Das letzte Mal serviert

Die Post-Anni hört mit 85 Jahren in der „Schönen Aussicht“ als Bedienung auf

Abschied nach 20 Jahren: Anna Albert (2. von links) mit Wirt Thomas Schmid (links), dessen Sohn Josef und dessen Eltern Josef und Erika.

Penzberg – Ließ man beim 70. Geburtstag von Ludwig Schmuck in der „Schönen Aussicht“ den Blick durch den Saal schweifen, erblickte man eine Frau mit kurzen grauen Haaren, die trotz ihrer 85 Jahre vor Leben nur so sprühte: Anna Albert, die bis vor wenigen Tagen hier selbst noch bediente. 

Am 30. Dezember 1934 erblickte Anna Albert in Wielenbach das Licht der Welt. Wenn man in hiesigen Stammtischkreisen diesen Namen erwähnt, kann keiner etwas damit anfangen. Bekannt wurde sie nämlich als Post-Anni, was darauf zurückzuführen ist, dass sie nicht weniger als vier Jahrzehnte in der traditionsreichen Benediktbeurer Wirtschaft bediente. Insgesamt bringt sie es auf beeindruckende 67 Berufsjahre, die 1953 in Apfeldorf ihren Anfang nahmen. Die Post-Anni war in all dieser Zeit vor allem eines: Bedienung aus Leidenschaft. Eine Leidenschaft, die schon früh geweckt wurde, als sie für ihren Großvater mit dem Maßkrug zum Bierholen geschickt wurde. „Da hat für mich festgestanden, dass ich Bedienung werden möchte“, blickt sie weit zurück.

Als Anna Albert im Jahr 2000 in der Benediktbeurer Post die letzte Halbe auftrug, zog sie sich eigentlich in den Ruhestand zurück. Vom Bedienen konnte sie aber trotzdem nicht lassen und landete schließlich beim Schmid Sepp in der „Schönen Aussicht“. Das war insofern sehr praktisch, weil die Gaststätte in Reindl nicht jeden Tag geöffnet hatte, sie aber trotzdem jenes vor allem von Stammgästen geprägtes Publikum hatte, das sie so sehr liebt. Da darf es nicht verwundern, dass es das donnerstägliche Weißwurstessen in der „Schönen Aussicht“ ohne die Post-Anni gar nicht gäbe. 

Und obgleich die Post-Anni wohl der beste Beweis dafür ist, dass man in der Gastronomie sehr jung bleiben kann, wenn man nur Spaß bei der Arbeit hat, ist jetzt definitiv Schluss. In die Gaststube wird sie nur noch als Gast zurückkehren, wenn ihre zweite große Leidenschaft, das Stricken, ihr die Zeit dazu lässt. la

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