Erstmal Vertrauen gewinnen

Luise Klingebiel übernimmt die mobile Jugendarbeit im Loisachtal von Tini Schwarm

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„Da ist ein großes Entwicklungspotenzial“: Luise Klingebiel (rechts) übernimmt die mobile Jugendarbeit von Tini Schwarm (links) und arbeitet neben Leiterin Sabine Maier sowie Student Tobias Huhn auch im Don Bosco Club mit.

Benediktbeuern – Sie setzte sich ein Zeitlimit, und das hielt sie ein: Maximal fünf Jahre wollte Tini Schwarm in der mobilen Jugendarbeit im Loisachtal tätig sein. Ein Vorhaben, das ihr gelang. Nun besucht Schwarm die Hochschule, und von eben dort kommt ihre Nachfolgerin.

Vier Jahre lang war Tini Schwarm in der mobilen Jugendarbeit im Loisachtal unterwegs, nun geht sie neue Wege und studiert an der Katholischen Stiftungshochschule (KSH) Soziale Arbeit. Von dort kommt auch die neue Streetworkerin: Luise Klingebiel arbeitet sich derzeit in das Aufgabengebiet ein und wird dann ebenfalls einige Stunden pro Woche im Don Bosco Club mitarbeiten. Dieser setzt mit einem neuen Programm sowie dem implementierten Clubrat künftig auf noch stärkere Mitbestimmung der Jugendlichen. 

Der 50. Geburtstag ist für viele Menschen so etwas wie eine Zäsur im Leben. Auch Tini Schwarm fällte in diesem besonderen Lebensjahr die Entscheidung, nochmal etwas Neues zu wagen und begann ein Studium mit dem Ziel, in der Erwachsenenbildung zu arbeiten. „Ich will nicht als Streetwork-Oma durchs Land radeln“, lacht sie, die sich schon bei Antritt ihrer Stelle einen Zeithorizont von „drei bis fünf Jahre“ vorgenommen hatte. „Ich bin sehr dankbar für diese Zeit“, sagt die ausgebildete Erzieherin mit Blick auf das Vertrauen, das sie mit ihrer Beziehungsarbeit bei den Jugendlichen gewonnen hat. Es habe schöne wie auch schwierige Einzelfälle gegeben und dabei gelte: „Kinder und Jugendliche, die schwierig sind, haben immer selbst in irgendeiner Form Schwierigkeiten.“ 

Als Streetworker verstehe man sich als Sprachrohr und Anwalt der Jugendlichen, vermittle, berate und informiere viel und zwar immer niedrigschwellig, unter Schweigepflicht und mit dem Tenor „Ich bin auf deiner Seite“. In diesem Geiste will auch Lui­se Klingebiel die Aufgabe weiterführen. Die 24-Jährige kommt ursprünglich aus dem thüringischen Heilbad Heiligenstadt, studiert Soziale Arbeit mit der Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik im 7. Semester und hat noch ihre Bachelorarbeit vor sich. Klingebiel freut sich sehr, dass ihr die Stelle als Streetworkerin angeboten wurde. Bereits als Bildungsreferentin im Aktions­zentrum habe sie etwa bei Orien­tierungstagen für Neuntklässler, Tutoren- und Moderatorenschulungen erfahren, wie erfrischend Jugendarbeit sei. „Da ist Veränderung, da ist Dynamik und ein großes Entwicklungspotenzial“, schwärmt die sportliche junge Frau, deren Hobbys, Slackline, Bouldern und Klettern sowie Ballsportarten und Jonglieren, perfekt zur Jugendarbeit passen. Auch für Kommunalpolitik interessiert sie sich sehr und ist selbst im Allgemeinen Studentenausschuss (ASTA) aktiv. 

Zunächst werden Schwarm und Klingebiel gemeinsam die „Hotspots“ ihrer Schützlinge aufsuchen, darunter die Schulen in Benediktbeuern und Schlehdorf, den Jugendraum in Bad Heilbrunn sowie Bauwagentreffs. Auch den Gemeinderäten der fünf Loisachtalgemeinden wird Klingebiel sich vorstellen und virtuell auf Instagram, Facebook und Snapchat aktiv sein. Bis Ende Januar will sie bei allen Jugendlichen Fuß gefasst haben, deren Namen kennen und wissen, zu welcher Gemeinde sie gehören. „Momentan ist es viel“, räumt sie ein und ist froh, dass Schwarm ihr solange zur Seite steht, bis die Einarbeitung abgeschlossen ist. Neben den 13 Wochenstunden mobiler Jugendarbeit wird sie dann auch 7,5 Stunden im Don Bosco Club mitwirken. 

Und auch dort gibt es Neuigkeiten, wie Leiterin Sabine Maier erklärt. Nach der Befragung der Jugendlichen wurden die Öffnungszeiten auf Donnerstag bis Samstag verlegt und ein Mitbestimmungsgremium gewählt. Vier Jugendliche sitzen nun im Clubrat, dem zwei Clubsprecher vorstehen, der einmal im Monat zu einer Sitzung zusammenkommt. Themensammlung, Tagesordnung und Moderation übernehmen sie selbständig. „Die Wahl der Clubsprecher haben wir der Bürgermeisterwahl nachempfunden“, erklärt Maier. Fünf Kandidaten stellten sich vor, es gab eine geheime Wahl und für das Amt des Vizesprechers sogar eine Stichwahl. Erster Clubsprecher ist nun der 14-jährige Esrom Fishaye von der Benediktbeurer Mittelschule, seine Stellvertreterin die gleichaltrige Julie Bushe vom Gymnasium Penzberg. 

Auch inhaltlich schlägt sich die Mitbestimmung nieder. Donnerstags gibt es unter dem Motto „Freiraum“ die Möglichkeit, das Thema selbst zu gestalten. „Wir wünschen uns, dass die Jugendlichen nicht nur konsumieren, sondern selbst einen Betrag leisten“, erklärt Maier, die sich davon authentischere Themen verspricht und auf die Bildung eines Kerns hofft, aus dem regelmäßig Aktionen entstehen. Gerne gesehen seien auch Jüngere ab acht Jahren, denn wenn nur ältere Jugendliche da seien, werde die Hürde für den Nachwuchs zu hoch. Aus Mitbestimmung resultiert auch der Programmpunkt „Kartl‘n“. Im Rahmen des Ferienprogramms seien nämlich zwei Jungs aus dem Dorf zum ersten Mal im Don Bosco Club gewesen und hätten beim Abschied gesagt: „Wenn’s hier Schafkopfen gäbe, würden wir wiederkommen.“ Weil Maier die Spielkultur ohnehin für etwas sehr Schönes und Verbindendes hält, wird jetzt alle vierzehn Tage an einem Samstag gekartelt. 

An jedem ersten Freitag im Monat werden im Rahmen der „Prime Time“ Filme zu gesellschaftlichen, sozialen und aktuellen Themen gezeigt, die durchaus auch mal tiefgründiger sein dürfen, „und die man sich alleine vielleicht nicht anschauen würde“, erläutert die Sozialarbeiterin weiter. „Wir wollen mit unserem Angebot eine breite Masse ansprechen“, betont sie, Jugendliche aus dem Dorf genauso wie junge Menschen aus umliegenden Orten, Vereinsjugend ebenso wie nicht organisierte Jugendliche. 

Der neue Programmflyer liegt im Don Bosco Club sowie in den Schulen in Benediktbeuern und Schlehdorf aus. Im Internet sind Klingebiel unter MJA Loisachtal und Maier unter Don Bosco Club Benediktbeuern auf Facebook und Instagram zu finden. cw

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