Pauken ohne Tischnachbarn

Schulen nehmen Unterricht für Abschlussklassen mit Masken und viel Abstand wieder auf

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Verändertes Bild: In der Bürgermeister-Prandl-Mittelschule werden die Schüler unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen auf die Prüfungen vorbereitet. Ein Plausch mit dem Banknachbarn ist da nicht mehr drin.

Penzberg – Noch nie war es schwieriger, unauffällig zu spät zu kommen, als in diesen Tagen. Denn jeden Morgen gegen halb acht stehen Lehrer der Mittelschule am Eingang an der Südstraße und begrüßen ihre Zöglinge, nicht aus reiner Höflichkeit, sondern um zu schauen, ob die Maske im Gesicht sitzt und die Schüler ohne Umwege in den Unterricht gehen. Seit Anfang dieser Woche sind die Abschlussklassen in Penzbergs Schulen zurückgekehrt.

Es ist schwer, die Gefühle von Bärbel Abenthum-Brandt, der Rektorin der Mittelschule, und ihrer Stellvertreterin Simone Köppl im Gesicht abzulesen, der Großteil der Mimik ist unter einem Mundnasenschutz versteckt. In ihren 43 Dienstjahren habe sie schon vieles erlebt, aber „so etwas noch nie“, sagt Abenthum-Brandt, während sie in einem stillen Schulgang steht, in dem es sonst hallt, bis der Gong ertönt. Überall hängen Plakate mit Hygieneregeln. In einigen Klassenzimmer herrscht wieder Betrieb, 89 Neunt- und Zehntklässler werden seit Montag vier Stunden täglich in den Kernfächern unterrichtet. „Die Klassen wurden in kleinere Gruppen aufgeteilt“, sagt Köppl. Im Unterrichtsraum hat jeder Schüler einen Tisch für sich allein, mit viel Abstand zu seinen Mitschülern. Pausen findet versetzt statt. 

Ohne Umwege ins Klassenzimmer

„Alles läuft sehr diszipliniert ab“, meint Köppl nach dem neuen Morgenritual: Wie Wächter stehen Lehrer am Eingang der Schule, nuscheln ein „Guten Morgen“ unter dem Mundschutz den Schülern entgegen, und die Jugendlichen nuscheln zurück, sobald sie sich die Maske aufgesetzt haben und ohne Umwege ihr Klassenzimmer ansteuern. Disziplin, die kaum verwundert, denn Abenthum-Brandt hat sämtliche Maßnahmen „im Vorfeld publik gemacht“. Am ersten Tag wurde jedem Schüler eine Einwegschutz gestellt, aber „90 Prozent hatten eine selbstgenähte Maske dabei“, erinnert sich Simone Köppl. Bereits am 8. Mai beginnen die Prüfungen für den „Quali“, auf die nun hingearbeitet wird und in den vergangenen Woche mit allerlei digitalen Möglichkeiten auch wurde. Weil auch während der Prüfungen Distanz gewahrt werden muss und beispielsweise die Projektprüfungen nicht von Gruppen, sondern nur solo absolviert werden dürfen, zieht sich die Prüfungsphase deutlich länger hin. Doch „wir bleiben positiv, damit auch die Schüler positiv bleiben“, sagt Klöppl und scheint unter ihrer Maske zu lächeln. 

Sitzen ohne Mundschutz

Auch in der Heinrich-Campendonk-Realschule besuchen seit Anfang dieser Woche 88 Schüler wieder den Unterricht, und zwar gemäß dem gewohnten Stundenplan. Denn nach Wochen der Schließung wäre es vermutlich schwer gewesen, nach außen zu vermitteln, dass nun ein verkürzter Unterricht stattfindet, sagt Rektor Severin Hammel. Gleicher Stundenplan, weniger Schüler, und dennoch „verdoppelt sich der Bedarf an Raum und Personal“, so Hammel. Wie in der Mittelschule werden die Abschlussklassen in kleinen Gruppen unterrichtet, jeder Schüler sitzt immer am gleichen Einzeltisch, aber ohne eine Maske im Gesicht. „Wenn sich die Schüler bewegen, tragen sie einen Mundschutz“, berichtet Hammel, etwa in den zeitlich versetzten Pausen. Und natürlich morgens: Auch in der Realschule warten ab halb acht Aufsichten am Eingang, die darauf achten, dass die Jugendlichen mit Mundnasenschutz kommen. Maßnahmen wird es auch bei den Prüfungen geben, kommende Woche steht das Englischkolloquium an. Und während der Prüfling auf Englisch parliert, dürfte ihm der Geruch von Desinfektionsmittel, mit welchen die Flächen ständig besprüht werden, in der Nase stechen. 

An Abstand erinnern

Eine Maskenpflicht gibt es auch am Gymnasium nicht, wenngleich viele Abiturienten am ersten Schultag nach dem Lockdown einen eigenen Mundnasenschutz in der Tasche hatten und diesen seither in der Schule tragen. Dort wird nun ebenfalls in kleineren Gruppen und an Einzeltischen gearbeitet, zugleich sollen größere Räume dafür sorgen, dass sich noch leichter Abstand halten lässt. An Distanz und daran, diese zu wahren, erinnern auch die Lehrer, die am Morgen vor Unterrichtsbeginn an den Türen stehen. 

Einen Moment lang Corona vergessen

Wächter scheint es also in allen drei Schulen zu brauchen. Zwar seien die Jugendlichen darum bemüht, Abstand zu halten, doch manchmal werde diese Regel auch mal vergessen, sagt Realschulleiter Hammel. Es gibt sie eben noch, diese Momente, in welchen Corona kurz einmal verschwunden scheint, auch wenn diese Momente rarer werden. ra

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