Sanfte Töne für die Meise

Brüten an der Seeshaupter Straße: Grundschüler bauen Nistkästen

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Schon jemand drin? Den ersten am Baum festgegurteten Nistkasten nahmen die kleinen Handwerker ganz genau unter die Lupe.

Penzberg – Wirklich groß ist das Loch ja nicht, doch das soll es auch nicht sein, schließlich ist der Einflug der Nistkästen bestimmt für zierliche Vögle wie Meisen und Kleiber. Schon bald werden einige der Gefiederten nahe dem Friedhof herumschwirren, dank fleißiger Grundschüler.

Knallbunte Blumen in irrwitziger Größe, Tiere mit fünf Beinen oder Muster, die jedes Mandala blass aussehen lassen: Für gewöhnlich sind die Handwerksprodukte, die Kinderhände verlassen, an kreativer Ausgestaltung kaum zu überbieten. Nicht jedoch die hölzernen Nistkästen, die jüngst ein Klassenzimmer der Bürgermeister-Prandl-Grundschule verlassen haben.

Kreidebleich sind sie, weil Meisen es so wollen. Nahe dem Friedhof an der Seeshaupter Straße erstreckt sich das Neubaugebiet für ein Dutzend Einfamilienhäuser. Für diese müssen keine Bäume weichen, im Gegenteil, die Häuschen sind sogar auf die Stämme angewiesen. In ein paar Metern Höhe sind sie mit einer Gurt-Konstruktion angebracht. „Wir lassen uns das patentieren“, lacht Baumpflegerin Anita Suttner, die mit ihren Kollegen vom Bauhof auf die Idee gekommen war, Vogelhäuschen nicht mehr mit Nägeln an den Stämmen zu befestigen, sondern diese schonend an den Baum zu gurten. So schonend, wie nun die zwölf Nistkästen angebracht werden, welche die Buben und Mädchen der Klasse 2a in ihrem ersten Schuljahr an gefertigt haben. 

Nach und nach bringt Suttner die Nistkästen an ihre luftige Position. „Wichtig ist, dass der Einflug frei ist“, betont die Baumpflegerin. Kein Zweig, kein Blatt soll vor dem kleinen Loch hängen, in das künftig Meisen und die ebenso kleinen kletterfreudigen Kleiber schlüpfen – und aus dem sie auch wieder herauskommen müssen. „Aber keine Amseln, die wohnen in Büschen“, meint eine Schülerin, die gemeinsam mit ihrer Klasse zu den Bäumen marschiert, um zu beobachten, wie die Baumpflegerin die mit viel Mühe und Liebe gezimmerten Kästen installiert. 

Die Kinder haben im vergangenen Jahr aber nicht nur viel mit Unterstützung ihrer Eltern und Großeltern gewerkelt, sie waren im Rahmen eines Schulprojekts auch theoretisch der Natur auf der Spur und haben viel gelernt. Daher wissen sie auch, was Suttner beim Blick auf das kleine Loch der Kästen in den Sinn kommt. In die Häuschen flattern nicht nur Vögel, auch Mäuse oder Eichhörnchen benutzen die hölzernen Kästen gerne, um ihren Futtervorrat für den Winter unterzubringen, erklärt Suttner, und die Kinder nicken.

In den warmen Monaten nisten dort also die Gefiederten, in der kalten Jahreszeit kommt dann Fell in die Bude. Kein Wunder, dass der Bauhof die Nistkästen einmal im Jahr nicht nur inspiziert, um herauszufinden ob diese angenommen werden, sondern die Holzbauten auch öffnet, um dort sauber zu machen. „Sonst zieht da keiner mehr ein“, meint Suttner. 

Die Baumpflegerin schreitet zu einer Eiche, an der bereits eines der Häuschen hängt und hält eine an den Stamm gelehnte Leiter fest. Abwechselnd kraxeln Kinder hinauf, um einen Blick durch das Loch ins Innere zu werfen. Noch ist es dort völlig leer, doch die Kinder sind zuversichtlich, dass schon bald reges Treiben im und um den Nistkasten herrscht. Nicht umsonst haben sie auf eine grelle Bemalung verzichtet, denn „Vögel mögen Naturfarben“, erklärt einer der Schüler mit stolzem Blick auf das Holzkonstrukt. ra

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