Ein Leben für die Vergangenheit

Er brachte Licht in Penzbergs Bergbaugeschichte: Michael Mayr ist im Alter von 85 Jahren verstorben

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Ließ das Grubenlicht nie wirklich los: Michael Mayr hielt mit viel Leidenschaft die Erinnerung an Penzbergs Vergangenheit aufrecht.
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Ließ das Grubenlicht nie wirklich los: Michael Mayr hielt mit viel Leidenschaft die Erinnerung an Penzbergs Vergangenheit aufrecht.

Penzberg – Penzberg muss Abschied nehmen von Michael Mayr, der am vergangenen Sonntag im Alter von 85 Jahren verstarb. 

Fast jeder Penzberger kennt die Bilder in nostalgischem Schwarzweiß: Männer, gezeichnet von harter Arbeit, mit Ruß im Gesicht, an den Händen, auf der Kleidung. Wer die Fotografien betrachtet, auf denen Kumpel im Penzberger Bergwerk arbeiten, schweißgebadet, in mäßig aufgehellter Dunkelheit und auf engem Raum, der erblickt unter den Männern früher oder später Michael Mayr. Jahrelang arbeitete der Hauer, Steiger und Berg­bauingenieur unter Tage, eine Zeit, aus der er auch noch viele Jahre nach der Schließung des Bergwerks im Jahr 1966 zu berichten wusste. Mayr hielt die Vergangenheit Penzbergs am Leben, rettete sie vor der Vergessenheit. Am vergangenen Sonntag verstarb der 85-Jährige und bleibt nun selbst unvergessen. 

Rund eineinhalb Jahre ist es her, da saß Michael Mayr in seinem schwarzen Kittel im kleinen Saal der Stadthalle. Um ihn herum viele Besucher, die allein seinetwegen gekommen waren. Alle Augen waren auf den Mann gerichtet, der noch so viel zu erzählen wusste von der Zeit, als Penzberg noch eine Berg­arbeiterstadt war. In Tagebüchern hielt er seine Erlebnisse fest. Ein großes Glück, denn so konnte er nun aus seinem Buch „Vom Koistadlbua zur Grubenaufsicht – Ein Penzberger Bergmann erinnert sich“ ganz persönlich von längst Vergangenem, seinem Werdegang unter Tage, berichten, nüchtern, aber dennoch bewegend. Mayr erlebte nicht nur die mühevolle und gefahrenreiche Bergwerksarbeit, er schien auch für sie zu leben. Umso härter traf ihn die Schließung der Grube vor 54 Jahren. Auf einmal waren die Tage unter Tage gezählt. Der Bergmann, der im Alter von 14 Jahren seine erste Schicht als Berg­lehrling gefahren und damit in die Fußstapfen von Urgroßvater, Großvater und Vater getreten war, musste sich eine neue Arbeit suchen. „Doch das mussten wir alle“, sagte Mayr damals bei der Buchvorstellung ohne jegliches Pathos. Und da wurde klar, dass er noch immer das besitzt und schätzt, was einen Knappen auszeichnet: den Gemeinschaftsgedanken und die Verbundenheit in treuer Kameradschaft. 

Mayr, der nicht nur unter Tage an seinem beruflichen Vorankommen gearbeitet, sondern auch über Tage ein Studium zum Diplomingenieur absolviert hatte, fand eine Anstellung als Bauingenieur. Den Bergbau wollte er aber nicht in Vergessenheit geraten lassen und gründete den Penzberger Bergknappenverein mit. 1991 ging Mayr in den Ruhestand, doch ruhig blieb er nicht. Er verschrieb sich mit großer Passion dem Erinnern an die Berg­baugeschichte. Er engagierte sich ehrenamtlich im Stadtarchiv, konzipierte den Bergbaurundweg in Penzberg und machte sich um das Bergwerksmuseum der Stadt verdient, indem er zahlreiche originale Werkzeuge auftrieb. Werkzeuge, die normalerweise unter Tage zurückgelassen oder über Tage verschrottet worden wären. Doch Mayr fand sie, weil er die Vergangenheit nicht losließ, die ihm so viel bedeutete. ra

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