Glücksfee und Zitronengesichter

Markus Bocksberger und Hardi Lenk zu stellvertretenden Bürgermeistern gewählt

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Die neuen Stadträte beim Schwur: John Eilert, Aleksandar Trifunovic, Christian Abt, Bayram Yerli, Elke Zehetner, Martin Janner, Anette Völker-Rasor, Katharina von Platen und Sebastian Fügener (von links).
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Danach wurden Markus Bocksberger (links) und Hardi Lenk zu Stellvertretern von Stefan Korpan gewählt.

Penzberg – So sehr im Vorfeld der konstituierenden Sitzung des Stadtrates auch die Drähte glühten, was vor allem dem Machtgeplänkel der CSU zu verdanken war, so geräuschlos verlief letztlich die Wahl des zweiten und dritten Bürgermeisters, die Markus Bocksberger (Penzberg Miteinander) und Hardi Lenk (SPD) als die künftigen Stellvertreter des neuen Rathauschefs Stefan Korpan hervorbrachte. Als Unglücksrabe des Abends gilt hingegen Armin Jabs (Bürger für Penzberg), den Korpan eigentlich als dritten Bürgermeister bevorzugt hatte, den aber dann ausgerechnet Korpans Frau per Losentscheid eliminierte und statt dessen Kerstin Engel (Grüne) in den entscheidenden Urnengang gegen Lenk schickte.

Es bot sich in der Stadthalle ein vielsagendes Bild, wenn man die Leute aus dem Rathaus so beobachtete. Da gab es vereinzelt Zitronengesichter zu sehen, die jetzt nicht mehr so dürfen wie noch bis Ende April. Vor allem aber gab es viele selige Gesichter, die an Kinder erinnern, die gerade einen riesigen Schokoladenschatz gehoben haben. In seinen ersten beiden Wochen im Amt hat Korpan ganz offenbar wieder Freude in die Stadtverwaltung gebracht, aber auch für Zitronengesichter in der eigenen Fraktion gesorgt, als er sich klar und deutlich für Markus Bocksberger (Penzberg Miteinander) als zweiten Bürgermeister ausgesprochen hatte. CSU-Chef Nick Lisson nahm dies lange Zeit als netten Wunsch eines kleinen Mannes zur Kenntnis und kochte sein eigenes Süppchen. Er flirtete mit der SPD, rang den Sozial­demokraten sogar das Zugeständnis ab, mit der unbedarften Maria Probst eine CSU-Frau zur zweiten Bürgermeisterin zu machen, wenn dafür Hardi Lenk zur Nummer drei gekürt werde, und tat alle Bedenken, dass die CSU damit ihre Glaubwürdigkeit verspiele und jene vor den Kopf stoße, die Korpan in der Stichwahl unterstützt haben, als Pillepalle ab. Mit Zitronengesicht bekannte Lisson dann auch, dass die CSU zwar für Bocksberger stimme, „was für uns aber keine leichte Entscheidung ist“. Dies bescherte Korpan in seiner zweiten Amtswoche nicht nur einen schmerzhaften Nierenstein, sondern auch gleich die erste Machtprobe in den eigenen Reihen und obendrein die Erkenntnis, dass ein Nierenstein vielleicht doch erstrebenswerter ist als eine Zusammenarbeit mit dieser CSU-Fraktion. 

Nun, Bocksberger setzte sich bei der geheimen Wahl des zweiten Bürgermeisters mit 17:8 gegen Lenk durch, was ein verdienter Mitarbeiter aus dem Rathaus mit lakonischen Worten kommentierte: „Der Korpan kann die Wahl anfechten, weil die war ja nicht geheim“, sagte er und spielte darauf an, dass die Stimmen für Lenk, wie angekündigt, von der SPD (5), der FLP (2) sowie, nicht angekündigt, aber erwartet, von Ludwig Schmuck (CSU) stammten. 

Spannender gestaltete sich da schon die Kür der Nummer drei, weil Lenk für die SPD erneut ins Rennen geschickt wurde und dort auf Kerstin Engel und Armin Jabs traf. Im ersten Durchgang kam Lenk hier auf neun Stimmen, Engel und Jabs auf jeweils acht, weshalb das Los entscheiden musste, wer von den beiden gegen den SPD-Mann in der Stichwahl antreten durfte. Ausgerechnet Korpans Frau Christina musste hier die Glücksfee spielen: Ihr Mann hatte sich im Vorfeld Jabs gewünscht, gezogen wurde aber Engel. Geholfen hat dies Engel aber nichts, weil sich Lenk am Ende mit 13:12 und somit fast allen Stimmen auch der CSU durchsetzen konnte. 

Zuvor hatte es in der Stadthalle noch zwei schöne Szenen gegeben: Stefan Korpan musste ja vereidigt werden, eine Aufgabe, die traditionell der Alterspräsident des Stadtrates übernimmt, was in diesem Fall mit Ludwig Schmuck ausgerechnet jener Partei­freund war, in dem Korpan im Wahlkampf seinen schärfsten Gegner hatte. Dafür durfte sich Korpan sogleich revanchieren und im Kreis der neuen Stadträte auch Elke Zehetner vereidigen, die er in der Stichwahl aus dem Rathaus gefegt hat.

Große Nachdenklichkeit erfüllte den Saal an diesem Abend auch, als es um einen ging, der eigentlich hier sein sollte: Michael Kühberger. Der war für die FLP in den Stadtrat gewählt worden, erklärte aber vor eineinhalb Wochen, dass er sein Mandat aus persönlichen Gründen nicht annehmen werde. Mittlerweile weiß jeder: Kühberger ist schwer krank. Jack Eberl, sein Fraktionskollege, weigerte sich deshalb, über Kühberger in der dritten Person zu sprechen und tat so, als säße der mitten im Saal. „Du bist nicht der bequemste Typ, aber immer gerade heraus“, sagte Eberl, „einer, den man mit Argumenten überzeugen konnte, aber nicht mit Schönrederei.“ Am Ende musste Eberl schlucken, für einen Moment war da klar, dass es selbst in der Politik wichtigere Dinge als Machtspiele und glühende Drähte gibt. la



Kommentar von André Liebe:

Markus Bocksberger und Hardi Lenk als zweiter und dritter Bürgermeister: Damit kann Stefan Korpan leben, auch wenn er lieber Armin Jabs als zweiten Stellvertreter an seiner Seite gesehen hätte. Den aber hat seine Frau im Losentscheid gegen Kerstin Engel eliminiert, was die Frage nährt, inwieweit dies Auswirkungen auf den bürgermeisterlichen Haussegen zeitigt. 

Doch ungeachtet dieser Personalien hat die Wahl vor allem des zweiten Bürgermeisters dem neuen Amtsinhaber gleich bei seiner ersten Sitzung folgendes gezeigt: Die unsichersten Kantonisten im gesamten Stadtrat sitzen in Korpans eigener Partei, der CSU. Offenbar berauscht von Korpans Jahrhundert­erfolg und dem Anwachsen zur stärksten Fraktion, hat das noch immer im Zustand der jahrzehntelangen politischen Unbedarftheit verharrende Sextett unter Führung des bisweilen irrlichtern­den Nick Lisson keine Skrupel, jene ganz offen vor den Kopf zu stoßen, die den Erfolg in der Bürgermeisterstichwahl durch ihre klare Aussage erst ermöglicht hatten. Noch wenige Tage vor der konstituierenden Sitzung des Stadtrates wollte man Markus Bocksberger, Korpans Favoriten als zweiter Bürgermeister, ganz offen verhindern und einen Deal mit jener SPD besiegeln, die man unter dem Motto „Wechsel2020“ abzulösen angetreten war. 

Die eigene Glaubwürdigkeit war da schon weitaus weniger wert als die Aussicht auf ein kommodes Durchregieren ohne fortwährende Richtungsdebatten mit den echten Grünen, den falschen Grünen von Penzberg Miteinander und der Krawallotruppe der Bürger für Penzberg. 

Dass dies letztlich verhindert wurde und am Ende nur ein Abweichler in den Reihen der CSU gegen Bocksberger stimmte, ist zweifelsohne auf ein Machtwort von Korpan zurückzuführen, der keine Lust verspürt haben dürfte, gleich bei seiner ersten Sitzung von den eigenen Leuten demontiert und irreparabel beschädigt zu werden. Dass Teile der CSU aber genau dies im Sinn hatten, lässt tief blicken und sollte auch den Kreisvorsitzenden Alexander Dobrindt nicht ungerührt lassen, weil die Penzberger damit dem Image der gesamten Partei schaden.

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