Wunsch der islamischen Gemeinde

Nach "Aufschrei" in Penzberg: Kein Antrag auf Gebetsruf vom Minarett

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Penzberg - Die islamische Gemeinde in Penzberg verzichtet auf den Ruf zum Freitagsgebet vom Minarett ihrer Moschee. Der Antrag bei der Stadt wird nicht gestellt. Grund ist die massive Kritik.

Imam Benjamin Idriz hatte das Gedankenspiel bei einem geistlichen Treffen in Weilheim aufgeworfen. Jetzt rudert er zurück. Ganz aufgeben will Idriz die Idee aber nicht. Am Ende bekam das „Gedankenspiel“ wie es Rathauschef Stefan Korpan (CSU) lediglich nennt, eine negative Dynamik, die alle Beteiligten überrollte. 

Wunsch nach Gebetsruf

Vor zwei Wochen saß Korpan mit Imam Idriz, dem katholischen Pfarrer Bernhard Holz und dessen evangelischen Amtkollegen Julian Lademann im Rathaus. Ein Thema war der Gebetsruf, wie Korpan sagt. Es gebe einen Wunsch danach, bekam er vom Imam zu hören. Einen Tag später bekundete Idriz diesen Wunsch öffentlich bei einem Treffen von rund 20 geistlichen Vertretern der drei Religionen in Weilheim. Die Idee stieß bei den Penzberger Pfarrern durchaus auf Gegenliebe – das Wort „Religionsfreiheit“ fiel. 

Schnell kam Kritik auf

Doch es regte sich bald Widerstand, gerade aus dem rechten Lager. Dem Vernehmen machten auch Anwohner der Moschee an der Bichler Straße ihrem Unmut Luft. Der Bürgermeister nannte es bei einem eilig einberufenen Pressegespräch „einen Aufschrei in der Bevölkerung“. Am Donnerstag, 1. Oktober, in der Früh sprach Korpan mit Imam Idriz. Ergebnis: „Die islamische Gemeinde verzichtet darauf, dass vom Minarett gerufen wird.“ Das bestätigt der Imam der Rundschau: „Aktuell wird kein Antrag gestellt.“ 

Gemeinsame Gebete

Die Gemeinde will die Errungenschaften des interreligiösen Dialogs nicht gefährden. Seit Jahren engagieren sich Vertreter der drei Religionen für Projekte. Auch gemeinsame öffentliche Gebete gehören dazu, demnächst beim „Schöpfungstag“ am 11. Oktober. Das Islamische Forum mit der Moschee ist offen für Schulklassen, Gruppen und Veranstaltungen. „Der soziale Frieden ist wichtig für uns“, betont Idriz. „Wir pflegen weiter das gute Zusammenleben.“ 

Mehr als 80 Nationen

Das Gemeinsame betont auch der Bürgermeister. „Wir wollen in keinster Form Extremismus haben.“ In Penzberg mit seinen mehr als 80 Nationen gebe es „keine Probleme“, bekräftigt Korpan – und spricht von der Zusammenarbeit als einem „hohen gesellschaftlichen Gut“. Beim Pressegespräch wollte sich Korpan jedoch nicht aus dem Fenster lehnen. „Es gibt Religionsfreiheit“, sagte er zwar, aber der Stadtrat entscheide über einen Gebetsruf-Antrag. „Man muss schauen, was ist für Penzberg gut.“ 

"Warten, bis Zeit reifer wird"

Eines macht Imam Idriz gegenüber der Rundschau allerdings deutlich. Den Gebetsruf vom Minarett verliert man nicht aus den Augen. „Der Wunsch ist weiterhin da. Wir warten, bis die Zeit dafür reifer wird.“ Das friedliche Zusammenleben der Religion in Penzberg gefällt jedoch nicht jedem. 

Demo geplant

Für Freitag, 2. Oktober, wurde eine Demonstration „Aufklärung über Muezzinruf und politischem Islam“ auf dem Stadtplatz von den Behörden genehmigt. Beantragt von einem islamfeindlichen Extremisten aus München. Grünen-MdL Andreas Krahl reagierte umgehend: Er baut ab 15 Uhr als Gegenstück auf dem Stadtplatz seinen Infostand „A Maß gegen Hass“ auf.

Andreas Baar

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