Mitarbeiter lassen Ärger freien Lauf

Ein deutliches Zeichen für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Hoerbiger und des Standortes Penzberg wollte die IG Metall mit ihrer Solidaritätsaktion auf dem Penzberger Stadtplatz setzen. Wie berichtet, will die Geschäftsleitung 50 der rund 150 Arbeitsplätze abbauen, was nach Meinung von vielen Insidern bedeutet, dass sich in absehbarer Zeit die Firma ganz aus Penzberg zurückzieht.

Dem Aufruf der Gewerkschaft, der KAB und der Betriebsräte der anderen Penzberger Großfirmen zur regen Teilnahme waren allerdings nur rund 150 Bürgerinnen und Bürger gefolgt. Man hatte sich mehr erwartet. Wenn die Entlassungen einen nicht selbst beträfen, so war aus Gewerkschaftskreisen zu hören, dann sei das Interesse an solchen Kundgebungen eben recht gering. Auch von den ebenfalls eingeladenen Politikern waren lediglich die drei Penzberger Bürgermeister, einige Stadträte, sowie die Bundestagskandidaten Angelica Dullinger (SPD) und Werner Bäumler (Linke) gekommen, während sich die anderen entschuldigt hatten. Stattdessen hatten einige Hoerbiger-Kollegen aus den Werken in Schongau, Peiting und Altenstadt den weiten Weg nach Penzberg nicht gescheut. Fast alle Redner lobten dennoch die „große Beteiligung“. Nur Werner Bäumler kritisierte den anberaumten Nachmittagstermin als ungünstig. Abends nach der Schicht wäre die Beteiligung weitaus höher gewesen, gab der Zarges-Betriebsratsvorsitzende zu bedenken. Dennoch machten die Teilnehmer mit ihren Spruchbändern schon vor Beginn der Kundgebung deutlich, dass ihre Geduld am Ende sei und sie weiter kämpfen wollen. So hatten die Arbeiter auf die Banner Sätze wie: „Wo sind die Millionen von gestern, für die wir jahrelang gebuckelt haben?“ oder auch: „Kurzarbeit kassieren und Millionen in Polen investieren“, geschrieben und ihrem Ärger damit freien Lauf gelassen. Die Redner äußerten sich teils recht diplomatisch, teils aber auch mit sehr markanten Worten. Betriebsseelsorger Erwin Helmer machte deutlich, dass hinter 50 Entlassungen keine nüchterne Zahl stehe, sondern 50 Einzelschicksale von Menschen, „die Würde haben und unersetzbar sind“. Helmer forderte wie auch mehrere andere Redner die Konzernleitung auf, sich mit den Vorschlägen des Betriebsrates zur Lösung des Problems zu beschäftigen. Dieser hatte die Verlängerung der Kurzarbeit, Qualifizierungsmaßnahmen, die Rückholung von an andere Firmen vergebene Aufträge, die Nutzung des Beschäftigungssicherungstarifvertrags und ein freiwilliges Austrittsprogramm vorgeschlagen. Die Geschäftsleitung, so war zu hören, hätte fast alles pauschal abgelehnt und die Arbeiter einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Stattdessen, so hob Betriebsratsvorsitzender Max Klingseisen hervor, habe sich die Belegschaft immer solidarisch mit der Firma gezeigt und in Zeiten der Hochkonjunktur auch Sonderschichten, selbst an Sonntagen gefahren. Die Firma aber habe die hohen Gewinne der Vergangenheit lieber im Ausland investiert, anstatt sie im eigenen Werk zu verwenden. Bürgermeister Hans Mummert, mit rotem IG-Metall-Käppi ausgestattet, versprach den Hoerbiger-Mitarbeitern die volle Unterstützung der Stadt und rief ihnen zu: „Ihr dürft nicht die Opfer der Abzocker in den Finanzetagen sein“. Da kam Stimmung auf und die Trillerpfeifen waren im ganzen Stadtzentrum zu hören. IG-Metall-Fachsekretär Hartmut Koenig versicherte, es gäbe derzeit eine Reihe von vernünftigen Arbeitgebern, die die Angestellten nicht nur als Kostenfaktor ansehen, machte aber ebenso deutlich, dass Hoerbiger nicht dazu gehöre und immer noch dem „Raubkapitalismus“ verfallen sei. Die Öffentlichkeit, so Koenig abschließend, müsse den Managern endlich mal klar machen, „dass es so nicht weitergehen kann“. Wie Musik in den Ohren klang den Demonstranten auch die Aussage von Werner Bäumler, man stehe vor keiner Wirtschaftskrise, sondern vor einer System- und Kapitalismuskrise. Statt der Arbeiter müssten vielmehr die Manager auf die Straße gesetzt werden. Grußworte und Solidaritätsbekundungen sprachen der DGB-Kreisvorsitzende Manfred Neupfleger und die Betriebsratsvorsitzenden Georg Rottach (ACP) und Bernhard Empl (Roche), während Angelica Dullinger in Richtung Mummert den Vorschlag einbrachte, man sollte doch den Stadtplatz in „Platz der Solidarität“ umbenennen. Dadurch bekam die Kundgebung noch einen etwas fröhlichen Touch. Die Firmenleitung von Hoerbiger hatte tags zuvor per Presseerklärung mitgeteilt, dass man ein Werk in Indien übernommen habe. Auf die Situation in Penzberg wurde mit keinem Wort eingegangen.

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