RECUP: Penzberg beteiligt sich an Landkreis-Aktion

Für einen Euro mehr

Startschuss für RECUP: Judith Dangel vom Landratsamt, Bürgermeister Markus Loth, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Bürgermeister Falk Sluytermann van Langeweyde, der Weilheimer Standortförderer Stefan Frenzel und Wirtschaftsförderin Meike Petro (von links) mit den umweltfreundlichen Kaffeebechern.

Landkreis/Penzberg – Sie sind zylinderförmig, haben keinen Henkel, leuchten in hellem Türkis oder präsentieren sich im stillen Grau: die Pfandbecher von RECUP. Trinkbehälter, in denen mehr steckt als Kaffee oder Tee und die mehr einstecken können als ihre Pfand-Kollegen mit langem Hals.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn der Klimaschutzmanager der Stadt Penz­berg, Patrick Jähnichen, im Schnee stecken bleibt und nicht zum Pressetermin im Weilheimer Landratsamt erscheint. Auch Penzbergs Bürgermeisterin Elke Zehetner konnte wegen der Wetterkapriolen, so hieß es im Sitzungssaal der Behörde, nicht am Expertentisch sitzen. Egal, der Wille zählt. Denn Penz­berg sitzt mit im Boot bei einer landkreisweiten Initiative zur Müllvermeidung: ­RECUP, das Mehrwegsystem für Kaffeebecher als Alternative zum Coffee-to-go-Becher.

Judith Dangel, sie ist am Landrats­amt zuständig für Kreisentwicklung und Klimaschutz, erklärt das Prinzip, das hinter RECUP steckt. „Das funktioniert analog zum Flaschenpfand. Wer an der Bäckerei oder der Tankstelle einen Kaffee im RECUP-Becher kauft, zahlt dann einen Euro mehr an Pfand.“ An der nächsten Stelle, an der die grauen und türkisen Mehrwegbecher angeboten werden, kann der Konsument diese abgeben und erhält den Euro zurück. 

Noch gibt es wenige Betriebe, die RECUP-Becher im Sortiment haben. Landkreisweit sind es nur 16 Cafés, Läden oder Tankstellen. Der Raum Penzberg ist bislang fünfmal vertreten: der Habacher Dorf­laden, die Freie Tankstelle Greil in Iffeldorf und das Café „SainerZeit“ in Seeshaupt bieten ebenso Mehrwegbecher an wie Roche Diagnos­tics und das „KafFee“ in Penzberg. Weilheim ist da weiter: Allein in der Kreisstadt gibt es schon an sechs Stellen die umweltbewussten Pfandbecher. 

Die Kunststoffbecher bestehen aus Polypropylen. „Sie sind sehr langlebig“, bestätigt Andrea Jochner-Weiß. Der RECUP macht bis zu 500 Spülgänge mit und ist extrem bruchsicher. Ist er abgenutzt, kann er recycelt werden. Durch die Mehrfachnutzung entsteht weniger Abfall. Müllvermeidung sei in diesem Fall ganz einfach: „Man kann für einen Euro was für die Umwelt tun“, freut sich Andrea Jochner-Weiß. Daher kooperieren nun auf Inititiative der Stadt Weilheim die Wirtschaftsförderer von Weilheim und Schongau sowie Patrick Jähnichen, der Penzberger Klimaschutzmanager mit RECUP. 

Die Landrätin rechnete vor: Stündlich werden in Deutschland 320.000 Einweg-Kaffeebecher vebraucht. Das ergibt 2,8 Milliarden Becher im Jahr, für deren Herstellung zehntausende Tonnen Holz und Kunststoff sowie Milliarden Liter Wasser benötigt werden. Das RECUP-System habe sich bereits jetzt als umweltfreundliche Alternative zu Papp- oder Plastikbechern etabliert. „Doch das System funktioniert nur, wenn viele mitmachen“, fordert Andrea Jochner-Weiß. 

Penzbergs Bürgermeisterin Elke Zehetner unterstützt die Initiative: „Angesichts der vielen Fast Food- und Lebensmittelverpackungen, die nach nur kurzer Nutzung achtlos entsorgt werden, unterstützt die Stadt Penzberg den Vorstoß des Landkreises zur Müllvermeidung mittels der Vorstellung eines Pfandbechersystems.“ Derzeit gebe es in Penzberg interessante Ansätze zur Reduzierung von Plastikmüll, etwa beim Gastronomiebetrieb Aramark, der Roche-Mitarbeiter mit Essen versorgt sowie im KinoP., wo es Getränke nur in Glasflaschen und Strohhalme aus Roggenstroh gibt. 

Die Betriebe, die RECUP anbieten, müssen die Becher nicht kaufen, sondern bekommen sie ebenfalls gegen 1 Euro Pfand ausgehändigt. Pro Tag und Ausgabestelle wird zusätzlich eine Gebühr von 1 Euro fällig. Vom Erlös werden alte Becher ausgetauscht und Werbematerial bereitgestellt. Zugleich spart der RECUP-Anbieter Kosten und Müll für Einwegbecher. 

Jochner-Weiß hofft, dass weitere Betriebe mitmachen. Sobald ein Landkreis 30 Anbieter vorweisen kann, „gibt es ein eigenes Logo auf dem Becher“, grinst die Landrätin.akr 


Am Donnerstag, 31, Januar, findet eine Infoveranstaltung für Betriebe zum Thema Pfandbecher mit Vertretern von RECUP statt. Beginn ist um 15 Uhr in der Stadthalle. Anmeldung per E-Mail unter kreisentwicklung@lra-wm.bayern.de.

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