Der Duft von Nantesbuch

Sieben internationale Künstler und Wissenschaftler trafen sich zur Smell-Masterclass

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Die Fähigkeit zur Orientierung trainiert: Sissel Toolas (rechts) zeigte den Teilnehmern der Masterclass die Faszination der Gerüche in der freien Natur.

Bad Heilbrunn – Wer sich zur erlesenen Gilde der Weinkenner zählen darf, der weiß, dass die Nase bei der Beschreibung und Beurteilung des edlen Tropfens viel mehr gefragt ist als der Gaumen. Betört einen der Wein mit Zitrusaromen oder Anklängen von Vanille und dunkle Beeren, dann sendet die Nase diese Informationen ans Gehirn. „Wenn du einmal etwas gerochen hast, dann vergisst du das nicht mehr. Die Erinnerung bleibt“, sagt Sissel Toolas. Die norwegische Künstlerin und Geruchsforscherin leitete nun in der Stiftung Nantesbuch einen Workshop, bei dem sich internationale Künstler eine ganze Woche lang der Nase, den Sinneseindrücken, welche mit Geruch einhergehen, und den komplexen Zusammenhängen in der Natur widmeten.

Stand im vergangenen Jahr der Sound im Mittelpunkt der damals ersten Masterclass, so stand nun, bei der zweiten Auflage das Thema „Smell“, also das Riechen, im Mittelpunkt. Neben dem Duft von frisch geschnittenem Holz, den das Lange Haus im Inneren verströmt, erhaschte man hier eine Prise frisches Gras und dort den etwas modrigen Geruch von Erde, der im Raum schwebte. Auf dem Tisch verteilt lagen mittig teilbare Kunststoffkugeln, die selbst gesammelte Duftproben der Teilnehmer enthielten. 

Gebannt lauschten die sechs Künstler, Entymologen und Umweltwissenschaftler aus Deutschland, Finnland, den Niederlanden, den USA und der Schweiz den Ausführungen von Sissel Toolas, die mit ansteckender Begeisterung den Forschergeist der Teilnehmer weckte. „Begibt man sich auf die Reise der Gerüche, weiß man nie, wo man letztendlich landet. Es gibt immer eine Aktion, darauf folgt eine Reaktion, welche eine Auswirkung hat“, erklärte die 59-Jährige, die seit den Neunzigerjahren mit den Mitteln der Kunst, des Designs und verschiedener Wissenschaftsdisziplinen zum Thema Gerüche arbeitet. Dabei hat sie unter anderem ein Geruchsarchiv mit über 7.000 verschiedenen Proben aufgebaut. Seit 2004 führt sie das „Smell Research Lab Berlin“. 

Schon immer habe sie das Unsichtbare, wie die Luft, der Wind und eben der Geruch fasziniert, sagte Toolas. Und so stand im Mittelpunkt des interdisziplinären Austausches vor allem die Frage, wie Gerüche das Zusammenspiel zwischen Natur- und Tierwelt beeinflussen. „Geruchsmoleküle fungieren als Kommunikationsschnittstelle zwischen einzelner Spezies, zwischen verschiedenen Lebewesen und ebenso zwischen Pflanze, Tier, Mensch und Mikroorganismus“, so Toolas. Bei Exkursionen in die Umgebung von Nantesbuch trainierten die Teilnehmer ihre Geruchswahrnehmung sowie ihre Fähigkeit zur Orientierung und versuchten mit gezielten Manipulationen von Geruchsinformationen, etwa bei Bienen und Ameisen, auf ökologische Interaktionen einzuwirken. au

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