Nichts mehr da

Abbruch des Wellenbads: Sogar für die „Gaststätte“ fand sich ein Interessent

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Riesige Haufen türmen sich vor dem einstigen Wellenbad.

Penzberg – Noch immer ist er da, der einsame Kassenautomat des Penzberger Wellenbads. Jedoch ist der Kasten von seiner einstigen Stelle gerückt, als wolle er sehen, was sich da vor dem Gebäude an Bergen auftürmt, jetzt, da das Wellenbad abgebrochen wird.

Armin Duhme ist ein Mann, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Er gebietet über 55 Tonnen und ein blau-weißes Rautenbanner, das an der Tür zu seinem Arbeitsplatz fröhlich im Wind flattert. Duhme grinst: „Früher, als Kind, da wurde ich immer geschimpft, wenn ich etwas kaputt gemacht habe. Heute werde ich dafür bezahlt.“Sagt‘s und klettert in sein gelbes Ungetüm mit der riesigen Greifzange, die Armin Duhme so behutsam in das aufgetürmte Holz eintauchen lässt, als führe er einen Eingriff am offenen Herzen durch. 

Seit Montag wird das Wellenbad abgebrochen. Am Montag war der Eingangsbereich noch da, wo er immer war. Bis Armin Duhme kam. Jetzt klafft dort eine riesige Lücke. Man sieht noch den Kassenautomaten, ein Relikt aus jener Zeit, als dort gebadet wurde und die Welle schwappte. Der Automat ist auch bald dran, jetzt aber wird erstmal aufgeräumt. Während es sich der Mann mit der Bayernfahne in seinem ebenso gelben wie erstaunlich leisen Caterpillar gemütlich macht, staunt man, wie sehr die gesetzlichen Bestimmungen für eine ungewohnte Ordnung auf der Baustelle sorgen. Dort das Holz, hinten der klassische Bauschutt, dazwischen Aluminium, daneben Beton und Styropor. Eine knappe halbe Million Euro, so hat der für den Abbruch des Wellenbads und den Neubau eines Familienbads zuständige Stadtwerke-Chef Josef Vilgertshofer überschlagen, kostet es, bis hier kein Stein mehr auf dem anderen liegt. 

Ende Oktober soll es damit so weit sein. „Bis Allerheiligen, dann sind wir wieder weg“, sagt Chris­tian Baumann. Der Ingenieur aus Bad Reichenhall plant den Abbruch und ist verantwortlich dafür, etwas in Vergessenheit geraten zu lassen, was einst vielen Menschen in Badehose und Bikini ein paar unbeschwerte Stunden schenkte. War Schwarzenegger der Terminator der Leinwand, Baumann und Duhme sind die Terminatoren des Wellenbads. 

Ende Juli, nachdem das Hundeschwimmen vorüber und das Wasser aus dem Becken ausgelassen war, haben sie mit ihren bis zu zwölf Leuten das Gebäude entkernt und alles, was nicht niet- und nagelfest war, herausgetragen. Man hat die Schadstoffe entsorgt und das, was sich zum Recyclen eignet, auf großen Häufen aufgetürmt. Der Ingenieur Baumann hat mal überschlagen: „Wir kommen auf rund 1.500 Kubikmeter allein an Betonabbruchmasse.“ Dazu gesellen an die 500 Tonnen an Bauschutt, 200 Tonnen an Altholz und 150 Tonnen an sonstigen Abfällen. Während Holz und Styropor in speziell dafür ausgelegten Anlagen verbrannt werden, wird der Beton aus dem Fundament zum Teil vor Ort wieder verwendet, als Untergrund für die Baustraße, die zur Errichtung des neuen Schwimmbads erforderlich ist. „Beim Beton kommen wir auf eine Wiederverwendungsquote von fast 100 Prozent“, sagt Baumann. Der Bauschutt wiederum geht in Kieswerke, wird dort bearbeitet und später als Füllmaterial verwendet. 

Nachdem die großen Haufen abgetragen sind und Platz für neue geschaffen wurde, geht es der Sauna und dem ehemaligen Restaurant an den Kragen, erst danach frisst sich Armin Duhme mit seinem Ungetüm, langsam aber unaufhaltsam durch das Dach der einstigen Schwimmhalle. Am Ende bleibt nur noch das Becken übrig, dass dann aber flugs mit Kies verfüllt. Dann wird das neue Bad hochgezogen. 

„Man glaubt es kaum, was die Leute alles mitgenommen haben“, lacht Bürgermeisterin Elke Zehetner. Der Ausverkauf der Stadtwerke hat in den Sommerferien die Souvenirjäger in Scharen angelockt. Sogar die Lehrer des nahen Gymnasiums waren darunter und haben sich zwei Massagestühle aus dem alten Wellenbad unter den Nagel gerissen. Und erst am Mittwoch war der letzte Schnäppchenjäger da: Er hat sich den Schriftzug „Gaststätte“ über der einstigen Badstuben gesichert. la

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