Wichtige Signale

Ministerin Schreyer bei HAP: Arbeitsagentur und Inklusionsamt beraten direkt im Werk

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Der HAP-Betriebsratsvorsitzende Thomas Nachtmannn ist froh über das Engagement der Arbeitsagentur, befürchtet aber, dass ältere Kollegen Probleme haben werden, einen neuen Job zu finden.

Penzberg – Jetzt hat sich auch die große Politik eingeschaltet, um den Mitarbeitern von HAP nach der Schließung des Werks an der Seeshaupter Straße zum 30. Juni 2020 eine Perspektive zu bieten.

Die bayerische Arbeitsministerin Kerstin Schreyer und Michael Radke, der Geschäftsführer der Hörmann-Gruppe haben sich in der vergangenen Woche mit Vertretern von Betriebsrat, Arbeitsverwaltung, IHK und Inklusionsamt sowie der Stadt Penzberg zu einem Gespräch getroffen, um Lösungen für die von der Standortschließung betroffenen Beschäftigten zu diskutieren. Für Thomas Nachtmann, den HAP-Betriebsratsvorsitzenden, ein positiver Termin: „Es war wichtig, dass darüber geredet wurde, wie man den Kollegen helfen kann, einen neuen Job zu finden.“ Eine konkrete Maßnahme wurde dabei auch vereinbart: Die Agentur für Arbeit wird nach den Sommerferien ein Büro auf dem HAP-Gelände beziehen.

Wer sich derzeit an der Seeshaupter Straße umsieht, der mag nicht glauben, dass dort der Betrieb in elf Monaten abgewickelt ist. „Wir arbeiten am Anschlag“, sagt Nachtmann. Nachdem MAN als Hauptkunde seine Bestellungen drastisch erhöht habe, brauche man derzeit jeden Mann und jede Frau. Deshalb ist Nachtmann auch ganz froh, dass bisher nur wenige Mitarbeiter von sich aus gekündigt und damit auch auf eine Abfindung verzichtet haben. Um diese Abfindungen bedienen zu können, hat Hörmann einen 20 Millionen Euro schweren Treuhandfonds angekündigt. Um den auch bedienen zu können, ist der Konzern darauf angewiesen, dass die Penzberger alle Aufträge termingetreu abarbeiten, andernfalls drohen teure Regressforderungen. Trotz voller Auftragsbücher beziffert Hörmann-Chef Radke das Minus, das jeden Monat in Penzberg anfalle, auf rund eine Million Euro. Alleine deshalb gebe es zu der Schließung des Werks keine Alternative. Nachdem die Verlagerung von Teilen und Maschinen an andere Standorte bereits angelaufen sei, werde man demnächst auch die ersten Kündigungen aussprechen. Arbeitsministerin Schreyer betonte bei dem Gespräch in Penzberg, ihr sei durchaus bewusst, „dass Betriebe auf strukturelle Marktverschiebungen reagieren, die langfristigen Perspektiven im Auge haben und sich optimal für die Zukunft positionieren müssen“. Die geplante Werksschließung aber bedeute einen „ganz erheblichen Einschnitt für alle Betroffenen, für deren Familien und nicht zuletzt auch für die gesamte Region“. Deshalb sei es ihr wichtig, im Sinne der Betroffenen mit allen Beteiligten sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen. „Die Beschäftigten brauchen so schnell wie möglich eine berufliche Perspektive. Dabei müssen wir insbesondere auch ältere Beschäftigte, Beschäftigte mit Behinderung und natürlich die Auszubildenden im Blick haben.“ Für die derzeit 24 bei HAP tätigen Lehrlinge schaut es laut Thomas Nachtmann nicht schlecht aus: „Zehn können ihre Ausbildung bei uns bis zur Werkschließung beenden, sieben weitere haben wir bei hiesigen Firmen unterbringen können.“ Und er ist zuversichtlich, auch für die restlichen sieben Lehrlinge eine Lösung zu finden. Als „ganz wichtig“ bezeichnet Nachtmann auch den Umstand, dass die Agentur für Arbeit ab Mitte September direkt im Werk über Stellenangebote informieren sowie über Umschulungs- und Weiterbildungsangebote informieren wird: „Dann brauchen die Kollegen nicht nach Weilheim zu fahren.“ Auch das Inklusionsamt wird dann an der Seeshaupter Straße präsent sein, „Das“, so Nachtmann, „ist ebenfalls sehr begrüßenswert, weil wir in der Belegschaft einen relativ großen Anteil an Schwerbehinderten haben.“ Außerdem habe Hörmann inzwischen im firmeneigenen Intranet eine Stellenbörse freigeschaltet, in der Angebote für eine Anschlussbeschäftigung an anderen Standorten des Konzern aufgeleistet sind. 

So positiv dies alles sei, euphorisch will Nachtmann deshalb aber nicht werden. Denn der sich abschwächende Geschäftsklimaindex und der Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt trügen dazu bei, dass viele Arbeitgeber in der Metallbranche mittlerweile zurückhaltend geworden seien. „Für jemanden ab 50 wird es schon hart, überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden“, betont Nachtmann. Aber auch jüngere, qualifizierte Kollegen fänden nicht automatisch einen neuen Job zu gleichen Konditionen. „Denn“, so Nachtmann, „HAP zahlt halt recht gut.“la

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