Eine neue Heimat

Von Grafenaschau nach Schlehdorf: Evangelisches Pflegezentrum Lindenhof eingeweiht

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Das neue Seniorenheim, das in seiner Bauform an die Bauernhöfe der Umgebung erinnert.

Schlehdorf - Das neue Seniorenheim strahlte mit der Landschaft um die Wette und die Gesichter der Festredner zierte ein Lächeln. Sieben nicht immer leichte Jahre liegen hinter den Verantwortlichen des Projektes. An die Bauverzögerungen und Kostensteigerungen wollte an diesem Tag aber niemand denken.

Mit dem Psalm „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasst uns freuen darin und fröhlich sein“, begrüßte Günther Bauer von der Inneren Mission München die Belegschaft und Gäste. Grund zum Freuen hatte der Vorstand des Diakonieunternehmens allemal, denn der „Lindenhof“ in Schlehdorf dient auch als neue Heimat für die Bewohner des gleichnamigen Seniorenheims in Grafenaschau, das „der Grausamkeit des Wohnqualitätsgesetzes“ zum Opfer gefallen sei. Das Besondere an der Einrichtung am Kochelsee sieht Bauer in der Überwindung von Landkreisgrenzen. Sein besonderer Dank galt den „Zugpferden“, den Bürgermeistern Stefan Jocher und Manfred Sporer, ohne deren Standhaftigkeit man heute nicht hier wäre. 

Jocher betonte als Repräsentant der Eigentümer des Pflegezentrums die historische und soziale Verantwortung, aus der heraus zwei kleine Gemeinden im Zweckverband dieses Großprojekt angepackt haben. Schon ab 1863 stand an gleicher Stelle das „Armen- und Krankenhaus Kleinweil, Großweil, Schlehdorf“, welches 41 Plätze für pflegebedürftige Menschen bis 1977 bereitstellte. Einen Architektenwettbewerb für den Neubau hatte das Murnauer Büro Kottermair und Rebholz für sich entschieden, was Jocher als „Glücksfall“ bezeichnete. Auch der Betreiber, die „Hilfe im Alter“ der Inneren Mission München, wurde aus vier Bewerbern ausgewählt. Der evangelische Träger sei „ein hoch kompetenter Partner“, schwärmte Jocher, bevor er mit einer Anekdote für Erheiterung sorgte. „Müssen‘s denn unbedingt Protestanten sein“, habe ihn eine hochbetagte Schlehdorferin gefragt, woraufhin er geantwortet habe: „Denk dir nix, des san au Christen.“ 

Gut gelaunt zeigte sich auch Josef Niedermaier, schließlich fördert sein Landkreis die neuen Pflegeplätze mit insgesamt 600.000 Euro. „Es gibt nicht viele Seniorenheime, wo der Aushub mit der Zahnbürste gemacht wurde“, scherzte der Landrat über die archäologischen Ausgrabungen. Niedermaier dankte dem Betreiber für seine Standfestigkeit und wünschte den Mitarbeitern „allzeit die Motivation und Kraft, diese schwere Arbeit zu tun.“ 

Gerhard Prölß, Geschäftsführer der gemeinnützigen Hilfe im Alter, erklärte, dass der auf der Einladung abgedruckte Psalm, der von einem Gott spricht, der Menschen nach Hause geleitet, so gut zum Seniorenheim passe, weil die überwiegend demenziell Erkrankten in ihrer eigenen Welt leben. „Wir wollen die Einrichtung aber für alle Pflegebedürftigen aus dem Einzugsbereich Schlehdorf, Großweil und Kochel öffnen“, betonte der Altenpflegefachmann, der sich eine gute Vernetzung mit dem Dorf und ein „offenes Haus voller Leben“ wünscht. Auch wenn nichts Negatives diesen Tag beeinträchtigen sollte, konnte sich Prölß Kritik Richtung Berlin nicht verkneifen. Die 13.000 neuen Pflegestellen hält er angesichts 40.000 unbesetzter Stellen für eine „politische Floskel, die nicht die Wurzel des Problems packt“, die generalistische Pflegeausbildung samt Umlageverfahren für ein „anrollendes Bürokratiemonster“. Zudem gehöre die Pflegeversicherung „auf den Kopf gestellt“, fand der Geschäftsführer, so sollten Bewohner einen Sockelbetrag zahlen und die Versicherung die jährlichen Kostensteigerungen übernehmen, nicht andersherum. „Es werden Projekte gemacht, bei denen nicht an die Menschen gedacht wird“, kritisierte Prölß. 

Mit der Vorstellung des Hauses wandte sich Architektin Onni Rebholz dann wieder dem Erfreulichen zu. Nach sieben Jahren Planung und Bauzeit, während der man viele Steine aus dem Weg geschaffen habe, würden nun Menschen in dem neuen Gebäude an geschichtsträchtiger Stelle eine neue Heimat finden, stellte Rebholz fest. „Wir wollten nicht nur den gesetzlichen Anforderungen genügen, sondern auch der Funktionalität für 52 Menschen“, erläuterte die Architektin das Wohngruppenprinzip mit offenem Ess- und Wohnbereich sowie Bewohnerküche als zentralem Element. Der schlichte, langgestreckte Bau nehme mit Satteldach und vielen Dachgauben die ortstypischen Gebäudeformen der Bauernhöfe auf. Neben den großzügig verglasten Treppenhäusern stellte Rebholz die nach Süden gelegenen Loggien mit ihrem herrlichem See- und Bergblick heraus. Auch ein Geschenk hatte die Architektin dabei: Ein Vogelhaus, in welchem jener Haussperling wieder Futter finden soll, dessen Anwesenheit zu weiteren Bauverzögerungen geführt hatte. 

Bevor das Pflegezentrum den ökumenischen Segen erhielt, ergriff Heimleiter Jörg Kahl das Wort. „Mister Lindenhof“, wie er von Günther Bauer mit Augenzwinkern genannt wurde, blickte ein letztes Mal auf den langen Weg zurück. „Es war spannend bis zum Schluss“, so Kahl, denn just am Vortag des Einzugs habe man endlich die Brandschutzgenehmigung erhalten. Kahl, der vor acht Jahren als Heimleiter in Grafenaschau angefangen hatte, lobte die „ganz tolle Haltung“ der Lindenhof-Belegschaft, die ihre Arbeit immer mit einem Lächeln ausübe. „Mit dieser Haltung und der tollen Arbeitsumgebung haben wir eine gute Zukunft vor uns und können ein Teil von Schlehdorf werden“, schloss Kahl, bevor er sichtlich gerührt Brot und Salz zum Einzug sowie Hochprozentiges und Schokolade für die Nerven aus den Händen seiner Mitarbeiter entgegennahm. cw

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