Top-Wissenschaftler und Geldgeber

Kraftwerksprojekt in Penzberg: Doppelter Aderlass bei Marvel Fusion

Die Grafik zeigt ein Werk von Marvel Fusion, wie es im Penzberger Nonnenwald aussehen könnte.
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So könnte das Werk von Marvel Fusion in Penzberg aussehen.

Penzberg - Die Firma Marvel Fusion verliert einen Top-Wissenschaftler und einen bekannten Geldgeber. Das Unternehmen will im Nonnenwald an einem Fusionskraftwerk forschen.

Am kommenden Dienstag (26. Januar) will der Penzberger Stadtrat hinter verschlossener Tür über den Grundstücksverkauf des Nonnenwald-Areals an Marvel Fusion beraten. Auf dem Tisch liegt der Notarvertrag. Bekanntlich will das Münchner Start-up dort eine Forschungs- und Entwicklungsanlage für ein lasergestütztes Fusionskraftwerk errichten. Im Stadtrat gibt es jedoch kritische Stimmen, der Verkaufsbeschluss war lediglich mit einer 16:9-Mehrheit gefallen. Mit den jüngsten Veränderungen beim Unternehmen tauchen neue Fragen auf.

Laser-Experte geht

Der Firma ist vor allem einer der führenden wissenschaftlichen Köpfe abhanden gekommen. Prof. Dr. Markus Roth, Professor an der TU Darmstadt und ausgewiesener Experte für Laser- und Plasmaphysik, hat die Führungsebene von Marvel Fusion verlassen. Roth wurde bei der Präsentation im Stadtrat als „Chief Science Officer“ und Mitbegründer präsentiert. Marvel Fusion bestätigt den Weggang: Der Wissenschaftler „möchte sich künftig wieder mehr der universitären Forschung widmen“, teilt eine Firmensprecherin auf Anfrage mit. „ Deshalb haben die Parteien im besten Einvernehmen ihre Zusammenarbeit beendet.“ Wie Roth gegenüber der Rundschau erklärt, hat er die Geschäftsführung von Marvel Fusion bereits am 1. November vergangenen Jahres verlassen. Damit nicht genug: „Ich werde das Unternehmen zum 1.4.2021 verlassen“, so der Darmstädter Professor.

Klatten-Firma steigt aus

Zudem hat ein wichtiger Geldgeber Marvel Fusion verlassen. Das Unternehmen bestätigt, dass SKion, eine Beteiligungsgesellschaft der milliardenschweren Unter­nehmerin und BMW-Erbin Susanne Klatten, ausgestiegen ist. SKion entwickelt „renditeorientiert und wertebasiert“ industrielles Vermögen über Konjunktur-, Industrie- und Technologiezyklen hinweg, wie es in der Eigenwerbung heißt. Der Geldgeber „hat Marvel im Jahr 2020 als Minderheitsgesellschafter unterstützt bei der Entwicklung einer wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Fusionstechnologie“, heißt es von Marvel Fusion. „Ende 2020 trennten sich die Wege und das Beteiligungsverhältnis wurde aufgelöst“, teilt die Sprecherin mit. Mehr Informationen lässt man nicht heraus. „Über die Gründe wurde Vertraulichkeit vereinbart“, so SKion-Sprecher Jörg Appelhans. Man wünsche jedoch „Marvel, seinem Team und den Gesellschaftern alles Gute auf dem weiteren Weg“.

Klimabündnis mahnt zur Vorsicht

Die aktuelle Entwicklung bei Marvel Fusion hat das Penzberger Klimabündnis auf den Plan gerufen. Die „solide Basis“, die bei der Entscheidung für den Verkauf angeführt wurde, „besteht also vermutlich gar nicht mehr“, schreibt Konrad Kürzinger vom Bündnis per E-Mail an Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) und die Stadträte. Sollte Marvel Fusion trotz allem an seinen Penzberger Plänen festhalten, „müssen bei der Stadt Penzberg alle Alarmglocken schrillen“, warnt Kürzinger. In diesem Fall sei bei der Ausarbeitung des Notarvertrags „höchste Vorsicht und ein Höchstmaß an Absicherung“ geboten. Andreas Baar

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