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Tourismus-Boom in Kochel hält an, eine Sorge aber gibt es

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„Also, Ilse, jetzt sei mal ehrlich! Bei uns ist es doch am schönsten, oder?“ Bürgermeister Thomas Holz erklärt der Landtagspräsidentin Aigner, warum die Gemeinde Kochel einen touristischen Rekord nach dem anderen knackt.

Kochel – Die Gemeinde Kochel kann sich beim Blick auf die Tourismuszahlen eigentlich nicht beklagen: 2018 konnte sie mehr Übernachtungen und mehr Gästeankünfte verzeichnen. Der Blick auf die Aufenthaltsdauer der Urlauber und auf den Trend zur Spontanität dürfte dagegen weniger erfreulich sein.

Ungebrochen ist der Rekordkurs, auf dem sich die Gemeinde Kochel mit ihren touristischen Zahlen befindet. Bereits seit vier Jahren kann Bürgermeister Thomas Holz immer weitere Steigerungen bei Gästeankünften und Übernachtungen verkünden. Doch ein kleiner Wermutstropfen schwingt mit: Die Aufenthaltsdauer befindet sich weiter im Sinkflug und lag im vergangenen Jahr im Durchschnitt nur noch bei dreieinhalb Übernachtungen. Zudem entscheiden sich Kurzurlauber wetterbedingt immer spontaner, so dass die Nachfrage nach Zimmern in Schönwetterphasen nicht immer befriedigt werden kann. 

Die um fast vier Prozent gesteigerten Übernachtungszahlen übertrafen 2018 die Marke von 250.000, was laut Thomas Holz „das beste Ergebnis seit 20 Jahren“ darstellt. Das „beste Ergebnis ever“, jedenfalls seit Beginn der Aufzeichnungen vor 34 Jahren, sind hingegen die um fast zehn Prozent auf 70.209 gestiegenen Gästeankünfte. Rund 42 Prozent der Gäste kommen übrigens aus Bayern, mit Abstand folgen Baden-Württemberg (16 Prozent), Nordrhein-Westfalen (11 Prozent) und Hessen (8 Prozent). Kaum eine Rolle spielen hingegen die neuen Bundesländer und der Norden Deutschlands. 

Trotz der Rekordzahlen gab sich Rathauschef Holz auch nachdenklich und stellte bei der Präsentation der Tourismusbilanz vor dem Gemeinderat fest: „Leichter wird’s nicht, weil immer mehr Gästebetten wegbrechen.“ So konnte in den Sommermonaten die hohe Nachfrage nach Zimmern angesichts des hohen Anteils an Ferienwohnungen nicht immer befriedigt werden. Angesichts des weiter anhaltenden Trends zu Kurzurlauben – die häufig auch noch spontan gebucht werden, wenn etwa das Wochenende ein niederschlagsfreies Wetter verspricht – ist dies eine Entwicklung, die Tourismusstrategen in eine gewisse Unruhe versetzt. Die fehlenden Betten könnten, vor allem am Walchensee, zu langfristig sinkenden Ankunfts- und Übernachtungszahlen führen, warnte der Bürgermeister. Umso mehr dankte Holz den Vermietern, „egal ob auf Campingplätzen, Bauernhöfen, in Ferienwohnungen oder Hotels“ für ihr „unermüdliches Engagement“, mit dem sie dafür sorgten, dass sich die Urlaubsgäste hier wohlfühlten. Ein Loblied des Bürgermeisters auf die Kristall-Trimini-Therme durfte natürlich nicht fehlen. Neben dem Franz-Marc-Museum sei diese als überregionaler Anziehungspunkt dafür verantwortlich, dass auch in der eher ruhigen Nebensaison mehr Gäste an den Kochelsee kämen. „Genau das war unser Ziel“, stellte Holz zufrieden fest. 

Eine Erfolgsgeschichte sind auch die Gästefreikarten im ÖPNV. Über 21.000 Busfahrten wurden mit Gästekarten angetreten, was einer Steigerung um rund 15 Prozent entspricht. Auch der Fahrkartenschalter der Kocheler Tourist Information am Bahnhof wird gut angenommen, was die um zehn Prozent gestiegenen Verkaufszahlen belegen. „Gäste, die ihr Auto stehen lassen, sorgen schon einmal nicht für Staus“, zeigte sich Holz erfreut über diese Entwicklung. Ausruhen werde sich die touristische Abteilung der Gemeinde auf den guten Zahlen aber nicht, schloss der Bürgermeister und kündigte an, auch in diesem Jahr die einzelnen Marketingmaßnahmen den Vermietern vorzustellen und das touristische Leitbild des Zwei-Seen-Landes anzupassen und zu modernisieren. Die neue, seit August online gegangene Homepage erzielte übrigens bereits sehr gute Resonanz. Alleine von August bis Dezember wurden 61.250 virtuelle Besucher verzeichnet. cw

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