Bahnlärm in Kochel

Unerträgliche Zustände

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Kochel - Der Druck auf die Bahn wird erhöht. In Kochel regt sich massiver Widerstand gegen den von den Zügen verursachten Lärm.

Als Florian Eberl, der Gemeinderat, das erste Mal mitten in der Nacht aus dem Bett fuhr, dachte er, irgendjemand habe vor seinem Haus einen Kanonenschlag gezündet. Dabei war es nur der Zug nebenan, aus dem plötzlich und unerwartet Druck abgelassen wurde. Markus und Melanie Greiner bekommen jede Nacht Besuch von ihren Kindern, weil die bei dem Höllenlärm nur 20 Meter weiter am Bahnhof nicht mehr schlafen können. Und Eberhard Mayer stellt es jedes Mal die Haare auf, wenn von halb fünf am Morgen bis um halb eins in der Nacht ein Zug über die Weiche vier holpert, wobei es so quietscht, als fahre man mit den Fingernägeln über eine Glasscheibe. „Der Zustand ist unerträglich, und die Bahn tut nichts“, klagt Mayer.

Martin Bachhuber, der CSU-Landtagsabgeordnete, hört aufmerksam zu, was ihm Kochels Bürgermeister Thomas Holz und die Anwohner an diesem Montag über die Lärmproblematik erzählen. Dabei ist Bachhuber bereits involviert in die Thematik und hat Klaus-Dieter Josel, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für Bayern, jetzt auch erstmals eine Zusage für Verbesserungen in Aussicht gestellt. Mit Schalldämpfern führe man derzeit Versuche durch, um den Lärm beim Ausblasen der Luft zu reduzieren, so Josel. Und im Dezember, so teilt er dem Abgeordneten mit, soll die neue Software für die Talent-Züge vom Eisenbahnbundesamt zugelassen werden. Dann wer- de es möglich sein, dass die Elektronik der bis zu vier Züge, die pro Nacht am Bahnhof Kochel abgestellt werden, auch komplett herunter gefahren wird. Mit der ak- tuellen Software ist das nämlich nicht möglich, so dass Kühlung, Heizung und Elektronik die ganze Nacht durchlaufen und den Lärm verursachen, von dem Markus und Melanie Greiner sagen: „Wir sind dadurch mürbe geworden.“

Daran, dass die neue Software zum Jahresende auch tatsächlich eingesetzt werden kann, zweifelt Kochels Bürgermeister Thomas Holz. Denn einem aktuellen Schreiben aus dem Bundesverkehrsministerium ist zu entnehmen, dass Talent-Hersteller Bombardier bis dato die neue Software noch nicht beim Eisenbahnbundesamt zur Genehmigung eingereicht hat. Und ohne Genehmigung von dort auch kein Einsatz in Kochel.

Dabei, so Holz, nimmt das Eisenbahnbundesamt die Lärmproblematik in Kochel durchaus ernst und hat deshalb die für den Zugbetrieb verantwortliche DB Netz AG aufgefordert, eine Schallmessung am Bahnhof Kochel durchzuführen. „Dagegen hat die DB Netz AG aber bezeichnenderweise Widerspruch eingelegt“, schüttelt Holz den Kopf. Offenbar fürchtet man bei der DB die Ergebnisse der Messungen wie der Teufel das Weihwasser. Doch ganz will Holz die Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung noch nicht aufgeben, denn wie er nun mitgeteilt bekam, ist das Kochler Lärmthema mittlerweile in der Vorstandsetage sowohl bei der Bahn wie auch beim Talent-Hersteller Bombardier gelandet. „Es rührt sich also was, aber ist zu wenig“, so Thomas Holz.

Beim Problem mit der quietschenden Weiche hingegen scheint man bei der Bahn auf stur zu schalten. Eine Vertreterin von DB Netz habe nach einem Ortstermin beschieden, dass man nichts Lautes gehört habe, referiert Holz, während sich gerade ein Zug seinen Weg auf Gleis 3 durch die Weiche 4 bahnt - begleitet von einem markerschütternden Quietschen. „Es ist schon erstaunlich, dass man bei der Bahn glaubt, alle Anwohner hätten was an den Ohren“, meint Holz.

Wie Pia Pössenbacher berichtet, habe man von Seiten der Bahn bereits die Weiche geschmiert. „Gebracht hat das aber nichts“, so Pössenbacher. Dabei wäre dieses Problem nach Ansicht von Günther Neumann ganz einfach zu lösen: „Wenn der ganze Tagesverkehr über Gleis 2 rollen würde, wäre es alles in Ordnung“, so Neumann. Eine Antwort von der Bahn, warum dies nicht möglich sein sollte, hat er keine erhalten.

Dafür will jetzt Martin Bachhuber sorgen. Nächste Woche trifft er den DB-Bevollmächtigen Josel im Landtag. „Da werden wir viel zu besprechen haben“, sagt Bachhuber, „denn so geht es in Kochel nicht weiter.“

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