Das Herz gab auf

Hündin stirbt nach Gassigang in Iffeldorf qualvoll

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Ein paar Happen von vergammeltem Fleisch in einem Waldstück an den Osterseen ließen das Leben von Hündin Jule schmerzvoll enden.

Iffeldorf – Plötzlich lag der karamellfarbene Körper auf der Erde. Sie liebte es zu rennen, lief unentwegt, und nun lag sie einfach da, ohne jegliche Kontrolle über ihren Körper. Krämpfe bestimmten jede Bewegung der Pfoten, der Rute, der langen Ohren. Wenige Stunden später ist die Hündin tot.

Auch Tage später fällt es Anne Dierkes schwer, Worte zu finden, Worte für den Tag, an dem sie ihre Hündin verlor. Nur, weil jemand glaubte, seinen Müll in der Natur entsorgen zu müssen. Dabei schien der vorausgegangene, verhängnisvolle Abend ein völlig normaler zu werden. Dierkes Tochter Paulina schnappte sich ihr Pferd und Hündin Jule und ritt eine Runde in Iffeldorf um die Osterseen. Der Vierbeiner wich dem Mädchen kaum von der Seite. Die Hündin war es schließlich gewohnt, bei Fuß und im sportlichen Tempo zu laufen, trotz der zehn Jahre auf ihrem karamellbraunen Buckel. „Sie war fit wie ein Turnschuh“, sagt Anne Dierkes. Auf Wanderungen in den Bergen, beim Radfahren oder Inlineskaten flatterte die Zunge der Magyar-Vizsla-Hündin im Wind. Auch an jenem Abend. Gelegentlich schnupperte sie hier und da, ansonsten folgte die Hündin dem Traben und dem Galopp des Pferdes. Doch als Paulina zum Stall zurückkehrte, fiel die Hündin plötzlich um, Krämpfe durchzogen den Körper. Dierkes Tochter versuchte den heftig zuckenden Körper ins Auto zu bekommen, was ihr nur mit Mühe gelang. Während der Fahrt telefonierte sie mit ihrer Mutter. „Ich habe gehört, wie es im Auto polterte“, so Anne Dierkes. 

Die Krämpfe waren massiv und verloren auf der Fahrt zur Tierklinik in Weilheim kein bisschen an Intensität. Dort angekommen konnte Paulina die leidende Jule nicht aus dem Auto heben, nur mit Hilfe der Tierärztin, die in den darauffolgenden Stunden um das Leben des Tieres kämpfte. Narkose, Infusionen, Magenspülung. Versuche, die Hündin dann aus dem Schlaf zurückzuholen, misslangen, jedes Mal kehrten die heftigen Krämpfe zurück. Auch noch am nächsten Tag. „Dann hörte ihr Herz auf zu schlagen“, sagt Anne Dierkes leise. Ein leichtes Zittern bestimmt ihre Stimme. Was folgte war erst einmal ein „Schockzustand“, so Dierkes. Dann habe die Tierärztin der Familie mitgeteilt, dass die Hündin an einer Vergiftung gestorben sei. Gemeinsam mit einer Freundin ging Tochter Paulina die Gassistrecke noch einmal ab, und entdeckte dabei am Wegesrand Müll, Plastikverpackungen, verrottetes und verdorbenes Fleisch. Davon muss Jule etwas gefressen haben. Da half es auch nichts, dass die Hündin rasch in die Klinik gebracht wurde, die Giftstoffe waren unheimlich schnell in ihren Organismus gelangt. Eine Vergiftung mit Folgen, die selbst die Tierärztin noch nie „so krass erlebt“ habe, erinnert sich Anne Dierkes an ein Gespräch mit der Veterinärin, die „über ihre eigentliche Schicht hinaus vor Ort geblieben“ sei, um Jule von den Krämpfen zu befreien. Vergebens. Schließlich befreite das eigene Herz die Hündin von dem Leid. 

„Ich kann dafür gar nicht die richtigen Worte finden“, meint Anne Dierkes, wenn sie an den Menschen denkt, der so rücksichtslos Abfall im Wald abgeladen hat. „So ein Verhalten ist unverantwortlich, ja sogar tödlich“, klagt Dierkes. Sie hofft nun, dass ihre Geschichte und die ihrer qualvoll verstorbenen Hündin andere Hundebesitzer warnt und sie so verhindern kann, dass weitere Tiere leidvoll dahinsiechen. „Seid euch der Gefahren bewusst, selbst wenn der Hund sich nicht von seinem Menschen entfernt, man sich auf gewohnten Wegen bewegt und ihr wisst, was ihr tut und Rücksicht nehmt, es gibt immer wieder andere Menschen, die das nicht tun“, appelliert Dierkes, deren Hündin qualvoll sterben musste, nur weil jemand den Wald als Mülleimer betrachtete. ra

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