Umweltbewusste Gartler

Mehr Abstand zum Moor: Freizeitgärten am Penzberger Breitfilz bekommen Bebauungsplan

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Vereinschef der Breitfilzer: Paul Hattemer mit dem Entwurf des Bebauungsplans.
  • Andreas Baar
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Penzberg – Für die Schrebergartenanlage am Breitfilz stellt die Stadt Penzberg einen Bebauungsplan auf. Den Beschluss fasste der Bauausschuss einstimmig. Doch das Genehmigungsverfahren ist alles andere als sicher – Grund ist der Schutz der angrenzenden Moorflächen.

Paul Hattemer saß Anfang des Jahres voller Optimismus auf der Veranda seiner Hütte in der Breitfilz-Anlage. Der Vorsitzende des Vereins „Freizeitgärten Breitfilz“, seit September 2020 offiziell registriert, legte einen großen Plan auf den Tisch. Es war der Entwurf des Münchner Architekturbüros von Angerer für einen Bebauungsplan für das rund 13 Hektar große Areal. Wie berichtet, soll dieser die Grundlage für den weiteren Betrieb der Schrebergartenanlage schaffen – inklusive der bereits erfolgten Brandschutzplanungen und der Vereinsgründung. Seit dem Jahr 2019 hängt über der beliebten Anlage vom Landratsamt ausgesprochenes Nutzungsverbot, begründet mit fehlenden Rechtsgrundlagen. Hattemer setzt deshalb große Hoffnungen auf den Bebauungsplan. Circa 300 Parzellen sollen es werden, wobei die Zahl unklar sei. Doch der Vereinschef räumte an diesem Tag angesichts der notwendigen Ausgleichsmaßnahmen wegen des Moorgebiets ein: „Es gibt noch einige Unwägbarkeiten.“

Anlage verkleinern

Hattemer sollte Recht behalten, wie sich kurz darauf im Bauausschuss zeigte. Auf dem Tisch lag der Bebauungsplanentwurf der Stadtplaner. Und es zeigte sich: Damit die Genehmigungsbehörden mitspielen, muss der bisherige Umfang der Anlage abgespeckt werden. Konkret geht es um Randbereich hin zum angrenzenden Moorgebiet. Architekt Eberhard von Angerer sprach denn auch von „Konfliktpotential“ mit dem Naturschutz. Die Weilheimer Landschaftsarchitektin Johanna Vogl gar von einem „sensiblen Gebiet“, das vollständig auf dem Moorkörper des Breitfilzes liege. Ziel müsse es sein, „Pufferzonen“ zwischen dem intakten Moor und der Gartennutzung zu schaffen. Aus diesem Grund gelte es, Gartenparzellen zurückzunehmen, machte die Expertin deutlich. Zudem gebe es einen „ziemlich hohen Ausgleichsbedarf“, weil neue Erschließungsflächen für Wege, Parkplätze, Gärten und ein gewünschtes Vereinsheim nötig seien. Vogl sieht sonst Probleme für das Genehmigungsverfahren, das war ihren Worten zu entnehmen. Worte, die bei den anwesenden Vereinsmitgliedern nicht unbedingt auf Wohlgefallen stießen. Vereinschef Hattemer warb für die „einmalige Anlage“, der Bedarf an Parzellen werde nicht weniger. „Es ist nicht das Ziel des Vereins, uns künstlich zu verkleinern“, kritisierte er die Planer. Und überhaupt: Der Verein könne nichts dafür, dass die Situation so verfahren sei. Das Problem dürfe „nicht auf dem Rücken“ einzelner Pächter gelöst werden, verlangte der Vorsitzende.

Die Wege in der Anlage sollen ausgebaut werden, damit Rettungsdienst und Feuerwehr durchkommen.

„Großes Naturthema“

„Die Breitfilzer kann man nicht vom Hof jagen“, bekam Hattemer zumindest moralische Unterstützung von Sebastian Fügener (Grüne). Fügener mahnte jedoch auch an, dass die Randgebiete schützenswert seien. Gerade Hochmoore „sind ein großes Naturthema“, mahnte der Grünen-Stadtrat. Das Breitfilz sei „ein Alleinstellungsmerkmal von Penzberg“, sah Martin Janner (PM) den gleichen Schutzbedarf. Janner hatte keine Bedenken wegen einer Verkleinerung des Areals: „Es sind nicht viele Parzellen, die betroffen sind.“ Fürsprecher fanden die Gartler in Ludwig Schmuck (CSU): Er sei dafür, „dass sie draußen bleiben im Breitfilz“, so der langgediente Penzberger Stadtrat. Auch für Martin Jabs (BfP) ist es wichtig, „dass der Bestand gesichert wird“, allerdings sollte die Stadt für das Genehmigungsverfahren lieber gleich die strittigen Punkte im Bebauungsplan entschärfen. „Das ist ein Kampf gegen Windmühlen“, warnte Jabs vor unnötigen Auseinandersetzungen mit den Behörden. Maria Probst (CSU) sprach sich dafür aus, den Status Quo zu erhalten und auf eine Ausweitung des Areals zu verzichten. Am Ende brachte der Ausschuss das Planverfahren einstimmig auf den Weg. Ein sensibles Birkenwäldchen wird aus dem Geltungsbereich des Bebauungsplans ausgeklammert und erhalten. Für die von der Streichung betroffene Parzellen am Rand soll es zumindest keinen Pächterwechsel mehr geben. Die Stadt fragt außerdem die jetzigen Nutzer, ob sie auf ein anderes Grundstück umziehen möchten. Zugleich werden die Kosten für die Ausgleichsflächen abgeklärt, danach hatte Hardi Lenk (SPD) gefragt. Ein Kostenansatz liegt schon im groben Zügen vor: Der notwendige Wegeausbau in der Anlage für Rettungsdienst und Feuerwehr wird derzeit mit rund 270.000 Euro angesetzt, wie Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) im Bauausschuss erklärte. „Wir sind im Rahmen.“ Was noch ansteht sind die Bohrungen für eine künftige Brunnenanlage, damit soll die Versorgung der Anlage gerade mit Löschwasser sichergestellt sein. Gebohrt wird wohl noch im Februar, erwartet Vereinschef Hattemer. Der Vorsitzende hofft auf positive Ergebnisse: Ein Brunnen relativ mittig in der Anlage wäre „das idealste“, sagt er. Während die Anzahl der Parzellen noch unklar ist, sind die künftigen Größen festgelegt: Der Bauausschuss verständigte sich darauf, die Grundstücke auf 200 bis 500 Quadratmeter zu dimensionieren. Zulässig sind gemäß den Festsetzungen des künftigen Bebauungsplans dann nur Gartenhütten und keine dauerhafte Nutzung. Jeweils 20 bis 25 Quadratmeter Grünfläche um die Hütte wäre erlaubt. Es soll auch eine neue Nummerierung geben, wie der Vereinschef ankündigt. Hattemer: „Die jetzige ist nur was für Spezialisten.“

Verein in Startlöchern

Das Planverfahren ist jetzt gestartet, der Verein jedenfalls steht schon in den Startlöchern. Der Vorsitzende ist optimistisch, dass der Bebauungsplan „bis spätestens Jahresende über die Bühne ist“. Bis dahin soll auch ein Pachtvertrag des Vereins mit der Stadt auf dem Tisch liegen. Das alles nach dem Durcheinander und Ärger der vergangenen Jahre wieder seine Ordnung bekommt, ist ganz im Sinn von Paul Hattemer. Der Vereinschef macht klar: „Wir sind interessiert am Umweltbewusstsein.“ Die Umwelt zu bewahren und zu schützen sei ihnen bei ihrem Engagement für die Breitfilz-Freizeitanlage wichtig. „Unser Bemühen ist darauf ausgerichtet.“ Andreas Baar

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