Ausflugsverkehr besser lenken

Kochel: Parken wird teurer - Kurbeitrag kommt dazu

Kochel Tagesausflügler Verkehr Stau
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Stoßstange an Stoßstange: Der Ausflugsverkehr an Wochenenden bei schönem Wetter nimmt in der Region zu (Symbolbild).

Kochel – Die Kochler Gemeinde will den ungebrochenen Ausflugsverkehr besser lenken: Parktickets werden teurer und enthalten überdies einen Tageskurbeitrag.

  • Tagesticket kostet 6 Euro
  • Von Urfeld bis Einsiedl wird eine Parkverbotszone eingerichtet
  • Gemeinde wartet auf Parkscheinautomaten

Der Zustrom an Ausflüglern in die Zwei-Seen-Gemeinde Kochel ist bei schönem Wetter ungebrochen und steigt weiter an. Die Folgen: volle Parkplätze, zahlreiche Wildparker und Staus. Zur Lenkung der Besucherströme setzen die betroffenen Gemeinden an Kochel- und Walchensee unter anderem auf Parkplatzkonzepte. Im Gemeindegebiet Kochel werden nun 22 Parkflächen für die Bewirtschaftung fit gemacht und Zonenhalteverbote entlang des Walchensee-Westufers eingerichtet. Parktickets werden deutlich teurer und enthalten überdies einen Tageskurbeitrag.

„Bei uns ist wirklich jeder herzlich Willkommen“, betont Kochels Bürgermeister Thomas Holz (CSU) eingangs der jüngsten Gemeinderatssitzung. Wohl wissend, dass ihn dieses Bekenntnis nicht vor Kritik bewahren wird. Schließlich bittet die Gemeinde mit ihrem neuen Parkplatzkonzept die Ausflügler stärker zur Kasse.

Parkgebühr trifft Kurbeitrag

Insgesamt 25 kostenpflichtige Parkflächen werden zwischen den Ortsteilen Ried und Einsiedl betrieben – drei davon privat, der Rest von der Gemeinde. An Bade- und Wanderparkplätzen gibt es nur Tagestickets, in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und Kultur auch Stundentarife. Der Pendlerparkplatz am Bahnhof bleibt kostenfrei, ebenso Flächen am Friedhof und an Sportplätzen. Ein Tagesticket kostet 6 Euro. Mit dem Druck auf den Knopf des Parkautomaten werden automatisch auch 2 Euro Tageskurbeitrag für den Fahrer fällig. Zusätzliche Personen können ihren Kurbeitrag über eine extra Taste lösen.

Auf Vorschlag von Edi Pfleger (Junge Liste) soll das Tagesticket nicht parkplatzgebunden sein, sondern für das gesamte Gemeindegebiet gelten. Wer also innerhalb eines Tages verschiedene Parkplätze anfährt, zahlt die Gebühr nur einmal. Nicht kurbeitragspflichtige Personen, sprich Einwohner von Kochel am See, erhalten auf schriftlichen Antrag einen Zeitparkausweis, für dessen Erteilung Verwaltungsgebühren in Höhe von 35 Euro erhoben werden. Feriengäste, die bereits bei ihrem Vermieter Kurtaxe entrichtet haben, erhalten zu viel bezahlten Tageskurbeitrag rückerstattet.

Nur 20 Meter Luftlinie voneinander entfernt: Kaum steht der erste Wagen im Wald, reihen sich andere Fahrer ein. Erst wenn dort alles voll ist...
...wird auf den Parkplatz ausgewichen.

Mehr mobile Toiletten

Laut Bürgermeister Holz wird kein komplett neuer Parkplatz erschaffen, sondern es werden Flächen genutzt, die jetzt schon als Parkplätze verwendet werden. Eine neue Asphaltierung sei nicht geplant, stattdessen erfolge in den kommenden Wochen die Ebnung des Untergrunds und Einteilung in effektive Stellplätze. Viele Plätze erhielten zudem mobile Toiletten, „um für eine saubere Natur zu sorgen“, teilt Holz mit. Nicht alle Flächen sind im Gemeindeeigentum. Ausdrücklich bedankt sich Holz daher beim Staatlichen Bauamt Weilheim, dem Forstbetrieb Bad Tölz der Bayerischen Staatsforsten, der Firma Dorst Technologies, der Firma Uniper Wasserkraft, der Weidegemeinschaft Ort und der Weidegenossenschaft Kochel für die bereitwillige Unterstützung, Flächen zur Verfügung zu stellen.

Neuerungen gibt es auch am Westufer des Walchensees: Von Urfeld bis Einsiedl wird eine Parkverbotszone eingerichtet. „Überall da, wo nicht explizit das Parken erlaubt ist, ist es automatisch verboten“, erläutert Holz. Diese Regelung sei klar verständlich und mache eine Ahndung der Verstöße einfacher. Auf Nachfrage von Reinhard Dollrieß (FWG) bestätigt der Rathauschef, dass sich die Parkverbotszone auch auf die Ortschaft Walchensee erstrecke. Geplant seien hier Anwohnerausweise. „Es ist unsere Pflicht, das Landschaftsschutzgebiet Walchensee zu schützen“, betont Holz. Zudem gelte es, Hindernisse auf der Bundesstraße durch wild parkende Autos zu verhindern, um das Durchkommen von Rettungsfahrzeugen auch bei hohem Verkehrsaufkommen zu ermöglichen.

„Parksünder werden zur Kasse gebeten“

Falschparken will man im gesamten Gemeindegebiet durch Beschilderungen und Abplankungen „neuralgischer Bereiche“ verhindern sowie durch eine nahezu Verdoppelung der Überwachungsstunden des kommunalen Zweckverbands ahnden. „Parksünder werden zur Kasse gebeten“, versichert Holz. Ihm sei klar, „dass es nun Kritik hageln wird und wir als Abzocker beschimpft werden.“ Doch der Gemeinde entstünden zum Einen hohe Kosten (allein 300.000 Euro für die Anschaffung von 26 Parkautomaten und Herstellung der Parkplätze). Zum Anderen verfolge man durch die Gebührenpflicht auch eine gewisse Lenkungsfunktion. „Wir wollen erreichen, dass immer mehr Tagesausflügler mit Bus und Bahn zu uns kommen“, erklärt der Rathauschef. Spare man sich neben Stau und Spritkosten auch noch das Parkticket, sollte dies doch ein Anreiz sein, auf den ÖPNV umzusteigen, findet er.

Wann konkret mit den neuen Parkgebühren gestartet wird, hänge vor allem von der Lieferung der zusätzlichen Parkscheinautomaten ab. „Die Ausschreibungen hierzu sind gerade im Gange“, erklärt Holz abschließend. Christine Weikert

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