Kurz vor der Auflösung

Eklat bei der Mitgliederversammlung der Bergknappen: Nikolaus Lutz rechnet mit Ludwig Schmuck ab

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Leiten künftig den Bergknappenverein: (von links) Kassier Stefan Horn, Erster Vorsitzender Michael Haas, Zweiter Vorsitzender Michael Schmatz, Schriftführer Heinz Mehltretter, Fahnenträger Franz Kreisel und Beisitzer Bernhard Sturma.

Penzberg – Nach dem Hin und Her zwischen dem Vorsitzenden des Bergknappenvereins, Ludwig Schmuck, und dessen Vize, Nikolaus Lutz, kam es bei der Mitgliederversammlung am Mittwoch tatsächlich noch zu einem Eklat: Nikolaus Lutz wollte nach seiner Wiederwahl zum Vizevorsitzenden diese nicht annehmen. 

Um ein Haar hätten sich die Bergknappen wieder einmal vor der Auflösung befunden. Denn satzungsgemäß genügt es nicht, nur einen ersten Vorsitzenden zu haben. Der stand übrigens gar nicht groß im Zentrum der Diskussionen, nachdem Schmuck tatsächlich nicht nochmals ins Rennen ging: Nikolaus Lutz schlug Michael Haas vor, der prompt mit 32 Ja-Stimmen (zwei Nein, zwei Enthaltungen, eine Stimme für Wiggerl Schmuck) zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt wurde. Haas selbst hatte aber auch für eine Schrecksekunde gesorgt. Als er nämlich von Altbürgermeister Hans Mummert gefragt wurde, ob er das Amt annehmen wolle, stellte Haas glatt eine Bedingung: „Nur wenn der Rest der Vorstandschaft einstimmig oder mit großer Mehrheit gewählt wird.“ Dieses „Ja, aber“ funktioniert nach Vereinsrecht nur nicht, wie ihn Mummert zurechtwies. Und nach lautstarken Bitten aus der Versammlung sagte Haas doch bedingungslos zu. 

Die Wahl zum Vizevorsitzenden erhielt ihre besondere Note dann durch die persönliche Fehde zwischen Lutz und Schmuck. Lutz, der 16 Nein-Stimmen gegenüber 20 Ja-Stimmen (bei einer Enthaltung) für sich verbuchte, reagierte auf sein Wahleregbnis sehr emotional. Er sei 2017 als Notnagel eingesprungen, um den Verein vor der Auflösung zu retten. „Wenn das nun die Quittung dafür ist, dass ich seit einem dreiviertel Jahr alles alleine ohne Herrn Schmuck machen muss, dann verzichte ich, das habe ich mit 85 Jahren nicht nötig.“ Schmuck warf Lutz vor, ein schlechter Demokrat zu sein, wenn er seinen Wahlsieg nun ausschlage. Lutz („Ach, halten Sie den Mund“) rechnete hingegen mit Schmuck ab. „Wir wussten im Vorstand nicht mit einem Wort über das Förderturm-Modell im Nonnenwald.“ Schmuck habe da belogen und betrogen. Was in den zurückliegenden zwei Jahren abgelaufen sei, wüssten nur die, die auch im Verein arbeiteten, so Lutz. Schmucks Vorsitz sei ein „einseitiges Diktat sondergleichen“ gewesen. Schmuck wiederum verteidigte sein Engagement mit dem Förderturm: „Das war ich als Mitglied der ,Huadara‘“, sagte er und klebte zum Beweis Presseartikel an die Wand. Überhaupt sei durch die Querelen der letzten Wochen ein ganzer Haufen Mitglieder (auf Nachfrage ein Dutzend, Anm. d. Red.) ausgetreten, monierte Schmuck. Lutz zog seinerseits Zeitungsberichte aus seiner Aktentasche, die seine Position bekräftigen sollte. 

Wahlleiter Mummert schaffte es, die beiden Zankäpfel zu beruhigen, indem er den Fokus auf die Suche nach einem neuen Kandidaten für den zweiten Vorsitz lenkte. Tatsächlich fand sich Michael Schmatz, der bis vor kurzem noch als CSU-Bürgermeisterkandidat gehandelt wurde, in der Wahl aber seinem Mitbewerber unterlag. Der 58-jährige Sozialversicherungsfachwirt ist seit 2011 Mitglied des ­Bergknappenvereins. Die Versammlung wählte ihn mit 35 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen zum Vize. Stefan Horn wurde als Kassier im Amt bestätigt, Heinz Mehltretter bleibt Schriftführer. Komplettiert wird der Vorstand durch Bernhard Sturma als Beisitzer, der dafür eigens sogar noch spontan Mitglied bei den Bergknappen wurde. Franz Kreisel übernimmt das Amt des Fahnenträgers, Toni Leinweber das des Museumsbeauftragten. 

Der neue Vorsitzende Michael Haas kündigte angesichts des Durchschnittsalters von 80 Jahren pro Mitglied durch eine aktive Mitgliedergewinnung für eine Verjüngung im Verein zu sorgen. An die Versammlung richtete er den Appell: „Hört euch bei Freunden und Verwandten um, ob jemand mitmachen will.“ Der 56 Jahre alte gelernte Fernmelde- und später Funktechniker lebt nach seinen Angaben seit seinem siebten Lebensjahr in Penzberg. Der Vater dreier Kinder hat zuletzt 27 Jahre in München bei einer Spezialeinheit der Polizei gearbeitet. Den Verein will er gerne leiten, um den Fortbestand des Vereins und die Tradition um die Bergknappen zu sichern. arr

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