Feuchte Tücher drücken aufs Gemüt

Abwasser und Hochwasser: Habach wird zur Kasse gebeten

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In ihrer jüngsten Sitzung beschäftigten sich die Habacher Gemeinderäte im Rathaus mit einem unangenehmen Thema: Ausgaben.

Habach – Eigentlich ist der Hinweis auf die Plastikverpackung gedruckt, doch wer setzt sich auf der Toilette schon mit der Anleitung zur Entsorgung von Feuchttüchern auseinander? Allem Anschein nach wenige. Zum Leidwesen der Gemeinde Habach, der feuchte Tücher eine Menge Ärger bereiten. 

Weißes Toi­lettenpapier segnet sein Zeitliches in der WC-Schüssel. So weit, so belanglos. Doch was für das von Rollen abgerissene Weiß gilt, das gilt scheinbar auch für Feuchttücher, und das obgleich auf den Verpackungen in der Regel der Hinweis prangt, dass diese im Abfalleimer zu landen haben. Dass die Tücher aber nur selten vorschriftsmäßig entsorgt werden, zeigt sich in Habach, wo sich die Gemeinde nun kostenintensiv dem Feuchtpapier geschlagen gibt. Nicht die einzige Ausgabe, die Bürgermeister Michael Strobl wurmt. 

Regelmäßig, alle drei bis vier Wochen, müssen die unterirdischen Tauchmotorpumpen, die das Abwasser von Dürnhausen und Habach nach Murnau befördern, aus dem Schacht ausgebaut und gereinigt werden. Denn immer wieder verstopfen sie. Der Grund: feuchtes Toilettenpapier. „Das kostet ein Heidengeld“, klagt Rathauschef Strobl. Und das schon seit Jahren. Selbst Aufklärungsmaßnahmen haben nichts an der Situation geändert. Nun zieht die Gemeinde Konsequenzen: Um sich künftig die teure Reinigungsprozedur zu ersparen und damit das „unappetitliche Problem“ zu beseitigen, so Strobl, beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Pumpen durch andere Modelle auszutauschen, welche die Feuchttücher zerkleinern können. Eigentlich „ärgerlich“, findet der Bürgermeister, da für rund 10.000 Euro funktionsfähige Pumpen ausgetauscht werden. 

Doch nicht allein die Probleme unterm Deckel der Klos beschäftigten die Gemeinderäte, sondern auch ein Problem, das von einem Deckel selbst verursacht wird. Die Abdeckung eines Abwasserschachtes, der in der Hofheimer Straße untergebracht ist, muss ersetzt werden. „Der Deckel hält dem Verkehr nicht mehr Stand“, sagt Strobl. Das Metall scheppert laut, sobald ein Auto oder ein Lastwagen darüber fährt. Dass nach 15 Jahren die Abdeckung ausgetauscht werden muss, empfindet der Rathauschef als zu früh, er vermutet, dass das Teil einst nicht korrekt eingesetzt wurde. Rund 17.000 Euro soll der neue Deckel nun kosten, was die Laune des Bürgermeisters nicht besser werden lässt. 

Nicht ganz so teuer, aber halt eine weitere Ausgabe, welche die Gemeinde belastet, sind die Vorplanungen zum Hochwasserschutz in dem überschwemmungsgebeutelten Dorf. Diese wurden vor einiger Zeit im Weilheimer Wasserwirtschaftsamt eingereicht und dort geprüft. Nun fordert das Amt „noch detailliertere Pläne“, klagt Strobl. Dabei füllen die derzeitigen Entwürfe „schon 300 Seiten“, seufzt der Bürgermeister. Die Folge: weitere 5.800 Euro muss Habach für die theoretische Realisierung des Hochwasserschutzes ausgeben, sodass die Gesamtkosten nun auf rund 116.00 Euro anwachsen. 

Für weitere Ausgaben könnten darüber hinaus Libellen sorgen: Weil am idyllischen Wiesleitenweiher das Wasser um rund 25 Zentimeter angestiegen ist, muss nun der Damm erhöht werden, und auch ein Notüberlauf soll errichtet werden. Den Pegelstand künstlich zu senken, kommt nämlich nicht in Frage, da sich eine seltene und streng geschützte Libellenart am Weiher äußerst wohlfühlt. Retensionsflächen, die das Wasser im Falle einer Überschwemmung von der nahegelegenen Bundesstraße abhalten, gibt es zwar, doch diese reichen nicht aus, nachdem ein Teil der Fläche „widerrechtlich“ von einem Unternehmen aufgefüllt worden ist, so Strobl. ra

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