Der alte Besen will weiter kehren

Bichls Bürgermeister Benedikt Pössenbacher empfiehlt sich für eine weitere Amtszeit

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Bürgermeister Benedikt Pössenbacher bekommt wohl einen völlig neuen Gemeinderat bekommt, weil auf der Einheitsliste zwei Drittel der Kandidaten kommunalpolitische Frischlinge sind.

Bichl – In Bichl wird der neue Bürgermeister der alte sein. Das steht schon vor der Wahl fest. Auf seinen Vorschusslorbeeren ausruhen will sich der 53-jährige Bauleiter Benedikt Pössenbacher aber nicht.

Der ehrenamtlich tätige Bürgermeister plant in der neuen Legislaturperiode vor allem einige Infrastrukturprojekte im Ort voranzutreiben.Unterstützung erhofft er sich vom künftigen Gemeinderat, der – und auch das steht schon fest – ein völlig anderes Gesicht haben wird, denn rund zwei Drittel der Kandidaten, die sich um ein Mandat bewerben, waren vorher noch nie in Bichls Kommunalparlament tätig. 

Bürgermeister Benedikt Pössenbacher kann der Kommunalwahl am 15. März ganz entspannt entgegensehen. Weil es in Bichl nämlich eine Einheitsliste gibt, gibt es auch keine politische Vereinigung, die einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken könnte. „Man sagt, dass neue Besen besser kehren“, frotzelte Pössenbacher, „dafür weiß ein alter besser, wo er kehren muss.“ Und er scheint sich in der Rolle des abermaligen Kandidaten mittlerweile recht wohl zu fühlen. Bei der letztjährigen Bürgerversammlung hatte Pössenbacher zwar angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen, „ich habe mich dann aber doch überreden lassen“, sagte er nun bei einer Vorstellungsrunde der Kandidaten der Einheitsliste. Pössenbacher startete an diesem Abend einen letzten zaghaften Versuch, vielleicht doch noch jemanden zu finden, der ihn beerben möchte: „Ich will niemanden ausbremsen, der Interesse an meinem Amt hat.“ Kein Aufmucken, obwohl Pössenbacher von sich selber sagte, dass er nicht „ganz einfach“ sei. „Aber das muss und darf man als Bürgermeister vielleicht auch nicht.“ 

Als diese Personalie geklärt war, appellierte er an den künftigen Gemeinderat, die Belange des Ortes und seiner Einwohner in den Vordergrund zu stellen und „als Team“ die Projekte voranzubringen. Konsens herrschte vor allem dahingehend, dass sich Bichl weiterhin als moderne Gemeinde entwickeln will, ohne seinen dörflichen Charakter zu verlieren. „Bichl erhalten, Bichl gestalten“, lautet deshalb auch der Slogan der Gemeinderatskandidaten. Obwohl nur einer der 24 Bewerber laut eigener Aussage zur Miete wohnt und die restlichen 23 demzufolge Eigentümer einer Immobilie sind, stehen Themen wie kommunaler Wohnungsbau, Einheimischenmodell und der Erwerb möglichst vieler Grundstücke durch die Gemeinde ganz weit oben auf der Liste der anzugehenden Aufgaben. Vor allem Martin Zeller, mit 70 Jahren der älteste Anwärter auf einen Sitz im Gemeinderat, warb um eine „Grundstücksvorhaltepolitik“, die es ermögliche, in der Zukunft flexibel Wohnraum für Einkommensschwächere zu schaffen. Andreas Zander hingegen warnte, dass nicht jedes Kind eines Bichlers auf einer 500-Quadratmeter-Parzelle werde bauen können. Immer wieder erhob sich an diesem Abend der mahnende Zeigefinger, dass eine Entwicklung Bichls unter der Maßgabe seiner bäuerlichen Prägung geschehen müsse. Dazu ist es vielen Kandidaten wichtig, Tradition und Brauchtum zu erhalten sowie ehrenamtliche Tätigkeit und Vereinsarbeit stärker wertzuschätzen und zu fördern. 

Hinsichtlich verschiedener Infrastrukturmaßnahmen wurde Pössenbacher konkreter. So ist geplant, auf einem rund 8.000 Quadratmeter großen Grundstück, „das die Gemeinde günstig vom Freistaat erworben hat“, den Bauhof anzusiedeln. Im Gespräch sei außerdem, das Areal südlich des Bahnhofs als Mischgebiet zu entwickeln. „Anfragen von Betrieben gibt es bereits“, so Pössenbacher. 

Diskussionen gab es schon in der Vergangenheit um die Erweiterung des Gewerbegebiets, dieses Thema wird Bichl wohl auch nach dem 15. März beschäftigen. „Die Gemeinde verfügt über viele Liegenschaften“, so Pössenbacher, und dieses „Tafelsilber“ wecke eben Begehrlichkeiten. Er hat aber auch den Bereich nördlich des Bahnhofs im Blick und meinte dazu: „Ob man dort den kommunalen Wohnungsbau anpackt, soll der neue Gemeinderat ebenfalls diskutieren.“ Ausführlicher wollte er sich dazu aber nicht äußern, „denn das ist ein ganz eigenes Thema.“ 

Auch in Sachen Klima und Umweltschutz wolle die Gemeinde tätig werden, führte Pössenbacher aus. So soll die Ölheizung im Kindergarten durch eine Hackschnitzelanlage ersetzt werden. Auch in der Schule soll zumindest einer der beiden Ölkessel von Hackschnitzeln abgelöst werden. Der andere, so Pössenbacher, müsse jedoch stehen bleiben, um bei Spitzenlast – etwa an besonders kalten Tagen – die nötige Wärme zu liefern. 

Darüber hinaus ging es an diesem Abend um den Breitbandausbau und die Wasserversorgung. Über allem stehe jedoch eine „geordnete Haushaltslage“ und eine Infrastruktur, die auf einem „vernünftigen Stand“ sei. Und für einige Straßenbaumaßnahmen (Feuerhausweg, Bach- und Bahnhofstraße) stellte Pössenbacher schließlich Zuschüsse vom Amt für Ländliche Entwicklung in Aussicht. sg

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