A bissl was Buntes

Akademiker, Handwerker, Mieter: FBM tritt mit Kandidatenmix zur Gemeinderatswahl an

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Das sind die FBM-Kandidaten für die Gemeinderatswahl: Helmut Kollhof, Rudi Mühlhans, Hannah-Sophie Buchner, Dorothea Bugl und Ralph Seifert (vorne von links) sowie Sandra Rauchenberger, Georg Kneißl, Sebastian Rundbuchner, Christine Schwarm, Christoph Tschamler, Robert Wenzelewski, André Polachowski und Sebastian Leigeb (hinten von links). Nicht auf dem Bild sind Daniela Ahl, Benedikt Bacher und Alexandra Hessler.

Benediktbeuern – Genügend Leute für ihre Liste zu finden, war für die Freie Bürgerliste Miteinander (FBM) wohl ein Leichtes, neben 16 Kandidaten stehen vier Ersatzleute darauf. In der Aufstellungsversammlung stellten sich die Frauen und Männer vor, die ab März im Gemeinderat mitarbeiten wollen.

„Die FBM steht für transparente Mitgestaltung und Einbindung der Bürger“, erklärte Rudi Mühlhans, der von der Liste überzeugt ist, weil diese zeige, dass man nicht nur die Umwelt auf dem Schirm habe, sondern auch über Wirtschaftserfahrung verfüge. „Alle Kandidaten sind super engagiert und würden der Gemeinde guttun“, fand der neue FBM-Vorsitzende, der sich allerdings einen noch höheren Frauenanteil gewünscht hätte. 

Alle Bewerber, darunter drei amtierende Gemeinderäte, stellten sich kurz vor. Die 40-jährige Sozialpädagogin Dorothea Bugl kam 2016 als Nachrückerin in den Gemeinderat, ist unter anderem in der Pfarrei und im Klosterförderverein Juwel aktiv. Sein Engagement für weitere sechs Jahre fortsetzen will auch Rudi Mühlhans, dem Kommunalpolitik nach wie vor großen Spaß macht. Sein Ziel ist es, „die Dinge vor Ort bestmöglich zu gestalten, auch wenn man nicht die ganze Welt verändern kann“, sagte der 53-jährige Geschäftsführer des Trägervereins Jugendarbeit Geretsried. Ralph Seifert will es ihm gleichtun: Der 50-jährige Landkreisbehindertenbeauftragte setzt sich für eine transparente, bodenständige, bürgernahe Politik sowie für Wohnraumangebot für alle ein. 

Tini Schwarm, bis vor kurzem Streetworkerin im Loisachtal, hat nicht nur ein Studium der Sozialen Arbeit begonnen, sondern will auch den Frauenanteil im Gemeinderat erhöhen. „Ich will dem Ort, an dem ich so gerne lebe und verwurzelt bin, etwas zurückgeben“, betont die 50-jährige Erzieherin, die sich für Umwelt- und Naturschutz sowie für sozial benachteiligte Menschen einsetzt. Ebenfalls aus dem sozialen Bereich kommt Sebastian Leigeb. Der 37-jährige Sozialpädagoge hat sich im Bereich der Familienhilfe in Bichl selbständig gemacht und will das „Vorzeigedorf von Tradition und Moderne“ mitentwickeln. „Ich stelle gerne auch unbequeme Fragen und will bissl was Buntes in den Gemeinderat reinbringen“, sagt Leigeb. Ebenfalls Sozialpädagoge ist Robert Wenzelewski, der als Leiter der Umweltbildungsstätte Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf sein gutes Netzwerk im Landkreis, zu Landrat und Bezirksräten sowie zur Regierung von Oberbayern einbringen will. Kompromissbereitschaft ist dem 35-Jährigen wichtig, zudem will er viele gute Ideen, etwa im Zuge der Dorferneuerung, schneller umsetzen. 

Auch Handwerksmeister stehen auf der FBM-Liste, darunter der Zimmerer Georg Kneißl, der für eine grüne Politik eintritt, ein Auge auf die Bautätigkeit haben und zudem die Kanalsitua­tion verbessern will. Der 55-Jährige arbeitete zehn Jahre lang am Theater als Bühnenbauer, woraus er augenzwinkernd schließt: „Ich kann gut mit schwierigen Personen umgehen.“ Dem grünen Gedanken verpflichtet fühlt sich auch Elektromeister Sebastian Rundbuchner, der ehrenamtlich in einer Hundeschule tätig und nebenbei auch Jäger ist. „Nicht alle Viecher machen den Wald kaputt und nicht alle muss man über den Haufen schießen“, findet der 43-Jährige.

 Quasi einen Gegenpol bilden die Akademiker, davon drei mit Doktortitel. „Ich kriege trotz Titel auch einen Nagel in die Wand“, scherzt André Polachowski. Der 55-jährige Westfale ist vor zwei Jahren „aus Bichl zugereist“, will inhaltlich mitarbeiten und „sehen, wo meine Gewerbesteuer hingeht.“ Der Chemiker und Marketingexperte will der FBM zu einem stärkeren Auftritt und mehr Präsenz verhelfen. Im Pharmabereich ist auch die Lebensmittelchemikerin Daniela Ahl verortet. Nach Stationen auf der ganzen Welt fand die 44-Jährige vor fünf Jahren in Benediktbeuern ihre Heimat, wo sie sich nun für Umwelt- und Naturschutz einbringen will. Dritte im Bunde der Doktores ist Alexandra Hessler, die bereits 2014 kandidierte. Die 47-jährige Volkskundlerin und Journalistin ist für die Öffentlichkeitsarbeit der Katholischen Stiftungshochschule zuständig. Die kaufmännische Sparte vertreten Helmut Kollhof und Christoph Tschamler. Der 63-jährige Kollhof ist Projektkaufmann im Vertriebswesen und war zwölf Jahre lang Vorsitzender des hiesigen Sportvereins. Diplom-Kaufmann Tschamler ist 44 Jahre alt, Gründungsmitglied des verpackungsfreien „Ois ohne“-Laden in Bad Tölz, ehemals Hüttenwart auf der DAV-Neulandhütte und nun Existenzgründerberater. 

Es folgten zwei Vertreter einer im Gemeinderatskreisen offenbar seltenen Spezies, nämlich Mieter. Hannah-Sophie Buchner hält die Werte Umwelt- und Klimaschutz sowie die Gleichwertigkeit aller Menschen hoch. Die 32-jährige Umweltingenieurin hat unter anderem den Waldkindergarten mitgegründet. Ebenfalls zur Miete wohnt der als Projektmanager in der Automobilindustrie tätige Benedikt Bacher. Der 34-Jährige dürfte vielen noch als Torwart des TSV Benediktbeuern bekannt sein. Eine kreative Sichtweise will schließlich die Jugendbeauftragte Sandra Rauchenberger einbringen, die sich bereits im Vorstand der Dorferneuerung engagiert. Der 42-jährigen Grafikdesignerin liegen soziale, ökologische und bauliche Themen am Herzen. „Benediktbeuern ist bunt, und auch den Gemeinderat sollten wir ein bissl bunter machen“, lautet ihre Überzeugung. 

Auf die Ersatzbank hat sich Rauchenbergers Ehemann, der amtierende Gemeinderat Bernhard zurückgezogen, weil er „die Diversität und Gleichberechtigung auf der Liste stärken will“, wie der 45-jährige Betriebselektriker sagt. Mit dem 36-jährigen Umwelt­ingenieur Andreas Buchner, der im Emissionsschutz des Landratsamtes arbeitet, sitzt neben ihm ein weiterer Kandidatinnengatte. Es folgen Martin Malkmus, 45, Bildungsreferent am ZUK, und Biologe Cölestin Allgäuer. Der 61-jährige Allgäuer will gerne Jüngeren den Vortritt lassen, steht aber als Ersatz zur Verfügung. Es sei Zeit, in den Gemeinderat eine andere Geisteshaltung reinzubringen durch Junge, die „aufgeschlossen, voller Energie und offen für die wirklichen Probleme unserer Zeit“ seien. „A bissl was ham mer doch bewegt“, lautet Allgäuers Resümee der vergangenen sechs Jahre. cw 

Die Kandidaten der FBM nach Listenplätzen: 1. Dorothea Bugl, 2. Rudi Mühlhans, 3. Hannah-Sophie Buchner, 4. Ralph Seifert, 5. Daniela Ahl, 6. Helmut Kollhof, 7. Christine Schwarm, 8. Georg Kneißl, 9. Sandra Rauchenberger, 10. Benedikt Bacher, 11. Alexandra Hessler, 12. Sebastian Rundbuchner, 13. Christoph Tschamler, 14. André Polachowski, 15. Sebastian Leigeb, 16. Robert Wenzelewski. Ersatzliste: 17. Andreas Buchner, 18. Martin Malkmus, 19. Bernhard Rauchenberger, 20. Cölestin Allgäuer.

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