Auf Sieg gepolt

Hans Lang will neuer Bürgermeister werden, alles andere wäre für ihn enttäuschend

Der Mann weiß, was er will: Mit der lässig am Finger hängenden Trachtenjoppe, die Kirche im Hintergrund, wirkt Hans Lang schon jetzt wie ein Bürgermeister, allerdings einer von der CSU.

Iffeldorf – Gemütlich ist es in dem roten Haus neben der Kirche am St. Vitus Platz. Jedes Stück darin scheint mit Liebe von Hand gemacht. „Das ist das Werk meiner Frau“, sagt Hans Lang und gießt eine Tasse Tee ein. Er plaudert ruhig und unaufgeregt über dies und das, doch er auch anders.

Egal um welchen Bereich es sich handelt, ob Dorfleben, Gemeinderat, Bauanträge, Verkehrs­politik, man hat das Gefühl, dass es nichts gibt, mit dem sich Lang noch nicht intensiv auseinandergesetzt und beschäftigt hat. Bei Themen, die ihm wichtig sind, kann er auch mal lauter werden und vehement für eine Sache kämpfen. Nun will er Bürgermeister werden – nicht zum ersten Mal. 

Ein gutes Miteinander und mehr Beteiligung

Vor sechs Jahren war Lang schon einmal angetreten und hatte hauchdünn gegen Hubert Kroiß verloren. Gerade mal 72 Stimmen fehlten dem SPD-Mann damals. Das knappe Ergebnis aus dem März 2014 hat er aber längst abgehakt. Im Nachhinein, sagt er, habe ihm die Zeit im Gemeinderat und als Stellvertreter von Kroiß sogar gut getan. „Ich habe meinen Platz im Gemeinderat intensiv genutzt und mich im Laufe der Zeit in viele Themen eingearbeitet“, sagt er. Und er hat gesehen, was ihm wichtig ist: Hans Lang, 63 Jahre alt, will ein gutes Miteinander erreichen und wünscht sich für den Fall seiner Wahl, dass sich alle Fraktionen im Gemeinderat wieder mehr beteiligen. „Das kam in den vergangenen Jahren nicht immer gut an, aber ich wäre sehr offen, um über neue Anträge zu diskutieren“, versichert Lang und weiß natürlich, dass in diesem Satz auch Kritik an Kroiß, der sich nicht mehr der Wiederwahl stellt, versteckt ist. 

Innovativ in die Zukunft

Er weiß aber auch um den Vorwurf seiner Gegner, dass mit ihm doch kein wirklicher Wechsel stattfinden würde, weil er schon viel zu lange zum politischen Establishment an den Osterseen zähle. Diesen Schuh will sich Lang jedoch nicht anziehen und verweist statt dessen darauf, dass sein Beruf bei der Telekom es mit sich brachte, immer innovativ in die Zukunft zu denken, zu planen, zu organisieren und die Teams, die in ganz Süd- und Ostbayern verteilt waren, zusammenzuhalten. „Ich war Führungskraft und Teamleiter und hatte etwa 630 Leute unter mir. Da lernt man, wie wichtig ein gutes Miteinander ist“, betont Lang. Diese Fähigkeit, so ist er überzeugt, sei mindestens genauso wichtig wie das Fachwissen, und beides bringe er mit. 

Keine halben Sachen

„Alles greift ineinander“, liest man im Wahlprogramm der SPD. Bauen, Wohnen, Mobilität und Verkehr, Klima und Umwelt, alles Themen, die auch die anderen Parteien und Listen verfolgen. Doch Hans Lang träumt hier von einer aktiven Bürgerbeteiligung. Dazu hat er vor Jahren auch den „Arbeitskreis Wohnen im Alter“ ins Leben gerufen. Und weil er keine halben Sachen macht, war seine Arbeit auch der Grund, warum er zu Beginn des neuen Jahrtausends als Gemeinderat eine Pause einlegte. Von 1990 bis 2003 saß er für die SPD im Kommunalparlament. Für die Telekom war er dann aber immer öfter unterwegs, was mit seinem kommunalpolitischen Selbstverständnis, immer und überall vollen Einsatz für das Dorf zu zeigen, nicht mehr vereinbar war. Lang setzte elf Jahre aus, bevor er 2014 als Bürgermeisterkandidat für die SPD ins Rennen ging. Seither ist er eine feste politische Größe an den Osterseen, eine so feste, dass er am 15. März vielen als Favorit im Rennen mit PWG-Kandidat Markus Degen gilt. Vor allem zwei Vorbilder haben ihn geprägt: Ludwig Kindermann und Hans Welzmüller. Durch sie kam er zum Ehrenamt und in die Kommunalpolitik. Hans Lang gehört der SPD seit der „Bonner Wende“ 1982 an, als nach dem Seitenwechsel der FDP der Weg frei für Helmut Kohl als Bundeskanzler wurde. „Ich bin damals in die SPD eingetreten, um Farbe zu bekennen“, erinnert sich Lang. 

Leberkas als Tradition

Vor allem seit er im Vorruhestand ist, sieht man ihn fast täglich zur Metzgerei Petermichl radeln. Hier gibt’s zur Brotzeit eine Leberkässemmel und danach geht’s ins Rathaus. „Wobei ich gerade mit der Tradition breche, denn meine Frau und ich haben eine Fastenkur hinter uns. Das hat mir unheimlich gutgetan und es wäre wahrscheinlich nicht schlecht, wenn ich mir nur noch einmal die Woche eine Semmel hole“, grinst Lang. Es scheint, als sei er schon auch ein Gewohnheitstier, einer der seine kleinen Marotten hegt und pflegt und Strukturen liebt. 

Mindestens 15 Stunden pro Woche

Inzwischen kommen pro Woche mindestens 15 Stunden zusammen, die er dem Dorf widmet, für ein Ehrenamt wohlgemerkt, für das es lediglich eine Aufwandsentschädigung, dafür aber viel Arbeit gibt: momentan vor allem die Themen Bau, Obdach und Asyl. Er kennt die Problemfälle alle persönlich, sucht das Gespräch und Lösungen und nennt als wichtigste Weggefährtin seine Parteigenossin Isolde Künstler. Mit ihr tauscht er sich aus und bringt neue Ideen auf den Weg. Auch im Ortsverband der SPD mit Leitwolf Hans-Dieter Necker ist Lang engagiert dabei. 

„Es fällt mir schwer anzupreisen, was ich gut kann“

Hans Lang ist keiner, der von Tür zu Tür durchs Dorf tingelt und sich anpreist, und doch hat man das Gefühl, jeder kennt ihn und weiß was er kann und tut. So war es wohl schon sein ganzes Leben lang: „Ich habe noch nie in meinem Leben eine Bewerbung geschrieben. Es fällt mir schwer anzupreisen, was ich gut kann, und hatte das Glück, das meine früheren Chefs meine Stärken erkannt haben. So kam ich zu einem Traumjob und bin die Karriereleiter steil nach oben geklettert.“ Ob ihm diese Bescheidenheit auch zum Sieg am 15. März verhilft, dazu meint Lang: „Ich werde nicht jetzt auf einmal anfangen mich zu verbiegen. Ich bin wie ich bin, jeder weiß, dass ich gute Arbeit mache und mich reinhänge. Deshalb hoffe ich sehr, dass es klappt, denn wollen tu ich unbedingt!“ 

Eine Vorstellung, die Bauchschmerzen bereitet

Auf die Frage, ob er sich auch mit Markus Degen als Bürgermeister eine Zusammenarbeit im Gemeinderat anfreunden könnte, denkt er lange nach: „Die Vorstellung macht mir ehrlich gesagt Bauchschmerzen. Mit jemand völlig Unerfahrenem an der Spitze zusammenzuarbeiten, der noch dazu keinen politischen Hintergrund mitbringt, da hätte ich schon ein Problem.“ Sein Alter sieht Lang selbst als grenzwertig, meint jedoch mit einem für ihn dann doch überraschenden Selbstbewusstsein: „Ich sehe als Nachfolger von Hubert Kroiß keine Alternative. Allerdings ist mein großes Ziel als Bürgermeister, einen Nachfolger in den kommenden sechs Jahren mit viel Unterstützung aufzubauen.“ Der Mann ist auf Sieg gepolt, an eine Niederlage am 15. März denkt er nicht. 

Beim Wandern Abstand gewinnen

Lang ist auch einer, der sich viele Gedanken macht, einer der gerne und lange grübelt. Um ein wenig Abstand von Iffeldorf und der Politik zu bekommen, hat er das Wandern für sich entdeckt. Im vergangenen Jahr machte er sich drei Wochen allein auf den Weg und überquerte die Alpen. „Das war herrlich. Das Reduzieren aufs Wesentliche. Wenn die einzige Sorge ist, ob ich genug Wasser habe und eine Unterkunft bekomme, ist das sehr entspannend.“ Ansonsten fährt er gerne Rad, und Ski, seine große Leidenschaft. Deshalb gründete er vor über 40 Jahren den Skiclub Iffeldorf, in dem er immer noch eine aktive Rolle spielt, lustigerweise unter dem Vorsitzenden Markus Degen, was ihm in diesem Fall keinerlei Probleme bereitet. Lang ist ferner Vorsitzender des TSV und seit 40 Jahren Vorstandsmitglied der Fußballabteilung, wofür er erst vor kurzem den DFB-Ehrenamtspreis erhielt. Doch Lang ist kein klassischer Vereinsmeier, er sieht sich vielmehr als Familienmensch, der gerne feiert, einfach nur beisammen sitzt oder etwas mit seiner Enkelin Lina unternimmt. Eine Woche nach der Wahl ist Geburtstermin für Enkel Nummer zwei. „Es wird ein Bub“, verrät er stolz.

„Das würde mich schon treffen“

Und, wäre es schlimm, wenn er die Wahl verlieren würde? „Ja, das würde mich schon treffen“, räumt Lang ein. Damit das nicht passiert, rackert er weiterhin neben Hubert Kroiß im Rathaus. Jeden Tag und ohne ­Unterlass. au

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