Laut, aber nicht lauter

Kreisverkehr sorgt nicht für mehr Lärm, deshalb müssen die Anwohner aktiv werden

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Überraschende Erkenntnis: Ein Gutachten ergab, dass durch den Kreisverkehr mitten in Bad Heilbrunn die Lärmbelästigung nicht schlimmer geworden ist.

Bad Heilbrunn – Abbremsen, beschleunigen, abbremsen, beschleunigen: Fahrzeuge, die auf den Kreisel mitten in Bad Heilbrunn zufahren und aus diesem wieder hinausfahren, sorgen für ordentlich Lärm. Insgesamt hat der Lärm an der B 472 aber nicht zugenommen, glaubt man einem aktuellen Gutachten.

Die Anwohner an der B 472 in Bad Heilbrunn leiden unter enormem Verkehrslärm. Das Problem ist so akut, dass sich der Gemeinderat erstmals im vergangenen Herbst damit auseinandersetzte und ein Lärmgutachten in Auftrag gab, um verlässliche Daten zu erhalten. Darüber hinaus versprach sich vor allem Bürgermeister Thomas Gründl von der Studie eine Argumentationsbasis, um Zuschüsse für mögliche aktive wie passive Lärmschutzmaßnahmen beantragen zu können. Nun stellte Konrad Dinter, Geschäftsführer der Lärmschutzberatung Steger & Partner, die Ergebnisse der Untersuchung dem Gemeinderat vor – mit einem überraschenden Fazit.

Die Neugier war groß, als sich das Kommunalparlament nun abermals mit diesem Thema beschäftigte: Zahlreiche Bad Heilbrunner, vor allem jene, die entlang der Bundesstraße wohnen, waren gekommen, um die Ergebnisse des Lärmschutzgutachtens aus erster Hand zu erfahren. Mit überraschenden Werten und daraus folgenden Konsequenzen hielt Konrad Dinter deshalb auch nicht lange hinter dem Berg. Wie er ausführte, werden die Lärmgrenzwerte in erster Linie in Oberenzenau überschritten. „Im Grunde genommen betrifft es dort fast alle Gebäude, die direkt an der Bundesstraße liegen“, stellte Dinter fest. Aktive Lärmschutzmaßnahmen wie Schallschutzwände kommen für ihn jedoch nicht in Frage: „An keiner der Stellen sehe ich dafür eine Möglichkeit, denn die Häuser stehen einfach zu dicht an der Straße“, lautete das ernüchternde Resümee des Gutachters. Eine Lärmminderung sei nur durch bauliche Maßnahmen direkt an den Gebäuden wie zum Beispiel den Einbau von Lärmschutzfenstern zu erreichen. 

Ein weiterer Engpass befindet sich nach Dinters Erkenntnissen weiter östlich, hinter dem neuen Rewe-Markt. Hatte man vor gut zweieinhalb Jahren mit dem Kreisverkehr am Supermarkt für eine Verkehrsberuhigung sorgen wollen, scheint man mit dessen Errichtung fast das Gegenteil erreicht zu haben: Vor allem Menschen, die nahe dem Kreisverkehr an der Bundesstraße wohnen, fühlen sich zunehmend gestört. „Ich finde, dass sich der Lärm seither drastisch erhöht hat“, sagte ein Anwohner. Dinter räumte ein, dass der sogenannte Vorbeifahrpegel, also der Lärm, der durch das Abbremsen und vor allem Beschleunigen der Fahrzeuge nach dem Passieren des Kreisels entsteht, deutlich höher ist als der sogenannte Mittelungspegel. 

Östlich des Kreisverkehrs, am südlichen Straßenrand, könnte sich Dinter daher die Errichtung einer Lärmschutzwand vorstellen, vor allem, um das dahinter liegende Wohngebiet besser vor weiteren Belastungen zu schützen. Möglich sei auch, die Betoneinfassung der bestehenden Fußgängerunterführung als Fundament zu nutzen. Man müsse allerdings erst detaillierter prüfen, ob die Wand das Problem an diesem Standort wirklich löst. „Ob wir das untersuchen lassen, werden wir uns gut überlegen“, sagte Bürgermeister Gründl dazu. 

Tatsächlich aber habe die Prüfung gezeigt, dass der Verkehrslärm durch den Bau des Kreisverkehrs nicht zugenommen hat, erklärte Dinter. Das Niveau ist zwar hoch, und die Grenz­werte der Verkehrslärmschutzverordnung werden an den straßenzugewandten Fassaden der Wohnhäuser überschritten. Das war aber auch schon vor dem Bau des Kreisels der Fall. Genau deshalb ist der Bund auch nicht dazu verpflichtet, an dieser Stelle etwaige Lärmschutzmaßnahmen zu fördern.

Eine Antwort, die die betroffenen Anwohner mit Sicherheit nicht erwartet hatten. Gründl hakte nach: Dass die Bürger unter dem Lärm leiden, sei unstrittig, sagte er und wollte wissen: „Wie können wir als Gemeinde die betroffenen Anwohner unterstützen?“ Dinter meinte, dass nicht jede Förderung ausgeschlossen sei, jedoch müssten die Betroffenen selbst aktiv werden. „Sie können beim Staatlichen Bauamt versuchen, Zuschüsse für Lärmschutzmaßnahmen zu erwirken“, sagte der Experte. Rathauschef Gründl versprach, das Problem parallel selber anzugehen: „Ich werde dem Staatlichen Bauamt das Gutachten vorstellen und versuchen zu klären, ob es beispielsweise Fördermittel für Schallschutzfenster bei den betroffenen Gebäuden gibt.“ 

Die Untersuchung zum Lärmpegel an der B 472 brachte aber nicht nur wertvolle Erkenntnisse für die derzeitige Situation, sondern darüber hinaus auch mit Blick auf künftige Bauprojekte. So ist die Wiese südlich des Rewe-Marktes zur Bebauung vorgesehen, außerdem ist die Fläche nördlich der Fußgängerunterführung als Wohngebiet deklariert worden. Dinter empfahl, direkt an die Bundesstraße Mischgebäude mit entsprechender Höhe zu errichten und darauf zu achten, dass die dahinter liegenden reinen Wohnhäuser niedriger seien. „Das könnte schon helfen“, so der Experte. sg

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