Scheu vor Standards

Museum Penzberg hat wieder geöffnet und arbeitet an seiner virtuellen Präsenz

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Mit Maske im Gesicht und Hinweisschildern am Eingang öffneten Romina Wutz, Anne Götzelmann und Freia Oliv (von links) gestern die Museumstür.

Penzberg –Ein wenig still war es in den vergangenen Wochen um das Museum Penzberg geworden. Während sich die Mitarbeiter der Museen in Kochel oder Bernried in die virtuelle Welt begaben und dort durch die Ausstellungen führten, fand sich auf der Startseite der Homepage des Penzberger Kunsthauses lange Zeit ein Eintrag aus Mitte März: „Aus aktuellem Anlass ist das Museum vorübergehend geschlossen“. Am Dienstag öffnete das Museum Penzberg nun wieder, aber auch hinter verschlossenen Türen hatte das Team gearbeitet, „an kreativen und persönlichen Formaten“, verrät Museumsleiterin Freia Oliv. Denn eines will man in Penzberg keineswegs: Standard sein.

Verübeln kann man es dem Museums­team nicht, dass Werke der Dauerausstellung noch immer nicht online besichtigt werden können, denn wollen würden die kunstliebenden Damen das schon, doch können sie es eben nicht, noch nicht. Die Arbeiten von Heinrich Campendonk sollen nämlich durchaus online präsentiert werden, und zwar nicht nur in Corona-Zeiten. Doch „wir hängen noch an den Bildrechten“, sagt Oliv, „die sind sehr hochkarätig“. Damit nicht zu hohe Kosten auf die Stadt zukommen, muss das Team noch Lösungen finden. Aus der Not eine Tugend machen und virtuelle Führungen durch das Museum anbieten oder nach und nach Bilder online präsentieren, das möchte Oliv aber nicht. Zwar ist sie sich durchaus bewusst, dass in der Zeit, als das Museum der Pandemie wegen geschlossen sein musste, Internetpräsenz nicht hätte schaden können, doch wollte sie nicht einfach Werke oder bereits gehaltene und gehörte Vorträge ins Netz stellen. Von „Standardfomaten“, hält Oliv nichts, „wir wollen kreative Formate, und auch persönliche“. In Videos könnten die Museumsführerinnen, die unter der Corona-Situation „besonders leiden“, so Oliv, beispielsweise ihr Lieblingswerk den Betrachtern näherbringen. Auch einen Audioguide kann sich Oilv für die Museumshomepage vorstellen, obwohl es dafür bislang noch an Mitteln im Budget mangelt. 

Wenn Oliv auf die Sonderausstellung „Rasenglück. Die Erfindung des Elfmeterschießens“ blickt, welche schon längst hätte eröffnet sein sollen, so denkt sie durchaus auch ans Virtuelle. Denn was die Sonderausstellung anbelangt, so hätte das Team hier keine allzu großen Probleme mit den Bildrechten, doch man haderte noch und wollte abwarten, bis das Museum, wieder öffnen darf. Denn eigentlich erst mit der Eröffnung wolle man die Sonderausstellung auch online präsentieren, nicht im Ganzen, sondern schlaglichtartig in Form von kleineren Beiträgen wie etwa Interviews. 

Doch wie es sich für eine echte Kunstliebhaberin gehört, möchte Oliv nach wie vor den Besuchern den direkten Blick auf die Kunstwerke ermöglichen, nicht am Bildschirm, sondern wenige Zentimeter vom Papier, von der Leinwand entfernt im Museum. Dass die Kunstvermittlung nach der Wiedereröffnung und in Corona-Zeiten jedoch nicht so ablaufen kann, wie gewohnt, dessen ist sich Oliv freilich bewusst. Nun wird das Programm eben umgestellt, Oliv denkt dabei an Kunstrallyes oder auch „exklusive Geschichten“. Und auch an einem Hygienekonzept hat das Museumsteam gearbeitet, so wird nun etwa die Besucherzahl auf maximal sechs, ab dem 19. Mai auf maximal 15 Personen begrenzt, neuralgische Flächen werden ständig gereinigt und es gilt, wie fast überall, Abstand zu wahren, die Nies- und Hust-Etikette zu beachten und einen Mundnasenschutz zu tragen, der übrigens auch im Museum erworben werden kann. Ein solches Konzept war unbedingt notwendig, denn „bei uns stehen zwei, drei Besucher in einem Raum, und schon ist er befüllt“, sagt Oliv mit Blick auf die kleinen Räumlichkeiten des Museums, von welchen bislang nur die geöffnet sind, an deren Wänden Werke der Dauerausstellung hängen. 

Eine Woche später, ab 19. Mai, folgen weitere Räume, welche die „Rasenglück“-Sonderausstellung präsentieren. Eine feierliche Eröffnung mit Sektempfang, Reden, Führungen und vielen Menschen kommt aber nicht in Frage, „eine Vernissage können wir nicht machen“, bedauert Oliv. Plakate und Flyer sind aber vorbereitet, die auf eine ungewollt stille Eröffnung aufmerksam machen sollen. ra

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