Im ehemaligen Penny in Kochel wird künftig Hundefutter hergestellt, was nicht alle freut

Gekocht wird in der Dose

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Vor gut drei Jahren schloss der Discounter Penny hier seine Tore. Nun soll in dem Gebäude Hundefutter hergestellt werden, was bei Nachbarn Besorgnis über eine mögliche Lärm- und Geruchsbelästigung auslöst.

Kochel – Die Regale bestückt mit Obst, Gemüse und Gebäck, das Kühlfach gefüllt mit Milchprodukten und Wurstwaren. Wo vor wenigen Jahren all das angeboten wurde, was der Mensch zum Leben braucht, soll bald all das hergestellt werden, was der Hund zum Leben braucht, dort am Friedzaunweg in Kochel.

Vor gut drei Jahren zog der Penny-Markt aus dem Gebäude am Kocheler Friedzaunweg aus. Seitdem gab es von Seiten des neuen Eigentümers verschiedene Pläne zur Nachnutzung der Halle. Nun wurde eine Nutzungsänderung von einem Einzelhandelsgeschäft in eine Produktions- und Lagerhalle für die „Loisachtaler Hundenaturkost“ beantragt und vom Gemeinderat auch positiv beschieden. Weil das Rücksichtnahmegebot auf der als Mischgebiet ausgewiesenen Fläche gewahrt ist und die beantragten Nutzungen bereits von benachbarten Betrieben ausgeübt werden, ist das Vorhaben grundsätzlich zulässig. Zu diesem Ergebnis kam der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung und erteilte dem Antrag auf Nutzungsänderung einstimmig das gemeindliche Einvernehmen. Ob die Herstellung von Hundefutter mit Lärm- und Geruchsbelästigungen einhergeht, stand dabei nicht zur Debatte. Dies zu prüfen, ist Aufgabe des Landratsamtes. 

Im Vorfeld war im Rathaus das Schreiben eines Nachbarn eingegangen, in dem dieser seine Besorgnis bezüglich möglicher Lärm- und Geruchsbelästigungen mitteilte. Auch zu Beginn der Sitzung hatte Ralf Burmeister jede Menge Fragen. In welche Richtung die Ventilatoren ausgerichtet sind, ob Dämpfe entstehen, wohin das Abwasser fließt und ob mit Schichtbetrieb der Dosenbefüllungsanlage sowie Anlieferung gerechnet werden muss, konnte Bürgermeister Thomas Holz jedoch nicht beantworten. „Das sind alles Mutmaßungen“, entgegnete er und stellte klar, dass es nicht Aufgabe des Gemeinderats sei, diese Aspekte zu prüfen. Dies falle in den Kompetenzbereich der Unteren Bauaufsicht und des dort angesiedelten Immissionsschutzes. „Wir weisen das Landratsamt aber explizit auf die Thematik hin“, versprach Holz. Dort dürfte man ohnehin schon sensibilisiert sein, da Ralf Burmeister seine Bedenken auch bei der übergeordneten Behörde platziert hat. Gemeinderat Jens Müller (UWK) zeigte Verständnis für die Befürchtungen der Nachbarn. „Der Leidensweg ist nicht unbedeutend“, erklärte er und verwies auf den Bahnlärm und die intensive Geräuschkulisse zu Zeiten des Penny-Marktes. 

Hinter der „Loisachtaler Hundenaturkost“ steht ein Familienbetrieb aus Benediktbeuern. Die Familie Ketterl betreibt dort schon seit Jahren eine Hundepension und entwickelte nach intensiver Auseinandersetzung mit gesundem Tierfutter ihre Geschäftsidee, hochwertige Hundekost aus rein natürlichen Zutaten ohne jegliche chemischen Zusätze selbst herzustellen. Bislang lassen die Ketterls das Futter in einem externen Betrieb produzieren und vertreiben es über zwei Dutzend Händler im Großraum München. In Zukunft wollen die Benediktbeurer , die das ehemalige Einzelhandelsgebäude bereits als Lager nutzen, aber die Herstellung in eigene Hände nehmen. 

Sobald das Landratsamt seine Zustimmung erteilt, werden die Produktionsanlagen aufgestellt und in Betrieb genommen. Dass es zu Belästigungen durch Lärm oder Geruch kommen könnte, schließen die Betreiber aus. „Wir verwenden keine Schlachtabfälle, sondern ausschließlich schlachtfrisches Fleisch, das auch für die menschliche Ernährung zugelassen ist“, heißt es in einer Stellungnahme. Da das Fleisch zuerst in Dosen abgefüllt, diese verschlossen und dann erst gekocht werden, entstehe nicht der befürchtete Gestank, heißt es weiter. Zudem werden die Lieferwagen im Gebäudeinnern beladen, weshalb auch kein nennenswerter Lärm entstehen dürfte. cw

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