Supermarkt-Gegner in Bichl

Viele Bichler sagen Nein

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Bichl - Die Gegner des in Bichl geplanten Netto-Marktes streben einen Bürgerentscheid an. Eine Unterschriftenliste wurde an den Bürgermeister übergeben.

Lange Zeit war es ruhig um den am nördlichen Ortsausgang von Bichl geplanten Netto-Supermarkt. Doch bei der nun angelaufenen Bürgerbeteiligung für die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans hat sich eine Initiative formiert, die das Projekt auf der Zielgeraden zu Fall bringen möchte. Binnen weniger Tage hat die Gruppe um Ingrid Busch-Merz und Konrad Mangold 424 Unterschriften ge-gen den Netto-Markt gesammelt. Und als die Listen am Freitag an Bürgermeister Benedikt Pössenbacher übergeben wurden, erklärte Mangold klipp und klar: „Wir wollen einen Bürgerentscheid.“ Pössenbacher lächelte etwas gequält, als knapp 30 Leute vor dem Rathaus auftauchten und ihm die Unterschriften übergaben. „Über den Zeitpunkt dieses Protests bin ich schon etwas überrascht“, sagte er. Schließlich habe der Gemeinderat wegen der Tragweite dieses Projekts vor zwei Jahren eine Umfrage unter der Bevölkerung gestartet, bei der sich 62 Prozent der Bichl für den Supermarkt ausgesprochen haben. Ingrid Busch-Merz räumte bereitwillig ein, „dass wir superspät dran sind“. Aber als vor kurzem die Bürgerbeteiligung zur Änderung des Flächennutzungplanes anlief, habe letztlich Konrad Mangold die Initiative ergriffen. Und dann habe man innerhalb weniger Tage in den ausgelegten Listen sowie auf dem Internet-Portal Openpetition 424 Unter- stützer hinter sich scharen können. Ingrid Busch-Merz erklärt sich den Zulauf vor allem damit, „dass die Leute wohl gar nicht so genau gewusst haben, wo der Supermarkt hinkommen und wie groß er werden soll.“ Diese beiden Punkte stehen auch im Mittelpunkt der Kritik, welche die Initiative an dem Projekt übt. Der geplante Standort am alten Fußballplatz befinde sich zu weit von der Ortsmitte entfernt. „Bis zum Edeka in Benediktbeuern ist es nicht recht viel weiter“, so Mangold. Auch weist er darauf hin, dass in den Nachbargemeinden Kochel, Bad Heilbrunn sowie in Penzberg zahlreiche Supermärkte für die Nahversorgung vorhanden seien. Und: Der Netto-Markt richte sich nicht in erster Linie an die Bichler, so hat Mangold in Erfahrung gebracht, „weil 80 Prozent der Kunden von auswärts kommen würden“. Darüber hinaus geht es der Initiative aber auch um das Ortsbild: Die Fläche, auf der der Supermarkt entstehen soll, befinde sich nur 100 Meter von den ersten Häusern entfernt. Das Areal dazwischen sei bereits als Mischgebiet ausgewiesen, weshalb man befürchtet, dass hier schon bald alles zugebaut wird. Bürgermeister Pössenbacher kann das zwar alles nicht nachvollziehen, er zeigte sich aber schon erleichtert darüber, dass sich die Sprecher der Initiative für ihr spätes Engagement entschuldigten. „Ich freue mich wenigstens, dass es Leute gibt, denen unsere Gemeinde nicht egal ist“, sagte Pössenbacher. Auch bot er an, dass die Vertreter der Firma Ratisbona, die den Supermarkt für Netto bauen will, den Bichlern im Rahmen einer Diskussionsrunde Rede und Antwort stehen werde. Und außerdem räumte der Bürgermeister bei dieser Gelegenheit auch gleich noch mit einem Gerücht auf, das seit einigen Tagen durch den Ort geistert: Nein, es sei nicht richtig, dass die Gemeinde das Grundstück an einen Investor verkauft habe, der im Falle eines Scheiterns der Supermarktpläne dort was auch immer hinstellen könne. Die Gemeinde Bichl, so Pössenbacher, habe mit Ratisbona einen Optionsvertrag für den Kauf des Grundstücks. Damit der aber unterschriftsreif werde, müsse für das Areal erst einmal Baurecht geschaffen werden. „Im Augenblick ist das eine landwirtschaftliche Nutzfläche, die der Gemeinde gehört“, erklärte der Rathauschef. Nach ihrem ersten Erfolg mit den 424 Unterschriften will sich die Hals über Kopf aus dem Boden gestampfte Initiative nun erst einmal „strukturieren und organisieren“, wie Ingrid Busch-Merz sagte. Deshalb könne man derzeit auch noch keine Aussage zum Zeitplan für das weitere Vorgehen machen. Der Bürgerentscheid bleibe aber natürlich das große Ziel. Und so viel weiß Busch-Merz schon: „Dass es dazu kommen kann, brauchen wir rund 170 Unterstützerunterschriften von wahlberechtigten Bichlern.“ la (mehr in der Printausgabe am Mittwoch)

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