In Würde oder im Tollhaus

Wahlkampf in der Faschingszeit: Von Nonkonformisten und Doppelgängern

Lasst‘s ned aus: Paula mit der Rose in der Bluse hat die höchste Freude über den Wahlkampfbesuch der SPD im Altenheim. Dass die Genossen ebenfalls bestens gelaunt sind, liegt aber vor allem daran, dass sie von CSU-Mann Ludwig Schmuck mit Leibeskräften unterstützt werden.

Penzberg – In Bayern ist es ein Naturgesetz, dass der Kommunalwahlkampf in die Faschingszeit fällt. Das stellt den Bürger bisweilen vor Herausforderungen, weil er auf den ersten Blick nicht weiß, ist das jetzt Narretei oder ernst gemeinte Kommunalpolitik, was ihm auf der Straße so begegnet.

Auch wer dieser Tage durch Penzberg streift, wird gedankenschwer heimkehren, weil er rätselt und grübelt, wer sich denn nun als wer verkleidet hat. Am lustigsten geht es derzeit bei den Grünen zu. Ausgerechnet die Grünen, eine Partei, in der ungehemmtes Lachen, womöglich noch über einen nicht genderkonformen Witz, nach wie vor strengstens untersagt ist. Penzbergs Grüne, so hat es den Anschein, haben sich pünktlich zum Faschingsendspurt als Fußballmannschaft verkleidet. Mit knallgrünen Jacken tingeln sie derzeit durch die Stadt: die einstigen Nonkonformisten plötzlich ganz konformistisch in Öko-Uniform. Den grünen Schal, den sie dazu lässig knoten, haben sie sich wohl bei den Bürgern für Penzberg (BfP) abgeschaut, wobei die, immer dort, wo sie im Rudel auftreten, auf Orange setzen. Wobei man sagen muss, dass die BfP noch immer in der Versenkung ausharren, in der sie nicht wenige von der politischen Konkurrenz am liebsten auf immer und ewig verschwinden sähen. Dabei ist das alles nur strategisches Kalkül, hat man gelernt. Plakatiert wird bei den BfP erst zwei Wochen vor der Wahl, weil dann das Wetter besser sein soll und man nicht dauernd einen Jabs nachkleben muss, wie das die Gefolgsleute der Zehetners und Korpans schon dutzendfach zu erledigen hatten. Jabs, ja richtig: Armin Jabs heißt jener Mensch, der für die BfP eigentlich Bürgermeister werden will, der aber anscheinend in einem Erdloch wohnt, aus dem er nur herauskrabbelt, wenn eine Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten ansteht. Dort hat er sich zweimal wacker geschlagen, was ihn wohl selbst am meisten erschrocken hat, denn seither hat ihn niemand mehr gesehen. Noch einmal zurück zur Alaaf-und-Hellau-Truppe der Grünen: Unter dem Motto „Grün klingelt“ marodieren sie derzeit durch die Straßen der Stadt und „suchen das Gespräch mit den Bürgern“, wie es grob verharmlosend heißt. Bürgermeisterkandidatin Kerstin Engel, die trotz der Kälte wenigstens von einem barfuß laufenden Nonkonformisten begleitet wird, lockt mit süßem Sirenengesang: „Wer keinen Besuch bekommt oder diesen nicht abwarten will, kann sich auch gerne direkt an uns wenden.“ Es soll Menschen geben, die ihre Kinder von der Straße holen, wenn die Grünjacken im Anmarsch sind. Andere wiederum backen Hirseplätzchen und setzen Fencheltee auf, weil sie zuvor eine Mail an gruene.penzberg@gmail.com gesandt haben und nun ganz aufgeregt die lustigen Menschen von der an sich unlustigen Partei erwarten. 

Wahlkampf in der Penzberger Faschingszeit: Von Nonkonformisten und Doppelgängern

Irgendwer versteht hier was falsch: Während die Leute von Penzberg Miteinander um Markus Bocksberger (Bild 1) im Wahlkampf auf Ernsthaftigkeit setzen, verkleiden sich die Grünen um Kerstin Engel (Bild 2, 2. von links). © 
Irgendwer versteht hier was falsch: Während die Leute von Penzberg Miteinander um Markus Bocksberger (Bild 1) im Wahlkampf auf Ernsthaftigkeit setzen, verkleiden sich die Grünen um Kerstin Engel (Bild 2, 2. von links). © 

Ein staatstragender Blick, ein Dackel und eine Bank

Was die in Faschingszeiten geradezu sträfliche Unlustigkeit angeht, hat aber Markus Bocksberger mit seiner Liste Penzberg Miteinander eindeutig die Nase vorne. Bocksberger glaubt allen Ernstes, dass sich mit Ernsthaftigkeit und ernsthaften Themen die Wahl gewinnen lässt. Während sich die BfP im Erdloch drängen und die grünen Grünen unentwegt klingeln, macht sich Bocksberger auf in den unwirtlichen Nonnenwald, um dort staatstragend in die Kamera zu blicken, wo seine Liste am liebsten einen Handwerkerhof sehen würde. Das ist zwar alles nicht verkehrt, doch erschwert diese markante Abgrenzung gegenüber den Elferräten der anderen Parteien die Orientierung gewaltig. Nicht einmal einen Dackel als Maskottchen, das Markenzeichen der ebenfalls ziemlich nüchternen, in diesem Fall aber schon als exaltiert geltenden FDP, hat Bocksberger dabei. Eigentlich sollte er doch aber wissen, dass Sachargumente in jedem Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das Volk lechzt nach weichen Faktoren und Symbolen, wie etwa der überdimensionalen Wahlkampfbank der Freien Lokalpolitik Penzberg (FLP), die sogar das Zeug hätte, am Rosenmontag auf einem Prunkwagen durch Mainz, Düsseldorf oder Köln gezogen zu werden. Sitzt zwar kein Mensch drauf, und in den Briefkasten, den man dort hingedübelt hat, schmeißt kein Mensch was rein, aber das Teil macht halt was her. 

Rosiger Paukenschlag

Man kann nur darüber rätseln, ob der SPD die Handwerker ausgegangen sind. Auf jeden Fall haben die Genossen nichts gebastelt, stattdessen sind sie freitags um vier mit ihrer die Umwelt verpestenden Ape mal hierhin, mal dorthin geknattert, um mit den Leuten über das zu sprechen, was ohnehin jeder weiß. Doch dann kam der Paukenschlag im AWO-Heim, und es kam das Bild von der Übergabe der roten Rosen an die alten Herrschaften. Paula, das Faktotum des Hauses, ließ sich den Blumengruß gleich mal tief in den weit aufgeknöpften Ausschnitt stecken, die halbe SPD-Stadtratsliste lächelte beseelt. 

In Würde oder im Tollhaus

Doch ganz hinten, da ist doch noch einer. Genau, der Schmuck von der CSU auf Wahlkampftour bei den Genossen. Hätte Söder wegen Merkel und AKK derzeit nicht andere Sorgen, wer weiß, womöglich hätte er aus Schmuck den Sarazin der CSU gemacht. Und wenn es doch bloß ein Schmuck-Double ist? Ist es nicht, heißt es schmallippig bei der CSU, die sich vielleicht genau deshalb noch nicht entscheiden mag, ob sie diesen Wahlkampf in Würde oder doch lieber wie in einem Tollhaus zu Ende bringen möchte. Ihr Bürgermeisterkandidat Stefan Korpan würde wohl am liebsten den blauen Podiumsdiskussionsanzug mit seiner Polizeiuniform tauschen und den Schmuck bis zum 15. März um 18 Uhr in Beugehaft nehmen. Auf Fahnenflucht stehen jedenfalls bis zu fünf Jahre, was bedeuten würde, dass Ludwig Schmuck im Falle seiner abermaligen Wiederwahl nur noch ein Jahr dem künftigen Stadtrat angehören würde. Ein herber Verlust für die SPD.laAuch wer dieser Tage durch Penzberg streift, wird gedankenschwer heimkehren, weil er rätselt und grübelt, wer sich denn nun als wer verkleidet hat. la

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