Kritischer Wert überschritten

Landkreis Weilheim-Schongau ist Corona-Hotspot - das bedeutet Maskenpflicht und Sperrzeiten

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Region – Der Landkreis Weilheim-Schongau ist ein offizieller Corona-Hotspot. Am Montag, 19. Oktober,  hat es Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) bestätigt: Der Inzidenzwert liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) über der kritischen 50er-Marke. Stand Montag, 0 Uhr, betrug er 51,7. Per neuer Allgemeinverfügung gelten ab Dienstag, 0 Uhr, noch strengere Hygieneregeln.

Die Zahlen der positiv auf Corona getesteten Personen steigen weiterhin an. In den letzten sieben Tagen wurde der maßgebliche Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner mit 57,6 (Stand: 20. Oktober, 0 Uhr) überschritten. Seit Beginn der Pandemie steht die Corona-Ampel im Landkreis Weilheim-Schongau damit erstmals auf Rot.

Bisher 619 Fälle gemeldet

Bis Dienstag, 20. Oktober, wurden dem Gesundheitsamt Weilheim bisher 619 Personen mit einem positiven Test auf Covid-19 gemeldet. Davon sind laut Landratsamt 499 Fälle wieder genesen, drei Personen sind verstorben. Aktuell befinden sich 117 positiv getestete Personen in Quarantäne. Außerdem sind "einige hundert Kontaktpersonen" ebenfalls in Quarantäne, teilt die Kreisbehörde mit.

Zwei Fälle auf Intensivstation

Wie Landrätin Jochner-Weiß in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Montag, 19. Oktober, mitteilte, ist der Krankheitsverlauf bei vielen Betroffenen jedoch nicht so schlimm wie am Anfang der Pandemie. Daher sei die Lage bei der landkreiseigenen Krankenhaus GmbH mit ihren zwei Kliniken in Weilheim und Schongau noch überschaubar. Wie Geschäftsführer Thomas Lippmann am Dienstag, 20. Oktober, der Rundschau sagte, liegen in Weilheim zwei Fälle (70 und 77 Jahre) auf der Intensivstation, beide müssten nicht beatmet werden. Auf der Isolierstation befinden sich drei Fälle (94, 75 und 73 Jahre). In Schongau wurden gestern keine Covid-Patienten intensiv betreut, auf der Isolierstation lagen vier Kranke (75, 68, 89 und 79 Jahre). 

Keine Patienten in Penzberg

Im Klinikum Penzberg ist man ebenfalls auf neue Corona-Fälle vorbereitet. Prinzipiell werden sieben Betten auf der Normalstation in einem isolierten Bereich vorgehalten. Dies teilt Stefen Berger, Pressesprecher des Eigentümers Starnberger Kliniken, auf Rundschau-Nachfrage mit. Zusätzlich sind zwei Betten auf der Intensivstation als Notfallreserve gedacht. Bis Redaktionsschluss am 20. Oktober, nachmittags, gab es im Penzberger Krankenhaus keine Corona-Patienten. 

Stress im Gesundheitsamt

Während die Krankenhäuser von der zweiten Welle relativ verschont bleiben, wird im Gesundheitsamt auf Hochtouren gearbeitet. Wie Arzt Paul Griener berichtete, sei man „in Anbetracht der schieren Masse“ teilweise mit Testungen im Verzug. Man generiere aus anderen Abteilungen des Landratsamts Personal. Laut Landrätin Jochner-Weiß ist ein Antrag in die Wege geleitet, um bei der Nachverfolgung Unterstützung von Polizei und Bundeswehr zu bekommen. Nach einem Betreiber, der bei Bedarf eine zweite Teststation im Landkreis eröffnen könnte, sei man auch auf der Suche. Vom Staatsministerium wurden derweil „automatische Beschränkungen“ für Hotspot-Regionen festgelegt. Der Landkreis hat „besondere Regelungen“ für seinen Bedarf fixiert, so Landratsamtssprecher Hans Rehbehn – so für Plätze und Schulen. Die Allgemeinverfügung gilt bis auf Weiteres. Fällt der RKI-Wert unter 50, werden die schärferen Regeln nach einer gewissen Zeit aufgehoben.

Neue Allgemeinverfügung

„Es liegt an uns allen, was daraus wird“: Landrätin Andrea Jochner-Weiß hofft, dass die Bürger die aktuellen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie ernst nehmen. Angesichts eines RKI-Werts über 50 gilt seit Dienstag, 0 Uhr, bis auf Weiteres eine neue, strengere Allgemeinverfügung (www.weilheim-schongau.de/aktuelle-regelungen-fuer-den-land kreis/) von Staatsregierung und Landratsamt. 

Maskenpflicht in Schulen

Eine der größten Einschränkungen trifft Schüler und Lehrer. Sie müssen nun alle, unabhängig von der Jahrgangsstufe, eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Und zwar auch am Platz. In Kindertagesstätten gilt indes keine Maskenpflicht, wie die Landrätin beim Pressetermin erklärte. Jedoch dürften Kinder mit Erkältungssymptomen nicht mehr in die Einrichtung gebracht werden. Erst nach einem negativen Test können Eltern ihren Nachwuchs wieder in Obhut geben. Was private Feiern oder Treffen angeht wurden die Regeln nochmals verschärft. Nur noch fünf Personen dürfen sich treffen, beziehungsweise zwei Hausstände. „Das ist so eine Sache, wie man das auslegt“, so Jochner-Weiß bei der Pressekonferenz über die Hausstände. Im Moment gehe es um Menschen, die zusammen leben. Familiengrade würden keine Rolle spielen. 

Die Personengrenze betrifft auch die Gastronomie. Für diese gilt zudem eine Sperrstunde von 22 bis 6 Uhr. Selbiges trifft für den Verkauf von Alkohol an Tankstellen zu. Der Konsum von Alkohol soll laut Staatsministerium „auf (...) stark frequentierten öffentlichen Plätzen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr“ untersagt werden. Jochner-Weiß erklärte, dass es im Landkreis noch keine Brennpunkte gebe. Daher sei ein Alkoholverbot auf bestimmten Plätzen derzeit nicht notwendig.

Theater und Kino erlaubt

Veranstaltungen wie Tagungen, Kongresse, Theateraufführungen oder Kinovorstellungen dürfen stattfinden. Hier gilt 1,5 Meter Abstand und Maskenpflicht. Letztere gilt ab sofort auch am Arbeitsplatz, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann oder auf Begegnungsflächen wie Fahrstuhl, Flur, Kantine und Eingang. An öffentlichen Plätzen gilt derzeit nur eine Maskenpflicht, wenn dort ein Markt stattfindet. Neu ist jedoch, dass jeder, der sich auf diesem Areal aufhält, einen Schutz tragen muss. Auch, wenn er dort nicht einkauft. Das betrifft in Penzberg den Wochenmarkt jeden Donnerstag auf dem Stadtplatz. 

Warten auf besseren Wert

Wie lange die verschärften Regeln gelten, ist nicht absehbar. Wie Georg Leis, Geschäftsleiter am Landratsamt, erläuterte, hänge das von den Inzidenzwerten ab, die das RKI und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bekannt geben. Erst wenn der Wert sechs Tage lang unter 50 liegt, wird der Landkreis auf die gelbe oder sogar grüne Liste gesetzt. Am Tag darauf werden die Maßnahmen aufgehoben. Allerdings sagt das Staatsministerium: „Kommt der Anstieg der Infektionszahlen nicht spätestens binnen zehn Tagen zum Stillstand, sind weitere gezielte Beschränkungen unvermeidlich, um öffentliche Kontakte weitergehend zu reduzieren.“

Regeln in Kliniken

Derweil gelten in den Krankenhäusern neue Besuchsregeln. So sind in den Kliniken der Krankenhaus GmbH in Weilheim und Schongau Besuche täglich von 14 bis 18 Uhr in ausgewiesenen Zonen möglich. Laut Sprecherin Isa Berndt gilt eine Maskenpflicht für Patienten und Besucher. Im Klinikum Penzberg ist die Besuchszeit täglich auf 10 bis 16 Uhr beschränkt. Patienten mit Verdacht oder bestätigter Covid-19-Erkrankung dürfen nicht besucht werden. 

In Weilheim läuft der Betrieb der Teststation der Krankenhaus GmbH auf dem Volksfestplatz normal weiter. Testzeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr. Anmeldung (Montag bis Freitag 15 -18 Uhr): Tel. 0881/188-188 oder online auf https://meinkrankenhaus2030.de/gv/. In Penzberg wurde in der letzten Corona-Welle eine Teststation von zwei heimischen Ärzten auf der Berghalde betrieben. Ob es diese wieder gibt, ist unklar. Die Starnberger Kliniken verweisen asymptomatische Patienten ohne erkennbare Symptome auf Weilheimer Testmöglichkeit, so Sprecher Stefan Berger auf Rundschau-Nachfrage. „Unsere Mitarbeiter testen wir selbst“, teilt er mit. 

Stephanie Novy

Andreas Baar

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