Kuchen, Klettern, Klopapier

Corona-Krise: Plötzlich werden nicht nur die Regale leer, sondern auch die Straße

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Zwischen Normalität und Ausnahmezustand: Während sich vor gut einer Woche noch Motorradfahrer am Kesselberg tummelten, unzählige Ausflügler in die Berge strömten und die Kletterer reihenweise in den Seilen hingen, sieht es seit Montag ganz anders aus: im Nu leergeräumte Regale in den Supermärkten, rationierte Lebensmittel und Sicherheitsabstand beim Metzger.
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Zwischen Normalität und Ausnahmezustand: Während sich vor gut einer Woche noch Motorradfahrer am Kesselberg tummelten, unzählige Ausflügler in die Berge strömten und die Kletterer reihenweise in den Seilen hingen, sieht es seit Montag ganz anders aus: im Nu leergeräumte Regale in den Supermärkten, rationierte Lebensmittel und Sicherheitsabstand beim Metzger.
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Zwischen Normalität und Ausnahmezustand: Während sich vor gut einer Woche noch Motorradfahrer am Kesselberg tummelten, unzählige Ausflügler in die Berge strömten und die Kletterer reihenweise in den Seilen hingen, sieht es seit Montag ganz anders aus: im Nu leergeräumte Regale in den Supermärkten, rationierte Lebensmittel und Sicherheitsabstand beim Metzger.
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Zwischen Normalität und Ausnahmezustand: Während sich vor gut einer Woche noch Motorradfahrer am Kesselberg tummelten, unzählige Ausflügler in die Berge strömten und die Kletterer reihenweise in den Seilen hingen, sieht es seit Montag ganz anders aus: im Nu leergeräumte Regale in den Supermärkten, rationierte Lebensmittel und Sicherheitsabstand beim Metzger.
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Zwischen Normalität und Ausnahmezustand: Während sich vor gut einer Woche noch Motorradfahrer am Kesselberg tummelten, unzählige Ausflügler in die Berge strömten und die Kletterer reihenweise in den Seilen hingen, sieht es seit Montag ganz anders aus: im Nu leergeräumte Regale in den Supermärkten, rationierte Lebensmittel und Sicherheitsabstand beim Metzger.
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Zwischen Normalität und Ausnahmezustand: Während sich vor gut einer Woche noch Motorradfahrer am Kesselberg tummelten, unzählige Ausflügler in die Berge strömten und die Kletterer reihenweise in den Seilen hingen, sieht es seit Montag ganz anders aus: im Nu leergeräumte Regale in den Supermärkten, rationierte Lebensmittel und Sicherheitsabstand beim Metzger.
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Zwischen Normalität und Ausnahmezustand: Während sich vor gut einer Woche noch Motorradfahrer am Kesselberg tummelten, unzählige Ausflügler in die Berge strömten und die Kletterer reihenweise in den Seilen hingen, sieht es seit Montag ganz anders aus: im Nu leergeräumte Regale in den Supermärkten, rationierte Lebensmittel und Sicherheitsabstand beim Metzger.

Kochel – Die rasante Ausbreitung des Corona-Virus macht auch vor der oftmals noch heilen Welt auf dem Land nicht halt. Von einem Tag auf den anderen Tag ist auch in einem Ort wie Kochel nichts mehr so, wie es einmal war. Die Kinder müssen selbst betreut und beschult werden, wer kann, arbeitet von zu Hause aus, und plötzlich sind in Lebensmittelläden und Apotheken notwendige Artikel und Medikamente nicht mehr verfügbar. Die Freiheit ist radikal beschnitten, die Stimmung in der Bevölkerung ist ernster geworden, aber die Menschen passen sich der neuen Situation auch an.

Ratlos steht ein junger Mann am Montagabend vor leeren Obst- und Gemüsekisten. Kartoffeln, Bananen, Salat – alles aus. „Meine Freundin und ich arbeiten im Schichtdienst, sie als Krankenschwester, ich als Lokführer“, erzählt er. Deshalb können sie nicht zu normalen Zeiten einkaufen gehen, was bislang kein Problem war. Jetzt aber kann er kaum einen Artikel von seiner Einkaufsliste mit nach Hause bringen. Für den Einzelhandel ist die Corona-Krise eine spezielle Herausforderung, denn seit Verkündung der Schulschließung hamstern die Kunden wie wild. Nudeln und Reis, Hefe und Mehl, H-Milch und Fertiggerichte, aber vor allen Dingen Klopapier. „Ware gibt es genügend im Lager“, berichtet Oliver Wilinski, aber kein Lieferant bringe solche Mengen auf die Schnelle raus, wie sie die Kunden kaufen. Deshalb seien die Regale eben schneller leer, so der Leiter des Edeka-Marktes in Kochel. Die „leichten Lieferengpässe bei Frischware“ resultierten wiederum aus den geschlossenen Grenzen, an denen die Lkw in Staus feststecken. Von Kollegen aus Elektromärkten hat Wilinski von einem plötzlichen Mangel an Tiefkühlgeräten gehört, was wiederum das Rätsel löst, weshalb auch der Bäcker kaum mehr mit dem Brotbacken hinterherkommt.

Die Damen an der Kasse kontrollieren jetzt die Höchstmengen bei besonders nachgefragten Produkten. Die meisten Kunden akzeptieren das laut Wilinsky, der aber einräumt, es gebe durchaus „ein paar unbelehrbare Mitmenschen“, die Diskussionen begännen, weil sie ihr Einkaufsverhalten nicht ändern wollten. „Wenn jeder immer nur an sich denkt, haben wir ein Problem“, resümiert der Marktleiter.

In diesen Tagen braucht es nicht viel zum Glück. Eine dreifache Mutter legt strahlend ein Päckchen Mehl aufs Band. „Mein Sohn hat morgen Geburtstag, und in den ersten beiden Geschäften war Mehl aus“, sagt sie. Nun sei wenigstens der Geburtstagskuchen gesichert, wenn schon die Party für den Kleinen ausfallen müsse. Dass sie nicht nur ein Kind hat, erweist sich jetzt als vorteilhaft, denn die Geschwister spielen in Haus und Garten miteinander und können die Kontaktsperre zu ihren Freunden leichter verschmerzen. Auch der in letzter Zeit so gescholtene Berufsstand der Landwirte kommt zu neuen Ehren. Ihr Schwiegervater sei Jäger und Bauer, schildert die junge Frau und schmunzelt: „Wir haben die ganze Truhe voller Fleisch und brauchen keine Dosenravioli.“ Die ältere Generation scheint für die neue Herausforderung ohnehin besser gewappnet zu sein. „Wenn’s kein Klopapier gibt, nehmen wir halt Zeitung“, meint eine rüstige Dame, das habe man nach dem Krieg auch so gemacht.

Viele Geschäfte haben sich schon auf die neuen Anforderungen eingestellt: Wenn es das Wetter erlaubt, stehen die Türen offen, Schilder bitten um einen Mindestabstand von 1,50 Meter zum Nebenmann, Verkäuferinnen wechseln nach jedem Kunden die Latexhandschuhe und Bargeld wird von der EC-Karte abgelöst.

Keine Verhaltensänderung legten hingegen die Ausflügler an den Tag, zumindest in der Woche vor der Ausgangsbeschränkung, als Frühlingswärme und strahlend blauer Himmel die Städter aufs Land hinauszog. Bis zur letzten Minute vor Sonnenuntergang wurde die Freiheit vor dem Shut down ausgekostet. Auf den Terrassen der Cafés war kaum mehr ein Platz frei, an den Altjocher Kletterwänden gaben sich die Felsgänger die Karabiner in die Hand und ein paar Meter weiter knatterten Motorradfahrer scharenweise den Kesselberg rauf und runter. Auch die Polizei war anwesend, allerdings nur, um einen Streifunfall aufzunehmen, noch hatten die Damen und Herren auf ihren Maschinen ja nichts Verbotenes getan. „Ab heute Nacht ist es vorbei“, rief ein Polizist in Richtung der Ledermonturen, erntete aber nur ein Schulterzucken. Die nun geltende Ausgangsbeschränkung scheint bislang eingehalten zu werden, und der zeitgleich eingetretene Temperatursturz mag es den Menschen etwas erleichtern, ihre sozialen Kontakte auf Eis zu legen. cw

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