Mürrische Mutter

Storchennachwuchs im Kloster Benediktbeuern

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Unzählige Äste und ein paar Schnäbelchen: Im Kloster Benediktbeuern gibt es wieder junge Störche zu beobachten.

Banediktbeuern – Dass sich Tiere und Menschen oft ähnlicher sind, als so mancher glaubt, beweist das Storchenpaar, dass sich den Konventbau des Klosters in Benediktbeuern als Nistplatz ausgesucht hat. Denn wer die beiden genau beobachtet, erkennt ein launenhaftes Weibchen und ein Männchen, dass sich bei Schwierigkeiten aus dem Staub macht und andernorts ein Übernachtungsplätzchen sucht. Im Nest ist es aber auch eng geworden, da der Nachwuchs immer größer wird.

Wenn sich einer mit der Vogelwelt auskennt, dann Pater Karl Geißinger, Rektor des Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK). Dass sich der Geistliche mit Begeisterung der Vogelbeobachtung widmet, ist ihm sofort anzumerken, wenn er von den Störchen spricht, die gerade im Kloster viele Blicke auf sich ziehen, vor allem seine Blicke, die auch schon drei kleine Schnäbel wahrnahmen. „Wir konnten inzwischen drei Jungstörche zählen und hoffen, dass alle durchkommen“, sagt Geißinger. Vor kurzem flog eine Drohne über das Kloster und nahm auch das Nest samt Inhalt auf. Wobei vom Inhalt nicht allzu viel zu sehen ist. Bei dem unheilvollen Geräusch, dass eine Drohne von sich gibt, „breiten die Störche gleich die Flügel aus“, sagt der Pater. Flügel, von denen der Nachwuchs nur träumen kann, „denn noch haben die Kinder kein festes Gefieder“, erläutert Geißinger. Aus diesem Grund ist die Zeit um Pfingsten, in der es noch kühle Tage und kalte Nächte gibt, eine kritische, denn die Jungen kühlen in kürzester Zeit aus. 

Theoretisch hätte auch eine zweite Storchenfamilie im Kloster einen Brutplatz finden können, nämlich in einem alten Nest auf dem Maierhof. Doch das Weibchen, das sich auf dem Konventbau niedergelassen hat, dulde keine anderen Störche, hat der ZUK-Rektor beobachtet. Ungenutzt ist der Bau auf dem Maierhof aber nicht, denn ab und an sucht das Storchenmännchen ein wenig Abstand von seiner Partnerin. „Unsere Störchin ist sehr mürrisch und aggressiv“, grinst Geißinger. Aber nicht immer. Manchmal, wenn das Männchen zum Nest komme, mit Futter im Schnabel, massiere die Störchin sein Gefieder. An anderen Tagen aber schmeißt sie das Futter bei seiner Ankunft achtlos aus dem Nest. Dann komme es schon mal vor, dass der Storch das Weite sucht und auf dem Maierhof übernachtet. „Er hat es nicht leicht mit ihr“, ist Geißinger überzeugt. Doch so launisch das Weibchen auch ist, seinen Nachwuchs pflegt und hegt es vorbildlich. Jeden Nachmittag fliegt es zum Teich am Fuchsbichl hinüber und jagt Frösche für die Jungen. 

Ob die Storchenkinder durchkommen, vermag Geißinger nicht abzuschätzen: „So klein, wie die Jungen noch sind, würden sie etwa einen Hagel nicht überstehen.“ Auch könne bei Gewitter jederzeit ein Blitz einschlagen. „Sie sind im Grunde genommen ungeschützt“, sagt der Pater. Und auch sei es nicht ungewöhnlich, dass Storcheneltern Jungen aus dem Nest schubsen, wenn sie in der Entwicklung zu weit zurückliegen. „Lieber bringen sie ein Gesundes durch, als zwei, drei Schwache“, sagt Geißinger, schließlich wollen die Tiere ihre Art erhalten. 

Bis jetzt kann man nur ein paar Schnabelbewegungen vom Boden aus beobachten, doch im Juli wird es dann spannend, dann werden die kleinen Störche allmählich flügge, „aber erst, wenn sich die Brustmuskulatur entwickelt hat und die Schlagfedern ausgebrochen sind“, erklärt der ZUK-Rektor. Doch von kleinen Flügeln ist bislang nichts zu sehen, nur das Schwingen der Eltern, welche ihren Nachwuchs vor allzu neugierigen Drohnen schützen. ra

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