann hat in dieser Zeit auf vieles gehofft und mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass ausgerechnet Horst Seehofer sich als Brotvermehrer für die Salesianer Don Doscos erweisen würde. Der hatte letzte Woche mit seiner Unterschrift den Weg freigemacht für einen 7,6 Millionen Euro schweren Zuschuss, mit dem nun der Südarkadentrakt des Klosters saniert werden kann. Als dies nun im Barocksaal coronakonform gefeiert wurde, war Claudius Amann schon wieder ganz der Alte: „Dein Glaube hat Dir geholfen“, meinte da der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber. Ein hübsches Jesus-Zitat, nur hatte der sich damit dereinst an Lazarus gewandt, und der war schon tot. So weit war es bei Amann dann doch nicht gekommen.

Rund 20,5 Millionen Euro kostet die Sanierung und Modernisierung des Südarkadentraktes, die dringend erforderlich ist, weil der mit dem Projekt beauftragte Architekt Knut Prill ziemlich unverblümt feststellt: „Nach 250 Jahren geht das Gebäude aus dem Leim.“ Eine intensive Untersuchung des Traktes habe „erschreckende Ergebnisse“ zu Tage befördert. So lehnt sich das Gebäude etwa nach Norden, mit einer 20 Zentimeter umfassenden Kopfverformung an der Nordwand. Weil die Fundamente mittlerweile schwarz vor lauter Schimmel sind, haben sich Nord- und Mittelwand inzwischen bereits um 10 Zentimeter abgesetzt, was unter anderem zur Folge hat, dass die Außenwände auseinandergehen. Dass der Südarkadentrakt inzwischen ziemlich windschief in der Landschaft steht, erkennt man auch daran, dass die Neigung der Deckenbalken über dem Erdgeschoß bereits einen Höhenunterschied von elf Zentimetern aufweist. Allein diese statischen Maßnahmen, mit denen in einem ersten Bauabschnitt vor wenigen Wochen begonnen wurde, werden rund 7,5 Millionen Euro verschlingen. 

Der zweite Bauabschnitt für den Innenausbau schlägt dann mit knapp 13 Millionen Euro zu Buche, und hierfür ist auch der Millionenzuschuss aus dem Städtebauförderprogramm des Bundes gedacht. Dabei soll dieser Bereich wieder das werden, war er schon einmal war: der Gäste- und Versorgungstrakt des Klosters. Dafür entsteht dort eine zentrale Küche für alle Einrichtungen des Klosters, die täglich bis zu 900 Mahlzeiten auf die Teller bringen kann. Parallel dazu entstehen im Erd- und Untergeschoß die Speisesäle. Im Obergeschoß wiederum werden Veranstaltungs- und Tagungsräume für mehr als 400 Personen errichtet, mit denen das Kloster auch neue Zielgruppen erschließen möchte. Mit der Fertigstellung der kompletten Maßnahme rechnet Projektsteuerin Natalie Oswald im Juli 2023. 

Weil in Zeiten von Corona das symbolträchtige Überreichen eines Förderbescheids aber nicht statthaft ist, haben sich an diesem Tag der CSU-Bundestagsabgeordnete Alex­ander Radwan und Stefan Stöhr, der Provinzökonom der Salesianer, in der Mitte des Barocksaals versammelt, jeweils eine Hand zur Faust geballt, mit der man sich dann als Zeichen des Dankes kurz berührt hat. Nun, unterschrieben hat Radwan für die Benediktbeurer Klosterbrüder zwar nichts, aber er übernahm die Rolle des Mittelsmannes, nachdem das Kloster im vergangenen Jahr mit seinem Förderantrag noch knapp gescheitert war. Und erinnerte an ein Treffen mit dem Landtagskollegen Bachhuber, Landrat Josef Niedermaier und Vertretern des Klosters, als man nicht recht weiter wusste, welche Fördertöpfe man noch anzapfen könne und inmitten dieser Ratlosigkeit der Idee verfallen sei, es doch mal beim Bund zu probieren. „Tja“, sagt Radwan nun, „manchmal muss man einfach den richtigen Riecher haben.“ 

Für Martin Bachhuber wiederum ist dies alles ein „politisches Lehrbeispiel“, das zeige, „dass man das Unmögliche erreichen kann, wenn von der Gemeinde über den Landtag bis zum Bundestag alle Ebenen wie ein Schweizer Uhrwerk zusammenarbeiten“. Ein Sonderlob durfte sich an diesem Nachmittag Benediktbeuerns Bürgermeister Toni Ortlieb abholen, weil dessen Gemeinderat beschlossen hat, 1,3 Millionen Euro für den zweiten Bauabschnitt zu bewilligen. Ortlieb verwies seinerseits auf die „große Strahlkraft des Klosters weit über die Region hinaus“, was man schon daran erkennen könne, dass von den insgesamt 26 durch den Bund in diesem Jahr geförderten Projekten nur zwei in Bayern zu verorten sind. 

Welche Bedeutung das Kloster als geistliches Zentrum der Region hat, zeigte sich auch daran, dass sich die Erzdiözese München-Freising mit 4,5 Millionen Euro an den beiden Bauabschnitten beteiligt, obwohl Benediktbeuern zur Diözese Augsburg gehört, die weitere 4 Millionen Euro beisteuert, was zwar weniger als der Beitrag aus München ist, was Generalvikar Harald Heinrich aber wie folgt kommentiert: „Da wir als arme schwäbische Diözese kaum in die Klöster investieren, ist das hier schon etwas Besonderes.“ Die Münchner wiederum zeigen sich großzügig, weil in Benediktbeuern mit der Stiftungshochschule, dem Jugendpastoralinstitut und dem Studiengang Religionspädagogik diözeseübergreifend gearbeitet werde.

Neben einer Förderung des bayerischen Wissenschaftsministeriums über 1,35 Millionen Euro und 270.000 Euro, die der Bayerische Jugendring beisteuert, beteiligen sich die Salesianer mit 1,46 Millionen Euro, wie Provinz­ökonom Stöhr ausführte. Auch er wirkte an diesem Tag sehr entspannt und gelassen, er gab aber auch zu, viel „gefiebert und gebibbert“ zu haben, ganz zu schweigen von den grauen Haaren, die er angesichts einer Projektsumme von 20 Millionen Euro bekommen habe. Darüber hinaus, so Stöhr, habe der Orden weitere 1,4 Millionen Euro in vorbereitende Maßnahmen gesteckt, zu denen unter anderem eine neue Hauskapelle, neue Speisesäle und Büros sowie Wohnungen für die Ordensleute zählten. 

Klosterdirektor Pater Lothar Bily jedenfalls meint, dass all diese Zuschüsse ein „Meilenstein“ seien. „Diese Mittel helfen uns sicherzustellen, dass Benediktbeuern auch weiterhin ein Kloster voller Leben und ein Kloster für die Jugend bleiben kann.“ la

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