Herz mit Infarkt

Einen Ort der Begegnung schaffen: das Projekt „wohnZimmer Rathauspassage“

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Wollen die Rathauspassage verändern, wie, wissen sie allerdings selbst noch nicht: Frank Magener, Katja Wippermann, Andreas Mittrowann, Ilka Heissig, Johannes Krause und Katrin Fügener (von links).

Penzberg – Eigentlich ist es ein alltägliches Bild für Katrin Fügener, Leiterin der Stadtbücherei. Eine ältere Dame oder ein Senior spaziert zu ihr in die Rathauspassage, nimmt sich eine Zeitung, setzt sich und nippt an einem Kaffee. Manchmal lesen sie nicht einmal, sondern wollen einfach in Gesellschaft sein. Ein Bild, das Fügener zeigt, dass das Projekt „wohnZimmer Rathauspassage“ gar nicht so falsch sein kann.

Im August vergangenen Jahres hatte sich die Stadtbücherei mit dem Konzept „wohnZimmer Rathauspassage“ um eine Förderung durch das Programm „hochdrei – Stadtbibliotheken verändern“ beworben. Mit Erfolg. 16 Projekte erhielten einen Zuschlag, zwei davon sind aus Bayern, eines aus Penzberg. Im Rahmen des Projektes soll die Rathauspassage, vermutlich der Bereich unter der Glaskuppel, aber das steht wie so vieles noch nicht fest, ein neuer Wirkungsort werden, ein Ort der Begegnung, der Kommunikation und Information, ein Ort, der alle Räume verbindet, ohne dass sie ihre Selbstständigkeit verlieren, ein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Klingt abstrakt, ist es auch. Zumindest noch. Zahlreiche Workshops sollen das ändern und die Gedanken um einen visionären Ort mitten in der Rathaus­passage konkretisieren. Gedanken machen sich dabei Katrin Fügenerer und ihre Stellvertreterin Ilka Heissig sowie Katja Wippermann, Leiterin der Volkshochschule. Die Stadtbücherei und die Vhs, zwei der Institutionen, die in der Passage zu finden sind. Doch die Damen sind nicht allein, Moderatoren stehen ihnen zur Seite. Der Berater und Diplombibliothekar Andreas Mittrowann aus Recklinghausen etwa kümmert sich um das Strategische, der Rosenheimer Innenarchitekt Frank Magener um die räumliche Umsetzung und der Penzberger Johannes Krause um die Bürgerbeteiligung. Einen ersten Workshop absolvierte die Gruppe bereits, und kam dabei nicht über das Abstrakte hinaus, über eine gemeinsame Analyse. Das Ergebnis der Suche nach Ausrichtung und Inhalt ist nun eine „Light-Version, ein inhaltlicher Zellkern“, so Mittrowann, der Bibliotheken berät, die zukunftsfest werden wollen. Und so wurde über Penz­berg als prosperierende Stadt gesprochen, über den demografischen Wandel, Vereinsamung oder auch Digitalisierung, eben Themen, welche die Stadtbücherei betreffen, aber auch die Vhs und letztlich den Ort, der inmitten der Passage geschaffen werden soll. Und der eigentlich das Herz des Gebäudes sein sollte, so Frank Magener, der Innenarchitekt, der bereits die Stadtbücherei gestaltete. Doch das Herz „hat einen Infarkt“, meint Fügener. Um diesen zu behandeln, hat der Innenarchitekt bereits ein paar Ideen, der Ort der Begegnung solle das Zen­trum der Passage werden und da biete sich der Bereich unter der Glaskuppel an. Die Räume drumherum sollen sich zu diesem öffnen und zugleich auch für sich stehen können, wie in einem „Baukastensystem“. Die Bezeichnung „wohnZimmer Rathaus­passage“ ist da vorerst ein Arbeitstitel. Auch soll mehr Leben einkehren, findet Fügener, „da passiert zu wenig“. Konkret werden aber beide nicht, vielleicht auch, weil bis Ende 2021 noch ein paar Workshops anstehen, heuer im Oktober, wenn das StadtLesen nach Penzberg zurückkehrt, sollen aber die Penz­berger schon an dem Projekt beteiligt werden. Generell soll der Kreis der Involvierten Schritt für Schritt größer werden, Fügener vergleicht den Prozess mit einem Tropfen, der ins Wasser fällt und um den sich immer weiter werdende Kreise bilden. „Das Kickoff war der Tropfen“, erklärt Fügener ihre Metapher. 

Wie der nächste Kreis, also die Bürgerbeteiligung, genau aussieht, das steht noch nicht fest. Interviews und Befragungen könnte sich Fügener gut vorstellen, aber auch eine visuelle Meinungsabfrage, bei welcher Penz­berger ihre Vorstellungen einfach auf ein Blatt Papier malen. Doch auch digitale Möglichkeiten werden in Betracht gezogen. Die Büchereileiterin grinst breit, wenn sie sagt: „Wir dürfen frei spinnen“. Und sie grinst noch breiter, wenn sie daran denkt, dass der Prozess der Projektentwicklung dabei zu einem Großteil, zu 90 Prozent, von der Kulturstiftung des Bundes bezuschusst wird. 

Ebenso zu lächeln weiß Vhs-Leiterin Katja Wippermann, wenn sie daran denkt, was aus der Passage werden könnte. In ihren Augen müsste der Raum eine institutionsübergreifende und eine mentale wie räumliche Transformation erleben, mit welcher „alle Positionen zufrieden sind“. Denn vor Jahren wurde die Passage als Einkaufsgebäude errichtet, doch ein solches ist sie mittlerweile nicht mehr, zumindest machen nicht allein Läden das Gesamtbild aus. 

Ein Gesamtbild dessen, was das Projektteam plant, ergibt sich bislang also noch nicht. Ein Luftschloss errichte man aber nicht, stellt Fügener klar. Alle Beteiligten glauben an die Idee und ihre Realisierung. Und daran, dass sich die älteren Damen und betagten Herren, die auf der Suche nach Gesellschaft täglich in die Stadtbücherei kommen, in dem Wohnzimmer oder was auch immer aus der Rathauspassage wird, wohlfühlen werden. ra

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