Rechtfertigung statt Bedauern

Umstrittene Klassifizierung der Rathausmitarbeiter: Zehetner verteidigt Wortwahl

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„Ich habe nur die geltende Rechtslage wiedergegeben“: Elke Zehetner in ihrem Schreiben an die Belegschaft.

Penzberg – Der Bürgermeisterwahlkampf in Penzberg nimmt nicht an Stärke zu, er wurde mit Stärke eröffnet: Seit der Podiumsdiskussion der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Donnerstag stehen nicht Sachthemen im Vordergrund, sondern der Führungsstil von Rathauschefin Elke Zehetner.

Zehetner hatte bei der Frage nach der vermeintlich hohen Fluktuation in der Stadtverwaltung zunächst erklärt, dass während ihrer Amtszeit zehn Prozent der Mitarbeiter das Rathaus verlassen hätten, ehe sie vor allem mit Blick auf den Bauhof erklärte, dass dort auch Leute beschäftigt seien, die in der freien Wirtschaft keine Anstellung finden würden. Am Sonntag rechtfertigte sie dann ihr Verhalten in einem Schreiben an alle Mitarbeiter der Verwaltung. Nun wollen die Bürger für Penzberg (BfP), Penzberg Miteinander und die Grünen Einblick in die bisher noch unter Verschluss gehaltene Befragung aller Beschäftigten der Stadtverwaltung erhalten. 

Von der Stadtverwaltung, so hatte Zehetner ganz am Ende der Podiumsdiskussion erklärt, erwarte jeder Bürger jeden Tag Höchstleistung. Dies sei aber nicht möglich, weil dort „Bestleister, Mittelleister und Leister“ beschäftigt seien – und eben im Bauhof auch Leute, die nur im öffentlichen Dienst eine Anstellung fänden. Empörtes Raunen im Saal und versteinerte Mienen bei der SPD waren die unmittelbare Folge. Die mittelbare Konsequenz folgte dann am Sonntag, als sich Zehetner an alle Rathausmitarbeiter wandte. Dabei rechtfertigte Zehetner ihre Wortwahl, die weder unsäglich noch ein „rhetorischer Fauxpas“ gewesen sei, sondern „schlicht die Ihnen allen bekannte geltende Rechtslage“ wiedergegeben habe. Sie verwies in dem Schreiben auf „die gesetzliche Pflicht zur dienstlichen Beurteilung und die damit einhergehende Einstufung in Leistungskategorien“. Und weiter heißt es: „Die dienstliche Einwertung steht aber in überhaupt keinem Zusammenhang mit der menschlichen Wertschätzung, die ich jeder und jedem einzelnen von Ihnen immer schon entgegengebracht habe und entgegenbringe“. Und dass der öffentliche Dienst auch Beschäftigte aufnehme, „die sich in der Privatwirtschaft vielleicht etwas schwerer tun, ist Ausdruck eines fürsorglichen Arbeitgebers, wie es die Stadt Penz­berg ist“. Das mag alles richtig sein, ein Wort des Bedauerns über die, wie die SZ kommentierte, „Entgrenzung im Denken und Sprechen“ wäre an dieser Stelle aber auch nicht die schlechteste Reaktion Zehetners gewesen. 

Dabei könnte dies erst der Anfang der Diskussion über ihren Führungsstil gewesen sein. Denn der fraktionsübergreifende Antrag, dass Zehetner die Befragung der Rathausmitarbeiter dem Stadtrat vorlegen soll, birgt politischen Zündstoff, weil all jene im Stadtrat, die dies ablehnen, sich dem Verdacht aussetzen würden, ein Ergebnis, das auf einen gestörten Betriebsfrieden im Rathaus hinweist, aus wahltaktischen Gründen weiter unter Verschluss halten zu wollen. la

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