Grimmig wie Greta

Penzberg im Klima-Hype: Flut von Anträgen und Garantie für einen Listenplatz

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Nicht mehr nur die Schüler gehen auf die Straße, mittlerweile haben auch die reiferen Herrschaften den Klimaschutz für sich entdeckt.

Penzberg – Wenn das die kleine, stets so grimmig dreinblickende Greta wüsste, sie hätte wohl ihre helle Freude daran, auch wenn sie sich die aller Voraussicht nach nicht anmerken lassen würde: Penzberg ist vom Klima-Hype voll erfasst.

Fridays marschiert die Jugend der Stadt for future, und wenn sich darunter immer mehr gereiftere Menschen wie etwa der Direktor des Gymnasiums mischen, dann sagt dies schon etwas aus über die Wichtigkeit, die man diesem Thema auch hierorts inzwischen beimisst. Dazu kommt eine Bürgermeisterin, die innerhalb von zwei Tagen zu der Erkenntnis gelangt, dass ihre Verleugnung des Klimanotstands in Penzberg zwar vielleicht sachlich begründet, in Zeiten des heraufziehenden Wahlkampfes aber auch etwas töricht gewesen sein mag, weshalb sie sich flugs an die Spitze der Bewegung setzen möchte. Und überhaupt: Wenn sich Jugendliche, wie am Dienstagabend, freiwillig eine Stadtratssitzung antun, dann ist das für jene, die dort sitzen und tagen, ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Hütte brennt. Im Rathaus schlägt man derweil die Hände über dem Kopf zusammen, weil man aktuell sechs Klimaanträge aus den Stadtratsfraktionen abzuarbeiten hat, darunter alleine fünf von den Grünen. 

Grimmige Grete, grimmiger Jabs

Armin Jabs schaut bisweilen so, dass man meinen könnte, er sei mit Greta verwandt. Der Fraktionsvorsitzende der Bürger für Penzberg (BfP) glaubt aber auch allen Grund für einen grimmigen Gesichtsausdruck zu haben. „Schließlich wurden Anträge zum nachhaltigen Klimaschutz von der Mehrheit im Stadtrat bereits im Jahr 2012 abgelehnt“, sagt er und verweist auf einen Antrag aus dem November jenes Jahres zur Umsetzung der Energiewende mit einem konkreten Maßnahmenplan, der auch eine Mitbestimmung von Schülern vorsah. Die BfP am Ende der Erfinder von Greta Thunberg? Nun, unstrittig ist zumindest, dass Jabs Kollegen im Jahr 2013 mit ihrem Vorstoß für das Stadtradeln im Stadtrat scheiterten, mittlerweile tritt Penzberg mit zunehmender Begeisterung in die Pedale. 

BfP gegen die Ausrufung des Klimanotstandes

So weit wie die Schüler bei ihrer Demo vorvergangenen Freitag und das als flankierende Maßnahme eiligst aus der Taufe gehobene und durchweg mit Erwachsenen besetzte Aktionsbündnis will man bei den BfP aber nicht gehen. „Wir sind gegen die Ausrufung des Klimanotstands, weil dieser Begriff zu unbestimmt und rechtlich unverbindlich ist und uns für die konkrete Arbeit nicht weiterbringt“, sagt der BfP-Vorsitzende Markus Braun. Und auch die grundsätzliche Forderung nach einer grundsätzlichen Verpflichtung der Stadt sich im Zweifelsfall pro Klima-, Arten- und Umweltschutz zu entscheiden, auch wenn dies mehr kostet, erachtet man bei den BfP für den falschen Ansatz: „Eine pauschale Zusage wäre nicht sachgerecht, eine Abwägung im Einzelfall ist hier angezeigt“, sagt Braun. Er verweist dabei auf die Diskussion um den Hotelstandort: „Der Kirnbergsee wäre damit gar nicht in die Auswahl gekommen, andererseits wäre bei der Kleingartenanlage im Breitfilz mit Einschnitten zu rechnen.“ 

Ein eigenes Referat für Umweltbelange

Fraktionschef Jabs hat nun aber einen Antrag vorgelegt, der in Teilbereichen sogar über die Fridays-Forderung hinausgeht. Während Schüler und Aktionsbündnis eine Vollzeitstelle für einen Klimaschutzbeauftragten im Rathaus forderten, wollen die BfP in der Stadtverwaltung gleich ein eigenes Referat „Klima-, Natur- und Umweltschutz“, das „für die entsprechenden Prüfungen verantwortlich zeichnet und den Bürgern kostenfrei für Einzelfallberatungen zur Verfügung steht“. Darüber hinaus soll die Stadtverwaltung die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf städtischen Mietgebäuden mit der Anwendung von geförderten Mieterstrommodellen ebenso prüfen wie die Frage, ob mit Zuschüssen von etwa zehn Prozent der Herstellungskosten die Errichtung von privaten Photovoltaikanlagen gefördert werden kann. 

Grünes Paket mit fünf Anträgen

Die Kernkompetenz für das Klima liegt aber trotzdem noch immer bei den Grünen, was alleine schon dadurch unterstrichen wird, dass diese nun ein Paket mit fünf Anträgen und einer kaum zu überblickenden Zahl von Forderungen auf einmal im Rathaus abgeladen haben. Alleine der Antrag zur Förderung der Biodiversität im Stadtgebiet umfasst zwölf Unterpunkte, die vom Ungefähren (Reduktion des Flächenverbrauchs) bis zum Konkreten (Einführung einer verpflichtenden Dachbegrünung auf Flach- und Pultdächern, sofern diese nicht für Solarenergie genutzt werden) reichen. Bei ihrem Antrag „Aktiver Klimaschutz“ haben sich die Grünen kürzer gefasst und auf sieben Unterpunkte beschränkt. Da ist dann vom Ausbau des Radwegenetzes die Rede, vom verstärkten Schutz der Moore und Wälder oder vom Bestreben, Penzberg bis zum Jahr 2030 in eine klimaneutrale Stadt zu verwandeln. 

Keine Böller an Silvester

Einen eigenen Antrag widmen die Stadträte um Fraktionssprecherin Kerstin Engel einem klimafreundlichen Baustandard, mit dem angestrebt werden soll, dass bis zum Jahr 2030 alle städtischen Gebäude energetisch saniert sein müssen. Außerdem will man allen Privatpersonen eine Prämie von 7.500 Euro zuteil werden lassen, die Neubauten im Passivhausstandard errichten oder bei einer Gebäude­sanierung die gleichen strengen Werte erzielen. Da hätte Greta sicher nichts dagegen einzuwenden, was im Übrigen auch auf Antrag Nummer vier zutreffen dürfte. Darin fordern die Grünen, dass bei Veranstaltungen auf städtischen Grundstücken künftig ein Verbot für die Verwendung von Plastikgeschirr gelten soll. Ob sich die kleine Schwedin allerdings für Feuerwerk interessiert, wurde von den Weltmedien noch nicht eingehend erörtert. Für Penzbergs Grüne aber steht fest: das Geböllere braucht es nicht. Statt dessen will man künftig das Volksfest mit einer Lasershow ausklingen lassen und dies an Silvester wiederholen, wie man dies bereits in Straubing oder Kreuth pflegt und somit nicht nur vielen Tieren einen großen Schrecken erspart, sondern auch einen Beitrag zur Minimierung der Feinstaubbelastung leistet.

Von der Straße auf die Stadtratsliste

Ganz so weit wie die BfP aber wollen die Grünen nicht gehen: Die Bürger für Penzberg wollen Hannah Hoffmann oder Lukas Bogner oder Jakob Ohage, den drei bereits volljährigen Organisatoren der hiesigen „Fridays for Future“-Demos, einen Platz unter den ersten zehn auf ihrer Stadtratsliste zur Verfügung stellen. „Damit schaffen wir im Falle der Wahl einer dieser Jugendlichen auch verbindlich die Möglichkeit einer direkten Mitsprache im Stadtrat“, sagt Markus Braun und grinst dabei, wie Greta nie grinsen würde. la

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