Nichts als Trockentraining

Penzbergs Vereinsleben erholt sich nach dem Corona-Lockdown nur langsam

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Zwischen Wunsch und Realität: Während die Kegler wegen Corona jetzt zwei Bahnen für sich ganz alleine haben, läuft bei den Fußballern der Trainingsbetrieb erst langsam wieder an. Um zumindest virtuell nicht aus der Übung zu kommen, hatten die DJK, der ESV und der FC ein Fifa-Online-Turnier veranstaltet. Beim Trachtenverein Loisachtaler Maxkron schwelgt man derweil noch in Erinnerungen: Für die Figurentänze sind die Hygie­neauflagen so groß, dass man nach wie vor auf die Proben verzichtet.
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Zwischen Wunsch und Realität: Während die Kegler wegen Corona jetzt zwei Bahnen für sich ganz alleine haben, läuft bei den Fußballern der Trainingsbetrieb erst langsam wieder an. Um zumindest virtuell nicht aus der Übung zu kommen, hatten die DJK, der ESV und der FC ein Fifa-Online-Turnier veranstaltet. Beim Trachtenverein Loisachtaler Maxkron schwelgt man derweil noch in Erinnerungen: Für die Figurentänze sind die Hygie­neauflagen so groß, dass man nach wie vor auf die Proben verzichtet.
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Zwischen Wunsch und Realität: Während die Kegler wegen Corona jetzt zwei Bahnen für sich ganz alleine haben, läuft bei den Fußballern der Trainingsbetrieb erst langsam wieder an. Um zumindest virtuell nicht aus der Übung zu kommen, hatten die DJK, der ESV und der FC ein Fifa-Online-Turnier veranstaltet. Beim Trachtenverein Loisachtaler Maxkron schwelgt man derweil noch in Erinnerungen: Für die Figurentänze sind die Hygie­neauflagen so groß, dass man nach wie vor auf die Proben verzichtet.

Penzberg – Es gibt wohl kaum jemanden, der von den Auswirkungen der Corona-Krise nicht betroffen war oder es noch immer ist. Auch das Vereinsleben ist in den letzten drei Monaten fast völlig zum Erliegen gekommen. Ob Musikkapelle, Fußballclub oder Schwimmverein: Außer Trockentraining, Kontaktpflege übers Telefon und soziale Netzwerke sowie Onlinetreffen hie und da blieb jedes Vereinsmitglied mehr oder weniger für sich allein. Ein Silberstreif am Horizont lässt aufatmen, denn am Montag sind weitere Lockerungen in Kraft getreten. Viele Vereine haben sofort auf die Ankündigung reagiert und nehmen Stück für Stück ihre Arbeit wieder auf.

Trotz allgemeinen Verständnisses für die Corona-Beschränkungen: Vielen reicht‘s langsam. Vor allem Sportvereine hatten unter den Reglements zu leiden. Kein Training, keine Spiele, keine Stammtische. „Unsere Vereinsarbeit ist Mitte März erst einmal völlig zum Erliegen gekommen“, erklärt Michael Scharbert, der Leiter der Fußballabteilung des ESV Penzberg. Freilich hätten die aktiven Spieler versucht, sich körperlich fit zu halten, „dennoch dürften im Moment nur die wenigsten wirklich so in Form sein wie vor dem Lockdown“. 

Zwölf Meter Abstand zwischen Tuba und Trompete

Da kommt die von der Staatsregierung verfügte nächste Lockerung einem Befreiungsschlag gleich, denn neben den Erleichterungen für Gastronomie und Handel können nun auch die Vereine ein Stück weit aufatmen. Seit kurzem dürfen sich etwa anlässlich einer Versammlung oder einer Vorstandssitzung bis zu 50 Personen innerhalb und hundert Personen außerhalb einer Räumlichkeit treffen. Damit besteht auch die notwendige Rechtssicherheit, denn das Gefühl der Unsicherheit und der Angst, etwas falsch zu machen, eint alle Organisationen, egal ob Sport-, Musik- oder Trachtenverein. Die Stadt- und Bergknappenkapelle etwa übernahm sicherheitshalber die Vorgaben für Berufsorchester, „obwohl wir im Grunde genommen ein Laienensemble sind“, erklärt der Vorsitzende Ulrich Schreyer. Und diese Vorgaben sahen so aus, dass Bläser sich bis vor kurzem nur mit zwölf Meter Abstand treffen konnten, „der Aerosole wegen, die Bläser durch ihre Instrumente in stärkerem Maße als es etwa bei Streichinstrumenten ausstoßen“, so Schreyer. Zwölf Meter Abstand – unmöglich für Proben. „Da hätten sich höchstens vier Leute auf ein Fußballfeld setzen können, in jede Ecke einer“, führt Schreyer bildlich vor Augen. Seit Montag sind es zwei Meter ohne Personenbegrenzung, eine Vorgabe, nach der es in der Stadt- und Bergknappenkapelle keine 48 Stunden dauerte, bis die erste Probe stattfand. „Allerdings fragt man sich wofür“, ist Schreyer ratlos, denn Auftritte wird es vorerst trotzdem keine geben. 


Bergsprints statt Bahnen

Mindestens genauso heftig traf es den Schwimmverein, die SG Oberland. „Wir saßen bis zu dieser Woche buchstäblich mehr als drei Monate lang auf dem Trockenen“, klagt der Vorsitzende Wolfgang Kling. Musste der Verein schon den Abriss des Wellenbads und damit den Verlust seiner Trainingsstätte hinnehmen, blieb den Schwimmern nun nichts anderes übrig, als sich mit Trockentraining in Form von Waldläufen oder Bergsprints fit zu halten. Kling hat sich nach der offiziellen Öffnung der Freibäder am 8. Juni sofort mit einigen in der Region in Verbindung gesetzt. „Viele Alternativen hatten wir nicht“, seufzt er. Umso mehr freut er sich über das Angebot der Rigi Rutsch‘n in Peißenberg, die Penzberger Schwimmer aufzunehmen. „Wir werden zuerst mit der Leistungsgruppe starten und hoffen, bald auch die Kinder mit dazu nehmen zu können“, so Kling. 

Zwei Sportler auf vier Bahnen

Ohne Trainingsstätte ging es auch für die Kegler vom SKV 1940 Penzberg in die Saison. „Mit Beginn der Sanierungsarbeiten in der Josef-Boos-Turnhalle mussten wir nach Seeshaupt umziehen“, berichtet der Vorsitzende Thomas Mährlein. Seit März lief im Verein so gut wie gar nichts mehr. „Und ein Online-Biertrinken wollten wir uns auch nicht antun“, meint Mährlein. Aktuell versuchen die Kegler, das Hygienekonzept der Seeshaupter umzusetzen: Nur zwei Sportler dürfen sich auf vier Bahnen aufhalten, zehn in der gesamten Anlage. Spiel nach Voranmeldung vielleicht, mit spontanen ungezwungenen Kegelabenden hat das nichts zu tun.

Virtueller Fußball

Auch der ESV Penzberg knabbert an den Hygienevorgaben und startet zunächst mit den Seniorenmannschaften und dem Nachwuchs von der D- bis zur A-Jugend. Bei den jüngeren Spielern werde es allerdings noch eine Weile dauern, bis der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen werden kann. „Die Vorgaben sind einfach bei den Kleinen viel schwieriger umzusetzen“, so Scharbert. Spiele werden zunächst aber überhaupt nicht stattfinden, „eine Tatsache, die vor allem den Jugendlichen gar nicht passt“. Wenigstens haben der ESV, der FC Penzberg und die DJK im Mai ein virtuelles Fifa-Online-Turnier zustande bekommen. „Ansonsten kam jedoch auch bei uns so ziemlich alles zum Erliegen“, erklärt DJK-Sprecher Siegfried Höfler. Die Maifeier, der Falkencup, das Sommerfest und das Open-air-Schafkopfturnier mussten abgesagt werden, „mit den entsprechenden finanziellen Konsequenzen, versteht sich“. Seit dem 8. Juni trainiert wenigsten die 1. Mannschaft der DJK wieder, einen Spielbetrieb wird es vorerst aber nicht geben. 

Es wird gefischt, aber nicht getanzt

Philipp Bodenburg wiederum kann nur neidisch auf die Fischerfreunde Huber See schauen. Während er als zweiter Vorsitzender des Trachtenvereins Loisachtaler Maxkron auch jetzt keine Proben durchführen lassen kann, haben es die Angler einfach. „Mia geh‘n halt beim Fischen a bisserl weiter auseinand“, meint Helmut Rötschke, der Chef der Fischerfreunde. „Wie sollen wir aber beim Tanzen den Mindestabstand einhalten? Wie soll man dann bitte die Figurentänze und Gruppentänze proben, die nun mal bei uns getanzt werden?“, fragt Bodenburg. Außerdem müssten die Tanzpaare festgelegt werden, die sich laut Bodenburg auch nicht von Probe zu Probe ändern dürfen. „Das Ganze muss man auch noch dokumentieren und ein Hygienekonzept erarbeiten, das vom Landratsamt genehmigt werden muss“, macht der zweite Vorsitzende des Loisachtaler Gauverbands deutlich und schiebt verärgert hinterher: „Mit uns nicht, beim besten Willen nicht.“ sg

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