Sind Bäume wichtiger als Rehe?

NABU fordert höhere Abschussquoten für Rehe - Jäger protestieren

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Der Naturschutzbund will, dass mehr Rehe geschossen werden.
  • Max Müller
    vonMax Müller
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Region – Wie viele Rehe sollen jedes Jahr erschossen werden? Um diese brisante Frage ist ein Streit zwischen Naturschutzbund (NABU) und den bayerischen Jägern entflammt.

Der Naturschutz hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht leicht. Meist ist der Hauptgegner ein wirtschaftliches Interesse. Doch jetzt wird es richtig kompliziert, denn innerhalb des Naturschutzes bilden sich zwei Lager: Das eine will den bedrohten Wald schnellstmöglich aufforsten, das andere wehrt sich gegen höhere Abschussquoten für Rehe. Ein kaum zu lösender Konflikt. Und die Diskussion ist bereits zu einem handfesten Streit ausgeartet.

Auslöser ist die geplante Anpassung des Bundesjagdgesetzes im Deutschen Bundestag. „Zentral ist dabei, dass die notwendige gemischte Verjüngung des Waldes und der Waldumbau ohne aufwändige und kostspielige Schutzmaßnahmen vor Wildverbiss möglich werden. Niemand will einen Wald ohne Wild, aber die vielerorts hohen Bestandsdichten von Rothirsch und Rehen machen die Entwicklung klimaresilienter Wälder mit vielfältiger Fauna und Flora derzeit schwierig bis unmöglich“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Im Gesetz sollen seiner Meinung nach (anders als bisher vorgesehen) regelmäßige verpflichtende Vegetationsgutachten verankert werden. So kann faktenbasiert entschieden werden, welche Maßnahmen konkret notwendig sind.

Doch genau gegen diese Maßnahmen bildet sich Widerstand. Denn die Jäger sind gegen eine starke Ausweitung der derzeit üblichen Abschussquoten um 500.000 Rehe pro Jahr. Das hätte zur Folge, dass die deutschen Jäger bereits in diesem Jagdjahr über 1,7 Mio. Rehe erlegen müssten.

Bambi wird kein Hirsch

Walt Disney trägt die Schuld, dass viele Deutsche den Unterschied zwischen Reh und Hirsch nicht kennen. „Bambi“ basiert auf einem Roman des österreichischen Autors und Jägers Felix Salten. Als das Buch auch in Amerika erscheinen sollte, wurde aus dem jungen Rehbock ein Weißwedelhirsch, weil es in Amerika keine Rehe gibt. In der deutschen Synchronfassung des Films wurde dieser Wechsel wieder rückgängig gemacht, Bambis Vater aber blieb ein Hirsch. Seitdem glauben viele, dass ein Reh das weibliche Gegenstück zu einem Hirsch ist.

„Ökologisches und die Natur schützendes Handeln bedeutet aber, dass die Ökologie nicht geschädigt wird. Ökosysteme bestehen aus Flora und Fauna, also aus Pflanzen und Tieren. Wer ökologisch handeln will, muss immer beides im Fokus haben“, heißt es in einer Stellungnahme des Landesjagdverbands Bayern (BJV). „Der von uns allen angestrebte, klimagerechte Waldumbau rechtfertigt nicht die flächendeckende Maximalreduktion gesunder und artgerechter Wildpopulationen,“ so Ernst Weidenbusch, Präsident des BJV.

Rehwild, Rotwild und Gams würden derzeit lediglich als „Schädlinge“ des Waldes betrachtet, nicht als gleichwertiger Teil eines Ökosystems. Geht es nach Weidenbusch, sollten stattdessen durch Ruhezonen, alternative Äsungsangebote und Schutzmaßnahmen ein stabiler Erhaltungszustand der heimischen Wildarten garantiert werden. Marco Heinrich

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