Der frische Wind

Markus Degen von der PWG will in Iffeldorf in die Spuren von Albert Strauß treten

Will Iffeldorfs neuer Rathauschef werden: Markus Degen.

Iffeldorf – „Vor sechs Jahren war ich noch nicht bereit dafür, aber jetzt bin ich es“: Markus Degen ist überzeugt, dass er der Richtige für das Bürgermeisteramt in Iffeldorf ist. Daran lässt er keinen Zweifel aufkommen.

Degen ist keiner, der blind irgendwo hineinstolpert, sondern sehr durchdacht, mit einer Prise Vehemenz und Ausdauer, sein Vorhaben durchsetzen will. Dafür geht er auch schon mal Klinken putzen, weil er es wichtig findet, sich bei allen Haushalten persönlich vorzustellen. 

Idee am Gartenzaun

Seit 2009 lebt der gebürtige Münchner mit seiner Frau und den drei Kindern in Iffeldorf. „Wir wollten unsere Kinder nicht in der Stadt aufwachsen lassen. Sie sollten in ländlichem Umfeld groß werden, sehen, wo die Milch herkommt und einfach drauflos sausen können“, sagt er mit seiner weichen Stimme. Mit einem Haus am Faltergatter ergaben sich dafür die besten Bedingungen. Neun Jahre später wurde am Zaun eben dieses Hauses die Idee für seine Bürgermeisterkandidatur geboren, als ein Nachbar im Gespräch grinsend meinte: „Vielleicht wirst ja mal Bürgermeister.“ Seitdem, gibt der 47-jährige zu, „hat mich dieser Gedanke nicht mehr losgelassen“. 

Albert Strauß als Vorbild

Politisch wäre Degen um ein Haar bei der CSU gelandet, als er sich im Jahr 2012 für die Kommunalpolitik zu interessieren begann. Durch einen Kontakt zu Thomas Link von der Parteifreien Wählergemeinschaft (PWG) zog es ihn dann aber doch zur Parteifreiheit. „Außerdem kommt man in Iffeldorf um die Person Albert Strauß nicht herum. In sämtlichen Zusammenhängen ist mir der Name begegnet, und ich wollte ihn unbedingt kennenlernen“, erinnert er sich. Strauß, der 1965 die PWG gründete und 42 Jahre als Bürgermeister amtierte, wurde sein großes Vorbild, auf das der Maschinenbaumeister immer wieder hinweist. „Er war und ist ein absoluter Visionär, das hat mir imponiert“, schwärmt Degen und meint, dass er genau dieses Denken in den vergangenen Jahren in der Dorfpolitik vermisst hat. 

Keine G‘schaftelhuberei

Der Wahliffeldorfer ist keiner, der irgendetwas dem Zufall überlässt. Alles ist wohldurchdacht, so auch seine zahlreichen Vereinszugehörigkeiten. Was andere vielleicht als G‘schaftelhuberei abtun, erklärt Degen ganz pragmatisch: „Wenn man neu herzieht, dann kennt man ja keinen. So dachte ich, um Anschluss zu bekommen, trete ich eben Vereinen bei.“ So kam es, dass er erst bei den Schützen anheuerte und dann, als leidenschaftlicher Skifahrer, beim Skiclub, in dem er seit 2012 als Vorsitzender fungiert und dort unter anderem den Kinder- und Jugendbereich wiederaufbaute. „Zu Beginn waren es drei oder vier Kinder, heute haben wir eine Rennmannschaft mit 20 Kindern. Die Mitgliederzahl hat sich inzwischen von 150 auf 300 verdoppelt“, berichtet Degen stolz. Danach folgten Siedlerverein, Nachbarschaftshilfe und eine Fördermitgliedschaft bei der Feuerwehr, alles keine schlechten Adressen, wenn man in die Kommunalpolitik strebt. 

„Beruflich ein einschneidendes Ereignis und natürlich auch ein Risiko“

Im Sommer 2018 legten dann seine PWG-Kollegen bei einem Grillfest auf Degens Terrasse das Saatkorn: Gemeinsam wurde über einen möglichen Bürgermeisterkandidaten beraten, und Degen erzählt, dass ihm da der Spruch seines Nachbarn wieder in den Sinn kam. Wochen vergingen, in denen das Saatkorn zu keimen begann. Eine Entscheidung stand an, welche die Zukunft der Familie und seiner Arbeit beeinflussen kann. Um eine klarere Sicht auf die Dinge und ein Gefühl für sein Vorhaben zu bekommen, packte Markus Degen seinen Rucksack und machte sich auf den Weg. „Ich bin in mich gegangen und habe gespürt, dass ich etwas bewegen will“, erzählt er. Als ihn dann noch ein Freund bestärkte und sagte „Wenn du das wirklich willst, dann mach es“, stand sein Entschluss fest. Nun musste nur noch seine Frau Maria überzeugt werden, doch auch die stimmte schnell zu und versicherte ihm ihren Rückhalt. Das war schon mal sehr wichtig, „aber dann ist so was ja auch beruflich ein einschneidendes Ereignis und natürlich auch ein Risiko“, so Degen. Deshalb hat er sich bei seinem Arbeitgeber rückversichert, dass er im Falle eines Wahlsieges seine Stunden reduzieren, aber auch jederzeit wieder zurückkehren könne. „Ich denke, dass dieses Amt immer komplexer wird. Da mache ich mir nichts vor. Früher oder später wird es eine Vollzeitstelle werden, doch momentan rechne ich mit ein bis zwei Tagen die Woche“, erklärt er. 

Informationen vom Stammtisch

Als technischer Leiter ist Degen in der Konstruktion und Entwicklung eines Münchner Unternehmens tätig und war auch schon mal Geschäftsführer einer Firma. Hier wie dort habe er sich kaufmännisches Wissen und Führungsqualitäten angeeignet, die ihm nun in der Leitung des Rathauses und der Verwaltung zugutekommen würden. In den Gemeinderatssitzungen ist Degen aber ein eher seltener Gast. Er informiert sich politisch lieber beim monatlichen PWG-Stammtisch, sagt er. „Dort stellen unsere Gemeinderäte die aktuellen Themen vor, erklären, was ansteht, und es findet ein netter Austausch statt“, so Degen. Auch hat er schon an diversen Seminaren teilgenommen, die auf das Bürgermeisteramt vorbereiten. So etwa an solchen von der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung, was den Christsozialen an den Osterseen die Gewissheit gibt, dass sie, mangels eigenem Kandidaten, zumindest indirekt Einfluss auf den Wahlausgang nehmen können. „Ich habe mich auch intensiv mit Finanzthemen beschäftigt“, so Degen. Vor allem hat er hier die Haushaltsplanung im Blick, welche in den vergangenen Jahren von Kämmerer Georg Bäck und seinem Nachfolger Stefan Popp verantwortet wurde. „Hier würde ich gerne mehr selbst in die Hand nehmen und den Haushalt in Zusammenarbeit mit dem Kämmerer erstellen.“ Deshalb sitzt er jetzt oft mit Albert Strauß zusammen und holt sich Tipps und Ratschläge vom Altbürgermeister. 

Der Mann mit dem frischen Wind

Warum ausgerechnet er, ein Zugezogener und politischer Neuling, eine Chance bekommen sollte? „Ich sehe meinen Vorteil in meiner neutralen Sichtweise“, erklärt Degen, „ich habe Spaß daran, mit Leuten umzugehen und ich sehe das Bürgermeisteramt als Berufung.“ So ist es für ihn nur logisch, dass ein „kompletter Wechsel“ am besten für das Dorf wäre. Hubert Kroiß und Degens Gegenkandidat, Vizebürgermeister Hans Lang von der SPD, hätten zwar gute Arbeit geleistet, doch mit Lang an der Spitze von Iffeldorf würde auch in Zukunft nicht viel Veränderung passieren. „Frischer Wind schadet nie“, grinst Degen. Vor allem wenn er über die Visionen der PWG spricht, kommt auf einmal Leben in den sonst so kontrollierten und ruhigen Mann: „Ich will einen modernen Ort, in welchem die Jugend gerne wohnt und nicht in die Städte abwandert. Ein Ort, in dem es aber auch bezahlbar ist, zu wohnen und zu leben.“ Für die Kleinsten stellt er sich einen Abenteuerspielplatz vor und daneben Sportmöglichkeiten für Jung und Alt. „Ich möchte die Bewohner unseres Dorfes näher zusammenbringen“, sagt er. Seiner Meinung nach seien auch die immer wichtiger werdenden Bereiche wie Verkehr, Energie und Klima zu wenig beachtet worden. 

„Aufregung steigt von Tag zu Tag“

Auf die neue Herausforderung würde er sich jedenfalls sehr freuen, betont Degen, der die Natur liebt und in seiner Freizeit Ruhe und Abstand in Wanderungen und Bergtouren sucht. „Da kann man wunderbar abschalten, seine Gedanken sortieren und Kraft schöpfen“, so Degen. Diese Kraft wird er brauchen, wenn er am 15. März dem Ergebnis entgegenfiebert. „Ich kann überhaupt nicht einschätzen, wie es ausgehen wird“, meint er, „aber meine Aufregung steigt von Tag zu Tag.“ au

Auch interessant

Meistgelesen

Gesichtsmasken: Trachtenstube näht doch wieder
Gesichtsmasken: Trachtenstube näht doch wieder
Sanierung der Asamstraße wird vorangetrieben
Sanierung der Asamstraße wird vorangetrieben
Lautstarke Rekultivierungsarbeiten in der Antdorfer Kiesgrube belasten Anwohnerin aus Iffeldorf
Lautstarke Rekultivierungsarbeiten in der Antdorfer Kiesgrube belasten Anwohnerin aus Iffeldorf
Stefan Korpan stellt Agenda für die ersten 100 Tage im Amt vor
Stefan Korpan stellt Agenda für die ersten 100 Tage im Amt vor

Kommentare