Entlastung mit Infarktrisiko

Gemeinderat wünscht sich Tiefgarage für Studenten, will aber nicht ganz streng sein

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Auf dem Grundstück am Klosterweiher sollen drei neue Studentenwohnheime entstehen.

Benediktbeuern – Das Ulrichswerk des Bistums Augsburg will auf dem Gelände der Studentenwohnanlage drei neue Gebäude mit je sechzehn Appartements errichten. Der Benediktbeurer Gemeinderat steht dem Projekt positiv gegenüber, diskutierte allerdings die daraus resultierende Parkraumproblematik. Das Ulrichswerk will zwar doppelt so viele Stellplätze errichten wie behördlich gefordert, in der Realität dürften aber selbst diese nicht annähernd ausreichen. Die Gemeinde schlägt deshalb den Bau einer Tiefgarage vor, will jedoch mit diesem kostenintensiven Wunsch das Projekt nicht zu Fall bringen.

Mehr Wohnraum für Studenten ist dringend notwendig, denn das Angebot an Privatzimmern und Wohngemeinschaften ist im Klosterdorf seit Jahren rückläufig. Viele Studenten müssen täglich einen weiten Weg zu ihren Vorlesungen zurücklegen, was nicht im Sinne einer Campushochschule ist. Seit der Studiengang Soziale Arbeit auch in Augsburg und Rosenheim angeboten wird, befürchtet die Katholische Stiftungshochschule (KSH) zudem Abwanderungen von Studenten vom Standort Benediktbeuern. Drei neue Wohnhäuser mit je sechzehn Apartments sollen die Situation nun entspannen. Optisch werden die Neubauten sich von den im Volksmund „Starenkobel“ genannten Altbauten mit den Spitzdächern deutlich unterscheiden. „Sie fügen sich gut in die dörfliche Umgebungsbebauung ein“, stellte Bürgermeister Anton Ortlieb fest. Dies halte er für sinnvoll, da die alten Gebäude „vielleicht keine sehr hohe Lebensdauer mehr“ hätten. Auch das Landratsamt könne sich nach einem Vorgespräch mit dem Ulrichswerk das Projekt „gut vorstellen“, berichtete Ortlieb dem Gemeinderat. 

Mehr Wohnungen bringen aber auch mehr Fahrzeuge mit sich. Dass für Studentenwohnheime nur ein Stellplatz je fünf Betten gefordert wird, scheint da etwas aus der Zeit gefallen zu sein. Das sieht der Bauherr wohl ebenfalls so, denn er plante gleich doppelt so viele Stellplätze ein. Die 44 Parkflächen und zwei Garagen werden für dann insgesamt etwa 95 Apartments dennoch nicht reichen, da erfahrungsgemäß fast jeder Student ein Auto hat. Hans-­Otto Pielmeier (CSU) sieht daher ein „massives Park­problem“ auf die Gemeinde zukommen. Wenn über hundert Fahrzeuge in den umliegenden Anwohnerstraßen parkten, produziere man im unteren Dorf einen „Verkehrsinfarkt“, bemängelte er. „Ich verstehe die Planung nicht, warum gibt es keine Tiefgarage?“, fragte Pielmeier. Dies sei kein nachhaltiges Bauen, insbesondere nicht für eine Einrichtung, die sich bewusst als sozial und nachhaltig präsentiere, kritisierte der CSU-Mann weiter. 

Von einem solchen „Horrorszenario“ wollte Rudi Mühlhans (FBM) hingegen nichts wissen. Er sei „total froh, dass das Projekt nach vielen Jahren endlich vorangebracht wird“. Und wenn das kilometerlange Pendeln wegfalle, falle weniger CO2 an, was durchaus nachhaltig sei. „Mit Forderungen nach einer Tiefgarage kann man so ein Projekt unmöglich machen“, gab Mühlhans zu bedenken. Er plädierte stattdessen für eine konsequente Parkraumüberwachung und empfahl „kreative Ideen“ wie einen ÖPNV-Zuschuss oder eine günstigere Miete für Bewohner ohne Auto. Hanns Frank Seller (CSU) wiederum sprang seinem Fraktionskollegen Pielmeier bei und erinnerte daran, dass man bei den inzwischen zerschlagenen Plänen des Fraunhofer-Tagungshauses sehr wohl eine Tiefgarage gefordert habe. „Die Fahrzeuge müssen eigentlich von der Straße in den Boden verschwinden“, meinte Seller und regte an, hierüber nochmals mit der KSH zu reden. 

Der Gemeinderat stimmte letztlich der Planung zu, erteilte aber den Hinweis, dass eine Erhöhung der Stellplatzanzahl oder der Bau einer Tiefgarage „wünschenswert“ sei, das Projekt jedoch nicht an den Kosten scheitern solle. cw

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