Der Bürgerkönig

Penzbergs dritter Bürgermeister Ludwig Schmuck feiert seinen 70. Geburtstag

Ein Mann, der Penzberg geprägt hat: Ludwig Schmuck.

Penzberg –  Wenn sich einer mit knapp siebzig auf ein Klappbrett setzt, einzig mit dem Ziel, postwendend mit Trachtenhemd in einem Bottich voller Wasser verschwinden zu müssen, um damit dem Volk einen Spaß zu bereiten und einen guten Zweck zu unterstützen, dann sagt das viel über einen Menschen aus.

Noch dazu über einen, der in der Repräsentanz der Stadt an dritter Stelle steht und alleine schon deshalb, aber auch wegen seines Alters, solchen Unfug eigentlich nicht mehr nötig hätte. Doch Ludwig Schmuck setzte sich hin, plumpste unmittelbar darauf in die Fluten und tauchte alsbald triefend wieder auf. Am ges­trigen Freitag feierte er seinen 70. Geburtstag, natürlich in der „Schönen Aussicht“, seinem Lieblingslokal, und natürlich mit allem, was in Penzberg Rang und Namen hat. 

Beim Stadtfest im Juli trug sich die Szene mit dem Wasserbottich zu. Dass da der dritte Bürgermeister gerade versenkt wurde, hätte einer, der Schmuck nicht kennt, kaum für möglich gehalten. Die Nummern eins und zwei der Stadt standen daneben und lächelten versonnen, aber ernsthaft hätte sich niemand vorstellen können, dass diese beiden auf das Klappbrett geklettert wären. Aber Schmuck ist halt Schmuck, beim Starkbieranstich auch schon mal als Winke-Wiggerl verspottet, weil er jeden, der sich auf Penzbergs Straßen fortbewegt, grüßt. Man tritt ihm nicht zu nahe, wenn man Schmuck, einen bunten Hund nennt, ein Unikat, einen, der sich von nichts und niemandem domestizieren lässt, nur von der Bürgermeisterin. Seit 1990 sitzt er für die CSU im Stadtrat, vor 18 Jahren wollte er mal Bürgermeister werden, was dann aber Hans Mummert blieb, worüber Schmuck gar nicht mal so unglücklich war. Der Stimmenkönig der Christsozialen, der stolz ist auf seine Fotos mit Stoiber, Seehofer, Söder, war nie ein schwarzer Kommisskopf, sondern hat bis heute ein Herz, das sehr rot schlägt, was ihn für die eigenen Leute häufig unberechenbar macht, von der SPD aber natürlich nicht ungern gesehen wird. Ludwig Schmuck ist aber auch der Mann vom Roten Kreuz, der 37 Jahre lang mit Blaulicht unterwegs war und die Penzberger Bereitschaft als deren Leiter nachhaltig geprägt hat. Der gelernte Maurer hat seine Erfüllung nicht auf der Baustelle, sondern im Dienst an anderen gefunden. Schmuck ist ein leidenschaftlicher Fürsprecher für ältere Menschen, der beinahe täglich im Seniorenzentrum vorbeischaut, und er ist ein begnadeter Gratulant, der bei jeder Goldenen Hochzeit mit am Tisch sitzt. Bürgermeisterin Elke Zehetner nennt ihn ebenso kurz wie zutreffend einen „Bürgerkönig“. 

Irgendwie hat man das Gefühl, dass er schon da war, ehe es Penzberg gab. Ohne ihn ist diese Stadt jedenfalls kaum vorstellbar, auch wenn er leidenschaftlich lospoltert und bellt, sobald einer etwas sagt, was ihm nicht passt. Böse kann ihm trotzdem keiner sein, und auch er ist keinem lange böse. Das hat nicht mal Kerstin Engel von den Grünen geschafft. Und bei der bellt Ludwig Schmuck besonders gerne. la

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