Familienbad wird um 5 Millionen teurer

Planungsfehler mit gravierenden Folgen: Korpan will lückenlose Aufklärung, wie es dazu kommen konnte

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Penzbergs neues Millionengrab: Im Augenblick ruht die Baustelle für das neue Familienbad, gravierende Planungsfehler müssen erst ausgemerzt werden.

Penzberg – Wenn Bürgermeister Stefan Korpan am Mittwochnachmittag gemeinsam mit Stadtwerke-Chef Josef Vilgertshofer vor die Presse tritt, dann muss er die bislang unangenehmste Nachricht seiner noch sehr kurzen Amtszeit verkünden: Der Neubau des Familienbads kommt um 5 Millionen Euro teurer als geplant. Bei den Stadtwerken geht man jetzt von Gesamtkosten in Höhe von 25,4 Millionen Euro aus. Rathauschef Korpan will nun aufklären, wie es dazu kommen konnte.

Einen Verantwortlichen hat man bereits ausgemacht: den Münchner Architekten Wolfgang Gollwitzer, den man in Penzberg einst voller Stolz präsentiert hatte, gilt er doch als Spezialist für moderne Schwimmbäder. Mittlerweile ist die Begeisterung großer Ernüchterung gewichen: Gollwitzer werden schwere Planungsfehler vorgeworfen, weshalb sich die Stadtwerke von ihm im Frühjahr im Streit getrennt haben. Alleine hier geht es um Honorare von 1,2 Millionen Euro, die bereits bezahlt wurden und die nun von den Stadtwerken zurückgefordert werden. Mittlerweile ist die Sache bei Gericht anhängig, der Ausgang des Verfahrens ist ungewiss. „Da weiß man nie, wie der Richter entscheidet“, sagt Korpan. Erheblich zur Kostensteigerung beigetragen haben soll vor allem ein gravierender Planungsfehler: Gollwitzer soll an einer Seite den Beckenrand zu knapp bemessen haben, weshalb nun nicht nur das Gebäude größer wird. „Wir brauchen auch ein neues Dach“, schnauft Korpan tief durch, nachdem sich herausgestellt habe, dass die Gollwitzer-Zeichnung in der Praxis nicht umsetzbar sei. Alleine dafür fallen Mehrkosten von 500.000 Euro an. Hinzu kommt, dass der Rutschenturm aus sicherheits­technischen Aspekten größer geplant werden muss, weil im Brandfall nicht alle Badegäste im Umfeld der Rutsche umgehend das Bad verlassen könnten. Die neuen Planer mussten deshalb viele grundlegende Arbeiten noch einmal durchführen, was dazu führt, dass sich die Fertigstellung des Bads um rund ein Jahr verzögern dürfte. Die Eröffnung soll nun erst Ende 2022 erfolgen. Bürgermeister Korpan weiß, dass diese Situation äußerst unerfreulich ist, zumal keiner zum jetzigen Zeitpunkt eine verlässliche Prognose darüber abgeben kann, ob es letztlich bei den 25,4 Millionen Euro bleibt. Viele Firmen, die ihre Aufträge erst in einem Jahr oder später erhalten, dürften dann wohl höhere Preise verlangen als in den vorliegenden Angeboten. „Wir können aber nicht mehr zurück“, sagt Korpan, „denn es wurden bereits Aufträge im Wert von rund 10 Millionen Euro vergeben.“ Würde man den Neubau jetzt stoppen, „hätten wir einen zweistelligen Millionenbetrag in den Sand gesetzt“.

Korpan jedenfalls will eine „lückenlose Aufklärung“, wie es zu dieser Kostensteigerung kommen konnte und warum dies erst jetzt bemerkt worden sei. Darüber hinaus will Korpan auch den bereits kursierenden Vorwürfen nachgehen, der Neubau des Schwimmbads sei aus politischen Gründen „günstiger gerechnet“ worden, um die Bevölkerung dafür zu gewinnen. Mit anderen Worten: War es womöglich schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt bekannt, dass die immer wieder genannten 20 Millionen Euro als Höchstgrenze nicht zu halten sein würden, um vor dem Bürgerentscheid Stimmung gegen die von der Initiative um Wolfgang Kling als Alternative favorisierte Sanierung zu machen? la

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