„Penzberg hilft“ will ein Anti-Mobbing-Seminar mit dem Kult-Detektiv anbieten

Carsten Stahl soll es richten

Penzberg – Zugegeben, die Idee hat was: Man holt jenen Carsten Stahl nach Penzberg, der als muskelbepackter und rundumtätowierter Privatdetektiv auf RTL II einen Schurken nach dem anderen aus dem Verkehr zog, um ein Anti-Mobbing-Seminar mit Schülern durchzuführen.

Der Verein „Penzberg hilft“ ist damit nun an die Stadtverwaltung sowie alle Schulen heran getreten. Zumindest am Gymnasium steht man diesem Plan aber eher skeptisch gegenüber. In einem offenen Brief an die Bürgermeisterin, den Stadtrat und alle Schulen verweist Steve Klein, der Vorsitzende von „Penzberg hilft“ auf das Mobbing von Kindern an Schulen, in Vereinen und im Internet. 

In Deutschland, so hat Klein recherchiert, ist fast jeder sechste 15-Jährige „regelmäßig Opfer von teils massiver körperlicher oder seelischer Misshandlung durch Mitschüler“. Für „Penzberg hilft“ steht deshalb fest: „Hier muss bereits im jungen Alter Prävention betrieben werden.“ Nach Ansicht von Klein sollte Penzberg diesem Problem „mit einem gemeinsamen Projekt aller Parteien und der Stadt“ begegnen. Deshalb seien Klein und seine Mitstreiter seit einigen Wochen in Kontakt mit Carsten Stahl. Der ist mittlerweile nicht mehr als Haudrauf auf der Mattscheibe zu sehen, sondern hat es zu einem angesehenen Anti-Mobbing-Experten gebracht, dessen Erfolg vor allem darin liegt, dass er die Sprache der Jugendlichen spricht und aufgrund seiner unzweifelhaften Authentizität von diesen auch akzeptiert wird. Allerdings ist Carsten Stahl nicht ganz billig: Zwischen 15.000 und 20.000 Euro kostet ein ganztägiges Seminar mit ihm, das „Penzberg hilft“ für alle Schüler der Stadt anbieten möchte. „Wir würden uns wünschen, dass die Stadt einen Großteil der Kosten hierfür tragen würde“, so Klein. Der Rest soll über Sponsoren und private Spender realisiert werden. 

Ob es dazu aber kommt, ist unabhängig von der Reaktion des Stadtrates noch völlig offen. Denn in einer ersten Reaktion hat Bernhard Kerscher, der Direktor des Gymnasiums, sehr verhalten auf den Vorstoß von „Penz­berg hilft“ reagiert. Und zwar deshalb, weil er die Mobbing-Situation an seiner Schule nicht so dramatisch sieht: „Die Zahl der Fälle ist bei uns deutlich begrenzt, die Schwere des Mobbings ebenfalls, so dass wir glauben, mit Hilfe unserer Sozialarbeiterin und der Lehrkräfte die Probleme pädagogisch im Griff zu haben.“ Aber er ist auch ganz Lehrer, der sich in gewohnten Strukturen sicher wähnt. Kerscher verweist auf das Subsidiaritätsprinzip und sagt: „In unserem Falle heißt das, dass die jeweilige kleinere Einheit, also die Einzelschule, versucht, ihre Probleme vor Ort zu lösen.“ Komme sie da nicht weiter, wende man sich im Falle eines Gymnasiums an die nächst höhere Ebene, den Ministerialbeauftragten. la

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