Zwischen Freude und Skepsis

Vor der Öffnung der Biergärten: Nicht alle Wirte profitieren von den Lockerungen

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Der Biergarten an der Stadthalle ist bereit: Wirt Adrian Auer aber bleibt skeptisch, wie das mit den Corona-Einschränkungen in der Praxis funktionieren soll.

Penzberg – Für die meisten Restaurant- und Biergartenbetreiber ist es zumindest ein kleiner Lichtblick, dass ab Montag die Außengastronomie bis 20 Uhr wieder öffnen darf, doch von einer Rückkehr zur Normalität sehen sich viele noch weit entfernt. Die Wirte hoffen auf gutes Wetter und viele Biergartenbesucher, appellieren jedoch vor allem an die Vernunft der Gäste auf Abstand zu bleiben. Nachvollziehbar, denn Abstand ist in Corona-Zeiten das Gebot der Stunde. Einigen Gastronomen in Penzberg, besonders von kleineren Lokalitäten, machen genau diese Regeln eine Öffnung allerdings fast unmöglich, weil sich für ein paar Tische die Einnahmen nicht rentieren.

Nachdem seit der neuesten Lockerung der Corona-Beschränkungen wieder Treffen zwischen Personen zweier Hausstände erlaubt sind, soll diese Regelung nun auch für Gaststätten gelten. Laut Innenminister Joachim Herrmann orientiert man sich hier an der momentanen Kontaktbeschränkung. Hat man erst mal einen Tisch ergattert oder bestenfalls vorab reserviert, gilt die Bedeckung von Mund und Nase als ein Muss und darf erst am Sitzplatz abgenommen werden. Einmal durchatmen also, bevor man sich die erste Maß des Jahres und den frischen Braten aus der Küche genehmigt. 

Hoislbräu

Anders sieht es dagegen für die Mitarbeiter im Service aus, für sie ist der Mund-Nasen-Schutz durchgehend Pflicht. Und auch das Küchenpersonal muss vermummt mit Kochtöpfen hantieren außer, ein Abstand zu den Kollegen von 1,50 Metern kann eingehalten werden. „Bei uns klappt das ganz gut, denn jeder hat seinen Arbeitsbereich und es gibt Ablageflächen, von denen aus weitergereicht wird“, erklärt Maria Dehmelt vom Hoislbräu. Der Biergarten wird deshalb am Wochenende bestuhlt, damit am Montag alles bereitsteht. „Wir werden dann immer bei schönem Wetter offen haben, wenn es sein muss auch sieben Tage. Ruhetage gibt es erstmal nicht mehr“, so Dehmelt. 

Märznhof

Nur gut ein Drittel der Gäste findet im Märznhof ab Dienstag (Montag ist Ruhetag) an den neu angeordneten Tischen Platz. „Wir freuen uns schon sehr, wieder öffnen zu können, und sind sehr bemüht, alle Regeln zu befolgen“, so Michaela Höck. Aber sie plädiert auch an die Vernunft der Gäste: „Ich hoffe, dass jeder seinen Mundschutz trägt, Abstand hält und am besten eine Tischreservierung vorab macht. Dann können wir die Leute direkt an die Tische führen.“ Für ihr Personal suchen die Höcks gerade nach Maskenalternativen. „Wir überlegen, ob wir für unsere Küchenkräfte eine Art Visier anfertigen lassen. Weil in der Küche oft Temperaturen von 35 Grad herrschen, würde man damit besser Luft bekommen“, erklärt Michaela Höck und denkt auch an die Bedienungen, die im Sommer bei Höchsttemperaturen arbeiten. 

Wirtshaus zur Koinschaufe

Adrian Auer vom Wirtshaus zur Koinschaufe hat zwar ebenso das Glück, seinen Biergarten öffnen zu können, tut dies aber mit reichlich Bauchgrummeln. „Meine größte Sorge ist, dass sich die Leute nicht an die Regeln halten. Ich bin Wirt, aber kein Security-Mensch“, betont er. Im Biergarten neben der Stadthalle hat er die Sitzplätze um rund die Hälfte auf 100 reduziert. „Am 21. Mai ist Vatertag, da machen wir uns schon Gedanken, wie das wird. Eventuell müssen wir von Gästen die Daten aufnehmen, nach jedem Gast die Tische desinfizieren und darauf achten, dass nur zwei Personen auf die Toilette gehen. Ich bin sehr skeptisch, wie das funktionieren soll“, erklärt Auer. 

Gasthaus Berggeist

Auch Ivan Buric vom Gasthaus Berggeist ist gespannt: „Im Außenbereich haben wir die Plätze etwas reduzieren müssen, aber innen wird es ein Problem. Da können wir nur jeden zweiten Tisch besetzen. Kommen dann nur ein oder zwei Personen pro Tisch, rechnet es sich nicht.“ Mit dieser Sorge ist Buric nicht allein, denn die Auflagen in den Gasträumen umzusetzen, wird für fast alle Wirte eine enorme Herausforderung. 

Aris Taverna

Für manche ist dies einfach nicht machbar, wie etwa in Aris Taverna an der Bahnhofsstraße. „Für uns rechnen sich die paar Tische, die wir draußen stellen dürften, einfach nicht. Wir müssten das Personal in der Küche wieder aufstocken und dann sitzt vielleicht nur eine Person am Tisch. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass jeder Tisch mit vier Personen voll besetzt ist“, so Ari Mitsis. Im Innenbereich hat die Griechin noch weniger Hoffnung auf eine baldige Öffnung: „Innen ist der Raum bei uns so schmal, dass wir von zehn Tischen vielleicht vier stellen könnten. Wir warten jetzt den Mai ab und schauen, wie es im Juni aussieht.“ Noch zehren die Mitsis aus ihren privaten Rücklagen, „doch ewig halten wir das nicht durch, sagt Ari Mitsis. au

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