Scherenschnitt und Solariumwärme

Nach Wochen des Lockdowns geht es den Penzbergern wieder an Haut und Haar

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In Adisa´s Hair&Beautysalon freuen sich Inhaberin Adisa Drischberger (hinten links) und ihre Mitarbeiterin Kathi Hiltensperger (rechts) darüber, wieder Haarsträhnen zwischen den Fingern zu spüren.

Penzberg – Vorbei sind sie, die Zeiten von grobem Wildwuchs auf Kopf und im Gesicht. Die Augenbrauen sind schick gezupft, die Frisur sitzt und Fußnägel sind für die Sommerluft frisch pedikürt. Nach sieben Wochen Zwangspause sind sie wieder für ihre Kunden da – Friseure, Kosmetiker, Fußpfleger und auch das Sonnenstudio. Sie alle kümmern sich nicht allein um das Aussehen ihrer Kunden, sondern schenken neben Wohlbefinden auch medizinische Unterstützung. Auf beiden Seiten ist die Freude groß.

So wechselhaft wie das Wetter am 13. März waren auch die Informationen für die Inhaber der Friseurläden, Kosmetik- und Fußpflegestudios des Landes. „Ich habe an diesem Tag beschlossen, weitere Termine abzusagen, da wir so nahe am Menschen arbeiten, da war ich mir unsicher“, erinnert sich Kosmetikerin Nicola Haddow. „Wir hatten noch bis zum 20. März offen, doch viele Kunden haben ihre Termine von sich aus abgesagt. Da waren ja Kindergärten und Schulen schon zu“, erzählt wiederum Friseurin Adisa Drischberger. Die Informationen seien nur spärlich von den Innungen, den Handwerkskammern und Berufsgenossenschaften geflossen und so schlossen die einen früher, die anderen später ihre Salons. 

Seit vier Wochen haben nun die Friseurläden wieder geöffnet, eine Woche später kamen die Kosmetiksalons hinzu. Fußpfleger und Massagepraxen durften schon früher wieder für die Kunden öffnen, die ein ärztliches Rezept vorlegen konnten. Georg Bäuerle vom Sonnenstudio Sun In kämpfte im Weilheimer Ordnungsamt um eine Öffnungserlaubnis. „Ich betreibe das Sonnenstudio jetzt seit fast 23 Jahren. Wir haben sowieso sehr hohe Hygienestandards und sogar die Luft in den Kabinen wird nicht umgewälzt, sondern nach draußen abgeleitet“, erklärt Bäuerle. Den Ruf der ungesunden Bräune hätten die Solarienbetreiber schon vor langer Zeit abgelegt, denn neben positiven Auswirkungen auf die Haut soll den Besuchern die hohe Portion Vitamin D, welche der Körper bei Besonnung produziert, zugutekommen, erklärt er weiter, was sich seiner Meinung nach auch positiv auf das Immunsystem auswirkt. 

Rein wirtschaftlich sind die Aussagen alle ähnlich: Länger hätte die Schließung nicht mehr dauern dürfen. Fast jeder hatte für seine Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet und die Soforthilfe beantragt. Auch Friseur Björn Wünschirs brachte damit sich und sein zehnköpfiges Team über die Runden, sagt jedoch, dass es recht viel länger nicht mehr gegangen wäre. „Man glaubt gar nicht, wie hoch die monatlichen Fixkosten sind. Die müssen ja weiter bezahlt werden, auch wenn man nichts einnimmt“, sagt Adisa Drischberger. 

Mit der Öffnung am 4. Mai wurden gerade Friseursalons geradezu überrannt. Björn Wünschirs und seine Mitarbeiterinnen telefonierten eine Woche vor Start ihren kompletten Kundenstamm durch und vergaben Termine, so blieb der große Telefonansturm aus: „Das hat zwar viel Zeit und Geld gekostet, aber das war die beste Idee überhaupt“, freut sich Wünschirs. Adisa Drischberger hat seit langem ein Online-Buchungssystem, bei dem viele schon vorab einen Termin buchen konnten. „Die Kunden freuen sich sehr, dass sie wieder kommen können“, erzählt Nicola Haddow. 

Das Einhalten der Hygieneregeln hat für alle Unternehmer oberste Priorität, um ihre Kunden und sich selbst zu schützen, wobei so manche Maßnahmen viel Zeit und Geld kosten. Im Moment überwiegt jedoch bei allen die Erleichterung und die Freude, überhaupt wieder am Start zu sein. „Wir haben uns unglaublich gefreut, als das Öffnungsdatum feststand“, so Wünschirs. „Meine Kunden sind wahnsinnig dankbar und haben bisher keine Berührungsängste gezeigt. Nach jeder Kundin habe ich mehr Pause eingeplant, um ausreichend zu lüften und zu desinfizieren“, erklärt Nicola Haddow. Eine ganztägige Maskenpflicht gilt für all diese Berufszweige und die meisten haben sich an die Bedeckung von Mund und Nase bereits gewöhnt. „Anfangs war es sehr unangenehm, aber da standen wir auch bis zu zehn Stunden im Laden“, erinnert sich Drischberger, „wir hatten Kopfschmerzen und uns war schwindlig und schlecht. Langsam geht es und wir planen mehr Zeiten für Pausen im Freien ein.“ Fast alle sind sich einig, dass sie der Mundschutz wohl noch länger begleiten wird, da sie alle sehr nah am Kunden arbeiten. Noch sind die Temperaturen im angenehmen Bereich, aber wenn das Thermometer im Sommer nach oben klettert, wird ein Arbeiten in den nicht klimatisierten Räumen sicher zur Herausforderung. au

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